Verbannt ins Niemandsland

Wie man Menschen zur Flucht zwingt, entrechtet und sie dann noch betrügt und zu Kriminellen stempelt: Erdogan zeigt gerade vor, wie das geht.

Ein Kommentar zum Zeitgeschehen von R. Manoutschehri

Wie man Menschen zur Flucht zwingt, entrechtet und sie dann noch betrügt und zu Kriminellen stempelt: Erdogan zeigt gerade vor, wie das geht … und die EU sieht zu …

Der Ablauf in Kurzform:

Die Türkei führt einen von der Weltgemeinschaft nicht legitimierten Angriffskrieg in Nordsyrien. Worauf die Menschen von dort flüchten müssen und dabei z.T. auch in türkischen Flüchtlingslagern landen. 
Dann verkündet Erdogan diesen Menschen, sie dürfen weiter nach Europa reisen, er mache die Grenzen auf.

Dem folgen rund 12.000 Menschen – und kommen vor Ort darauf, dass nur die türkischen, nicht aber die griechischen Grenzen offen sind und sie von dort mit Gewalt wieder vertrieben werden.

Nun behauptet Erdogan, diese Menschen hätten die Türkei ja schon verlassen und dürfen nicht mehr zurück – und errichtet Polizeisperren, um dies zu verhindern.
 Diese rund 12.000 Menschen können jetzt also weder vor noch zurück, weder nach Griechenland, noch in die Türkei – und sitzen quasi im Niemandsland fest. Einen Flüchtlings- oder sonstigen rechtsstaatlichen Status hat damit niemand mehr, jegliches Menschenrecht ist aufgehoben. Für manche werden diese Menschen jetzt sogar zum „Freiwild“ für Gewalttaten jeder Art.

Die EU sieht zu ???

Rechte und konservative Politiker – darunter auch von den „so genannten“ christlichen Parteien – sehen diesem eklatanten Bruch von Völker- und Menschenrecht nicht nur tatenlos zu, sondern legitimieren diesen und rufen sogar nach noch „mehr Abwehr“ – die Weltgemeinschaft sieht dabei nicht nur zu, sie „macht zu“.

Es geschehen gerade Dinge, die bis vor kurzem noch undenkbar waren. Uns allen gemeinsame Werte und die Rechtsstaatlichkeit scheinen sich aufzulösen und egoistischen brutal-nationalistischen Einzelinteressen zu beugen.

Und wenn sich nicht einmal mehr Regierungen an bisher gültige, gemeinsame „Mindeststandards“ halten, wird es nicht mehr lange dauern, bis sich auch die Normal-Bevölkerung nicht mehr an gültige Gesetzgebung gebunden fühlt. Immer mehr „Einzelfälle“ zeigen, dass sie nur Vorboten von Zerfall und Anarchie sind.

Gehen wir diesen Weg weiter, schicken wir uns alle selbst ins Niemandsland … Oder wir erinnern uns wieder daran, dass die Menschheit doch nur eine (1) Familie ist, die auch nur in einem gemeinsamen Garten lebt – und wenn Einzelne in diesem Garten Schaden anrichten, sind wir alle die Leidtragenden.

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