Sahra Wagenknecht – offen, ehrlich, bemerkenswert

Sonntag ist Büchertag: Christian Schneider, Sozialpsychologe und Publizist, ermöglicht mit seinem Buch einen vielseitigen und tiefgehenden Einblick in die Person und das Leben von Sahra Wagenknecht.

„Sahra Wagenknecht. Die Biografie“ von Christian Schneider (campus Verlag)

Sie ist eine der beliebtesten und zugleich umstrittensten deutschen Politikerinnen. Durch ihre Medienpräsenz ist sie sozusagen zu einem „Star“ der Politik geworden. Dennoch scheint Sahra Wagenknecht unnahbar, vermutlich aufgrund ihrer Schüchternheit. Christian Schneider wirkt dem mit seiner Biografie entgegen. Er führte offene und intensive Gespräche mit dem engsten Vertrauenskreis. Sahras Mutter, eine Freundin aus der Kindheit sowie der Lebensgefährte Oskar Lafontaine und auch Wagenknecht selbst öffneten sich ihm gegenüber in einer außerordentlichen Art und Weise. All dieser Austausch ermöglichte ihm diese vielfältige und tiefgründige Sicht, die er nun in seiner Biografie, die im Herbst 2019 im campus Verlag erschienen ist, mit uns teilt.

Geboren und aufgewachsen in der damaligen DDR, erlebte Sahra Wagenknecht bereits früh radikale Lebenseinschnitte. Ihr Vater, der nur vorübergehend in Deutschland war, kehrte, als sie gerade einmal zweieinhalb Jahre alt war, in sein Heimatland, den Iran, zurück. Diese Wende ist unter anderem ausschlaggebend dafür, dass sie in ihrem Leben immer wieder aneckt, auch politisch. Von Kindesbeinen an wird sie zur Außenseiterin gemacht. Warum? Weil die Wurzeln ihres iranischen Vaters sie anders aussehen lassen. Sie zieht sich mehr und mehr zurück, liest viel, entwickelt eine Leidenschaft für die Mathematik und arbeitet sich durch die klassische Philosophie Hegels und Marx‘. Die Einzelgängerin wird zur Einzelkämpferin.

Doch warum hat sie sich entschlossen, in die Politik zu gehen? Den Weg hat ihr wohl Karl Marx und dessen 11. These über Feuerbach geebnet:

„Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt darauf an, sie zu verändern.“ (Marx, 1845)

Doch auch das Ende der DDR trägt hierbei einen großen Anteil. Bis zuletzt glaubte sie an eine bessere und damit sozialistische Welt. Für den Biografen Christian Schneider ist dies die „Geburtsstunde“ der Politikerin in Sahra Wagenknecht.

Eine Zeit beginnt, die alles andere als reibungslos verläuft. Mit ihrem ausgesprochenen politischen Eigensinn und ihrem Festhalten am marxistischen und sozialistischen Denken, stellt sie sich auch innerhalb der Partei oftmals quer und fällt auf. Die Folge ist, dass sie 1995 ihren Vorstandsposten auf Anweisung des damaligen Parteikollegen Gregor Gysi räumen muss. Ein Rückschlag? Keineswegs! Die Medien interessieren sich immer mehr für sie und ihre Bekanntheit steigt. „Jung und wild“, das kommt an. Ein frischer Wind, der so ganz dem Gegenteil eines routinierten Berufspolitikers entspricht. Doch genau dieser „frische Wind“, der vielen gefällt und sympathisch wirkt, stößt ihr im politischen Umfeld immer wieder bitter auf. Eine Belastung, die auch schnell zu psychischen wie physischen Folgen führen kann. Dies bekommt auch Wagenknecht mehr und mehr am eigenen Leib zu spüren. Aufgeben ist dennoch keine Option.

Eine besondere Rolle kommt auch ihrem jetzigen Ehemann, Oskar Lafontaine, zu. Er war es, der Wagenknecht schließlich von ihren starren marxistischen Ansichten und ihrem Blick auf die Welt ablösen konnte.

Mit dem erstmaligen Einzug der AfD im Jahr 2017 in den deutschen Bundestag folgt ein weiterer politischer Dämpfer. Die Aussicht auf eine linke Mehrheit bleibt bis auf Weiteres erstmal ein Gedankenspiel. Um der linken Fraktion einen neuen Aufschwung zu bringen, gründet sie ihre eigene Bewegung „Aufstehen“. Ein Versuch, der jedoch keine Erfolge mit sich bringt, und bereits wenige Monate später zieht sie sich wieder aus der Führungsspitze zurück.

Ein Burn-out Anfang des Jahres zwingt sie dann letztendlich in die Knie. Ein (vorübergehender?) Rückzug ist unumgänglich. Sahra beschließt, kein weiteres Mal für die Linken als Fraktionsvorsitzende im deutschen Bundestag zu kandidieren, sie selbst fühlt sich leer. E-Mails bleiben unbeantwortet, vollkommen untypisch für das einst so „gehetzte Leben“ von Sahra Wagenknecht. Mehr und mehr wird ihr bewusst, dass sie an den Grenzen ihrer politischen Fähigkeiten gekommen ist.

Der Autor wagt sich behutsam an eine Voraussage, was die politische Zukunft Wagenknechts betrifft und merkt an, dass er eine Rückkehr an die Spitze der Linkspartei für unwahrscheinlich erachtet.

Christian Schneiders Biografie ist von Grund auf gelungen, wenn auch die tiefen Einstiege des Sozialpsychologen und Psychoanalytikers in die Theorienwelt zu schwerer Kost werden können. Das Abbild von Sahra Wagenknecht ist dennoch sehr gelungen und dem/der Leser/in werden tiefe und vor allem auch spannende Einblicke in Wagenknechts Kindheit sowie in ihre Ängste, aber auch Überzeugungen ermöglicht. Man erkennt sehr schnell, dass hinter der politisch engagierten Frau keine „eiskalte Politikerin“ steckt, sondern eine kluge und ehrliche Beobachterin. Bemerkenswert ist sicherlich, dass Sahra Wagenknecht trotz ihrer Einschnitte und der immer wieder aufkeimenden Kritik ihrer Person gegenüber dem nicht zu viel Bedeutung schenkt und ihrer Linie stets treu bleibt.

Ein sehr offenes und ehrliches Buch, mit spannenden Einblicken zu einer bemerkenswerten Frau und Politikerin.

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Unsere Zeitung verlost gemeinsam mit dem ÖGB-Verlag aktuell 1 Exemplar des Buches „Sahra Wagenknecht – Die Biografie“. Schreiben Sie einfach ein E-Mail mit dem Betreff „Sonntag ist Büchertag“ und Ihrer Anschrift an gewinnspiel@oegbverlag.at und mit etwas Glück finden Sie das Buch bald in Ihrem Postkasten.

Teilnahmeschluss ist der 21.12.2019. Der/Die glückliche Gewinne/in wird anschließend in der Kalenderwoche 52 vom ÖGB-Verlag per E-Mail verständigt.

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Teilnahmebedingungen:
Teilnahmeberechtigt sind Personen ab dem vollendeten 18. Lebensjahr. Schriftverkehr und Rechtsweg sind ausgeschlossen. Der Gewinn ist nicht in bar auszahlbar. Der/Die GewinnerIn wird per E-Mail verständigt. Einsendeschluss: 21.12.2019. Datenschutz: Die Teilnahme am Gewinnspiel erfordert die Angabe personenbezogener Daten. Der/Die TeilnehmerIn erklärt sich ausdrücklich damit einverstanden, dass die von ihm/ihr übermittelten Daten von Verlag des ÖGB GmbH, Johann-Böhm-Platz 1, 1020 Wien, für die Durchführung und Abwicklung des Gewinnspiels erhoben und verarbeitet werden dürfen. Widerruf der Datenverwendung ist jederzeit per E-Mail an datenschutz@oegbverlag.at unter der Angabe des Betreffs „Widerruf Gewinnspiel Unsere Zeitung“ möglich.

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