Klimastreik: „Whose future? Our future!“

Ein aktivistisch-teilnehmender Bericht vom 4. Klimastreik in Wien

Von Alexander Stoff

Vergangenen Freitag, 11.01.2019, versammelten sich rund 60 Menschen zum vierten Mal am Heldenplatz in Wien, um ihren Unmut und Protest gegen die klimafeindliche und umweltzerstörerische Politik der Regierungen auszudrücken und für Klimagerechtigkeit ihre Stimme zu erheben.

Die Atmosphäre bei der Reiterstatue, ganz in der Nähe des temporären Parlamentstagungsortes, war sehr ausgelassen und lebhaft. Während wir auf dem Platz mit Protestschildern aufgereiht standen, wurden ständig Parolen gerufen. Etwa „No more coal, no more oil! Keep the carbon in the soil!“ (Keine Kohle und auch kein Erdöl mehr, lasst den Kohlenstoff in der Erde). Oder in einem Dialog zwischen einem jungen Mann, der Parolen vorgab und der Menge, die darauf antwortete: „What do we want? Climate justice! When? Now! Whose future? Our future“ (Was wollen wir? Klimagerechtigkeit! Wann? Jetzt! Wessen Zukunft? Unsere Zukunft!).

Nach der Melodie eines bekannten Demoliedes („Wehrt euch! Leistet Widerstand! Gegen den Faschismus/Sozialabbau im Land!“) wurde von den Aktivist*innen gemeinsam ein Lied angestimmt. Unter den Dirigent*innenkünsten eines Aktivisten sogar im Kanon: „Hey ho, take me by your hand. Strong in solidarity we stand. Fight for climate justice, fight for climate justice!“ (Nimm mich bei deiner Hand. In Solidarität sind wir stark. Kämpfen wir für Klimagerechtigkeit). Auch um uns in der klirrenden Kälte aufzuwärmen, zogen wir von Zeit zu Zeit dann im Kreis gehend oder in Schlangenlinien über den Platz und riefen lautstark unsere Parolen. Unter „Wer nicht hüpft, der ist für Kohle!“-Rufen wurde sich auch hüpfend fortbewegt.

In der Nähe der Demonstration hatten die Organisator*innen ein paar Tische mit Stühlen aufgestellt. Wie es in der Ankündigung zur Aktion hieß sollten vorbeikommende Passant*innen die Gelegenheit haben, mit uns über das Thema Klimawandel und Klimagerechtigkeit in einen Dialog auf gleicher Augenhöhe zu treten.

Insgesamt ist mein Eindruck, dass die öffentliche Resonanz ruhig größer sein hätte können. Die Aktion fand von 10 bis 13 Uhr statt. Womöglich ist es auch dem Ort am Heldenplatz geschuldet, dass relativ wenige Menschen, und davon vermutlich vor allem Tourist*innen, sich in unsere Nähe verirrten und der tollen Aktion beiwohnten. Jedenfalls war es eine wunderbare Erfahrung und macht Lust auf mehr. Auf dass die Bewegung wachsen und wachsen möge. Denn die Zeit drängt. Bekanntlich haben wir keinen Planet B.

Während wir da so standen, tauchte irgendwann am Rand der Kundgebung eine Gruppe aus Kindern auf, vermutlich eine Schulklasse, die uns beobachtete. Ein Demonstrant zeigte plötzlich auf die Kinder und rief „Whose future? Their future!“ Es gesellten sich dann tatsächlich auch Kinder zu uns und stellten sich beim Denkmal auf. Manche Kinder hielten Protestschilder in die Höhe. Gemeinsam wurden nun Parolen gerufen. Besonders eindringlich war es, als die Kinder riefen: „Whose future? Our future!“ und „Wir sind hier! Wir sind laut! Weil man uns die Zukunft klaut!“

Hintergrund von Fridays for Future ist übrigens der Aktionismus von Greta Thunberg. Sie ist eine schwedische Schülerin, die durch ihre Rede beim Umweltgipfel COP24 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden ist. Darin kritisiert sie, dass die Regierungen der Welt nicht genug unternehmen, um den Folgen des Klimawandels entgegenzutreten. Sie appelliert leidenschaftlich daran, den zukünftigen Generationen einen lebenswerten Planeten zu hinterlassen. Und Greta Thunberg sagt, dass ein Systemwandel notwendig ist, denn die kapitalistische Wirtschaftsweise richtet mehr Schaden an als dass sie den Menschen menschenwürdige Lebensbedingungen und eine blühende Umwelt bietet. 

#ClimateStrike Rede von Greta Thunberg beim COP24 from Loukanikos on Vimeo.

Greta streikt übrigens selbst jeden Freitag mit Protestschild an einem öffentlichen Ort anstatt in die Schule zu gehen. In der Schweiz und an anderen Orten gab es auch bereits größere Demonstrationen von Schüler*innen und Studierenden, die dem Ruf von Greta Thunberg folgen und für Klimagerechtigkeit auf die Straße gehen. Und die Bewegung für Klimagerechtigkeit wächst mit jedem Tag.

Hier ein kleiner Videomitschnitt vom 4. Klimastreik in Wien:

4. Klimastreik in Wien #FridaysForFuture from Loukanikos on Vimeo.

Schließlich in einer berührenden Weihnachtsvideobotschaft, die von der jungen Umweltaktivistin Bella Lack initiiert wurde, erheben Kids aus aller Welt ihre Stimme für Klimagerechtigkeit. Ihr gemeinsamer Appell: wir wünschen uns eine Zukunft.

Fotos: Alexander Stoff

3 Kommentare

  1. Ich finde es sehr ermutigend, dass auch in unserem Land die Jugend beginnt, für ihre Zukunft zu kämpfen. Allerdings möchte ich Folgendes zu bedenken geben:
    1) Greta hat bei sich selber angefangen: sie ernährt sich vegan (persönlich glaube ich, dass es genügt, den Fleischkonsum auf einmal pro Woche und den Milchkonsum auf maximal viermal pro Woche zu beschränken und nur Milch und Fleisch von Weidetieren (keine Schwein und Geflügel) zu essen, die dort gehalten werden, wo kein Ackerbau möglich ist, z.B. in den Alpen; der Rest der Ernährung sollte möglichst regional und biologisch sein), sie fährt, wenn überhaupt Auto, nur mit dem Elektroauto, fliegt nicht mit dem Flugzeug, trägt nur ökofair produzierte Kleidung, verzichtet auf Konsumgüter, die nicht unbedingt notwendig sind, z.B Kosmetik.
    Ich glaube, dass das unabdingbare Voraussetzungen dafür sind, als DemonstrantIn ernst genommen zu werden. Wer selber dazu nicht bereit ist, verdient keine besseren Politiker, denn eine andere Politik zu machen ist genauso schwierig, wenn nicht schwieriger, wie als Privatmensch sein Leben zu ändern; er/sie verdient auch keine bessere Schule, denn es ist schwer, Jugendliche zu unterrichten, die keinen Ehrgeiz haben!
    Schulstreik kann eine mutige Entscheidung sein, denn Greta spricht wirklich das größte Problem der gegenwärtigen Bildung an: dass die Schule nicht erklären kann, auf welche Zukunft sie überhaupt vorbereitet. Lehrer sind beim Vermitteln von Lehrstoff und in der Kommunikation mit SchülerInnen im allgemeinen viel professioneller als ihr Ruf. Aber das ist gar nicht das Wichtigste, was von LehrerInnen der Gegenwart erwartet werden darf. Das Wichtigste, was Ihr von euren LehrerInnen erwarten dürft, ist, dass sie in ihrer persönlichen Lebensführung ein Vorbild sind, und dass die Art, wie sie leben, euch eine Chance auf Zukunft lässt: Dass sie keine Flugreisen machen, nicht mit dem Auto zur Schule fahren, sich ökologisch verträglich ernähren, ökofaire Kleidung in vernünftigem Ausmaß tragen (nicht ständig neue kaufen) bereit sind, für haltbare Gebrauchgegenstände mehr Geld auszugeben, etc. Niemand schafft es in der gegenwärtigen Situation, in all diesen Dingen perfekt zu sein. Aber wenn ein Lehrer/eine Lehrerin ganz offensichtlich sich keine Mühe gibt, würde ich ihn/sie darauf ansprechen und würde meine diesbezüglichen Erwartungen an sie/ihn deutlich formulieren. Und wenn ihr den Eindruck habt, dass er/sie euer Anliegen nicht ernst nimmt, dann würde ich den Unterricht dieses Lehrers /dieser Lehrerin bestreiken, aber nur dann, wenn ihr von euch selber sagen könnt, dass ihr in eurer eigenen Lebensführung deutlich gewissenhafter seid als diese Lehrperson. Welchen Sinn hat es, freitags zu streiken, wenn an diesem Tag vielleicht ein sehr guter Unterricht stattfindet, der für eure Zukunft wichtig ist? Und überschätzt nicht die Macht der Politiker! Sie können in der Demokratie keine Wunder wirken bei Menschen, die nicht bereit sind, für ihre Überzeugung auch auf etwas zu verzichten!

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