Umweltbericht der UNO mahnt zu Transformation und Dekarbonisierung

Umweltzerstörung
Foto: R. Manoutschehri

Der neueste UN-Report über den Zustand unserer Umwelt warnt vor drohenden Schäden an der Natur und dem Planeten sowie zunehmender Gesundheitsgefährdung, wenn nicht dringende Maßnahmen ergriffen werden.

Von R. Manoutschehri

Die Gesundheit des Planeten steht mit der Unseren in enger Verbindung, so der bislang umfassendste Report der Vereinten Nationen zum Zustand unserer Umwelt. Er warnt vor drohenden Schäden an der Natur und dem Planeten sowie zunehmender Gesundheitsgefährdung, wenn nicht dringende Maßnahmen ergriffen werden.

Im sechsten globalen Umwelt-Report (GEO-6) für 2019, der von 250 Wissenschaftlern aus mehr als 70 Ländern erstellt und anlässlich der gerade stattfindenden UN-Umweltversammlung in Nairobi veröffentlicht wurde, heißt es, dass wir entweder den Umweltschutz drastisch erhöhen müssen oder dass vor allem in Städten und Regionen in Asien, dem Nahen Osten und Afrika Millionen vorzeitiger Todesfälle bis zur Mitte des Jahrhunderts zu beklagen sein werden.

Die großen Probleme unserer Zeit

Aktuell beträgt unsere Population 7,7 Milliarden Menschen auf der Erde – bis 2030 werden es 8,6 Milliarden sein – bis 2050 wird die Weltbevölkerung auf 9,8 Milliarden angestiegen sein und bis zur Jahrhundertwende werden wir die 11 Milliarden-Grenze überschritten haben, so die UN-Prognosen. Gleichzeitig werden immer mehr Menschen in Städten leben, die Schätzungen für 2050 gehen von 68 Prozent der gesamten Menschheit aus. Ressourcenverbrauch und Umweltbelastung nehmen dementsprechend zu. Und das Leben auf unserem Planeten wird damit zunehmend ungesünder. Schon derzeit sei rund ein Viertel aller Todesfälle auf schädliche Umwelteinflüsse zurück zu führen, so die UN-Experten.

Es wird vor zunehmender Luftverschmutzung gewarnt aber auch davor, dass Schadstoffe in unseren Süßwassersystemen bis 2050 zu einer Haupttodesursache aufgrund mikrobieller Resistenzen werden können und endokrine Disruptoren die männliche und weibliche Fertilität sowie die Entwicklung von Kindern negativ beeinflussen werden.

Als aktuell besonders vorrangige Themen, die auch in Verbindung mit dem Klimawandel stehen, werden derzeit Energiepolitik, bzw. der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und die Verbreitung der Elektromobilität besprochen, das Stoppen von Lebensmittel-Verschwendung sowie die Bewältigung von Müllproblemen und zunehmender Plastikverschmutzung in den Meeren. Und natürlich müsse das rasante Artensterben durch Raub und Fragmentierung von Lebensräumen beendet werden.

Umweltwissenschaftlerin Joyce Msuya, stellv. Generalsekretärin des Umweltprogramms der Vereinten Nationen in einem Begleit-Statement:

„Für die Wissenschaft ist klar: Die Gesundheit und der Wohlstand der Menschheit hängen direkt mit dem Zustand unserer Umwelt zusammen. Dieser Bericht bietet eine Perspektive für die Menschheit. Wir stehen am Scheideweg. Bleiben wir auf unserem derzeitigen Weg, der zu einer düsteren Zukunft für die Menschheit führen wird, oder bewegen wir uns auf einem nachhaltigeren Entwicklungspfad weiter? Das ist die Wahl, die unsere politischen Führer jetzt treffen müssen.“

Das Modell „Wachstum jetzt, aufräumen später“ müsse nachhaltigeren Zielen und Vorgehensweisen weichen. Derzeit ist die Welt nicht in der Lage, die Sustainable Development Goals (SDGs) der „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ bis 2030 oder 2050 zu erfüllen. Dringende Maßnahmen sind jetzt erforderlich. Jede Verzögerung der Klimaschutzmaßnahmen erhöht die Kosten für das Erreichen der Ziele des Pariser Abkommens oder die Umkehrung unserer Fortschritte und macht sie irgendwann unmöglich, präzisiert Msuya.

Die Empfehlungen für Politik und Wirtschaft

Politische Interventionen, die sich auf ganze Systeme wie Energie, Nahrungsmittel und Abfälle beziehen und nicht nur auf Einzelfragen wie etwa Wasserverschmutzung konzentrieren, können den Autoren zufolge viel effektiver sein. Zum Beispiel sind ein stabiles Klima und saubere Luft miteinander verbunden. Die Klimaschutzmaßnahmen zur Erreichung der Ziele des Pariser Abkommens würden etwa 22 Milliarden US-Dollar kosten, die kombinierten gesundheitlichen Vorteile einer geringeren Luftverschmutzung könnten sich jedoch auf zusätzliche 54 Milliarden US-Dollar belaufen.

Und während sich die Verstädterung weltweit auf beispiellosem Niveau vollzieht, würde das Umsetzen der Empfehlungen des GEO-6-Berichts die Möglichkeit bieten, das Wohlbefinden der Bürger zu steigern und trotzdem gleichzeitig den ökologischen Fußabdruck durch verbesserte politische Lenkungsmaßnahmen, Landnutzungsplanung und grüne Infrastruktur zu verringern. Darüber hinaus würden strategische Investitionen in ländlichen Gebieten den Migrationsdruck reduzieren.

33 Prozent der weltweiten essbaren Nahrungsmittel werden verschwendet, 56 Prozent der Abfälle fallen in Industrieländern an. Die UN-Experten raten daher, weniger fleischintensive Diäten einzuführen und die Verschwendung von Lebensmitteln sowohl in Industrie- als auch in Entwicklungsländern zu reduzieren, was die Notwendigkeit verringern würde, die Nahrungsmittelproduktion um 50 Prozent zu erhöhen, um die voraussichtlich 9-10 Milliarden Menschen auf der Erde im Jahr 2050 zu ernähren.

Der Bericht fordert weiters Maßnahmen zur Eindämmung der 8 Millionen Tonnen Plastikverschmutzung, die jedes Jahr in die Ozeane gelangen. Zwar hat das Thema in den letzten Jahren zunehmend Beachtung gefunden, es gibt jedoch immer noch keine weltweite Vereinbarung, um diese Problem in den Griff zu bekommen.

Dabei würde die Welt über ausreichende Wissenschaft, Technologie und Finanzen verfügen, um auf eine nachhaltigere Entwicklung umzuschwenken, auch wenn Öffentlichkeit, Wirtschaft und politische Entscheidungsträger, die an veralteten Produktions- und Entwicklungsmodellen festhalten, noch immer keine ausreichende Unterstützung bieten.

„Richtlinien und Technologien sind vorhanden, um neue Entwicklungspfade zu entwickeln, die diese Risiken vermeiden und Gesundheit und Wohlstand für alle Menschen schaffen“, sagten Joyeeta Gupta und Paul Ekins, Co-Vorsitzende des GEO-6-Prozesses. „Was derzeit fehlt, ist der politische Wille, Politik und Technologien ausreichend schnell und in ausreichendem Maße umzusetzen. Die politischen Entscheidungsträger müssen sich jetzt den Herausforderungen stellen und die Chancen einer besseren Zukunft für die Menschheit nutzen.“

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