Coronaviruskrise: Ein Vergleich zwischen Ost und West (Teil 2)

Der Westen wähnt sich dem Osten im Allgemeinen als überlegen. Die unterschiedlichen Arten des Umganges mit der SARS-CoV-2 Pandemie sagen uns zumindest in dieser Hinsicht jedoch etwas anderes. Ein Blick auf die US-Allierten Israel, Ecuador und Brasilien.

Von Gregor Flock

Israel

Der US-Allierte Israel ist, mehr noch als Apartheid-Südafrika, ein offenkundig rassistischer Staat, und das macht sich auch in Zeiten des Coronavirus bemerkbar. Es liegt zum Beispiel ein Fall vor, im Rahmen dessen zwei Israelis einen für einen Chinesen gehaltenen und mit dem Coronavirus in Zusammenhang gebrachten Inder(!) krankenhausreif geprügelt haben:

Michael Lynk, der UNO-Sonderberichterstatter für Menschenrechte im Territorium Palästina, stellte fest, dass Israel seine internationalen Verpflichtungen zur Sicherstellung des Rechts auf Gesundheit für Palästinenser tiefgehend verletzt hat:

Die seit Jahren regelmäßig stattfindenden Vandalismusaktionen von radikalen israelischen Siedlern gegen Palästinenser und deren agrarische Lebensgrundlagen wie Olivenbäume oder Traubenstöcke, die über Nacht teilweise zu hunderten zerstört werden, geht munter weiter:

Auch der israelische Staat selbst ist an vergleichbaren Aktionen beteiligt. Den teilweise willkürlich verhafteten („administrative detention„) und auch oftmals minderjährigen gefangenen Palästinensern wird geraten, einfach die eigenen Socken als Gesichts- und Atemschutz zu verwenden, obwohl diese nicht feinmaschig genug sind (sieht N95 Masken), um Viruspartikel aufzuhalten. Da die palästinensischen Territorien in vielerlei Hinsicht geschwächt sind, können lockdown Maßnahmen dort sogar den gegenteiligen Effekt haben:

Der Apartheid-Staat Israel sinkt dabei sogar so tief, dass er medizinische Zelte und Gerätschaften von den Palästinensern stiehlt, die sich damit auf die Coronaviruskrise vorbereiten wollten:

Der Israelische Auslandsgeheimdienst Mossad hat währenddessen 400.000 Virustestkits ‚besorgt‘ und macht keine Angaben darüber, woher diese stammen. Vielleicht war ein Teil davon von Palästinensern oder für diese bestimmt?

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch der US-Diebstahl einer Lieferung von Schutzmasken für Deutschland:

Der Grund: Ein Million von in den USA eigentlich dringend benötigten Masken (derzeit 400.000 bestätigte Fälle, 12.911 Tote und 22.539 Genesene; hier auch ein Bericht dazu, warum die offizielle Todeszahl in den USA zu niedrig ist) wurde für viele unverständlicherweise an die israelische Armee ausgehändigt (siehe hier für weitere Kommentare dazu):

Ecuador

Auch Ecuador ist nach dem Machtwechsel von Ex-Präsident Rafael Correa zu Lenin Moreno mittlerweile Teil der großen westlich-imperialistischen Wertegemeinschaft. Das hat sich einerseits so geäußert, dass Lenin Moreno den seit Jahren in der Ecuadorischen Botschaft in London festsitzenden, unter psychologischer Folter stehenden und mit zahlreichen Journalismuspreisen ausgezeichneten Wikileaks-Gründer und Aufdeckerjournalisten Julian Assange vor allem für einen IMF-Kredit von ein paar Milliarden Dollar im April 2019 an seine politischen Verfolger im Westen ausgehändigt hat.

In Zeiten des Coronavirus (momentaner Stand: 3737 bestätigte Fälle, 191 Verstorbene und 100 Genesene) äußern sich diese Unwerte in Form eines privatisierten Gesundheitssystems, im Rahmen dessen man sich für die bescheidenen Summe von nur rund drei Viertel eines durchschnittlichen Monatslohns auf den Virus testen lassen kann:

Brasilien

Eine weitaus größere Katastrophe stellt das seit dem Bolsonaro-Regime ebenfalls mit den USA allierte Brasilien dar. Es gab widersprüchliche Berichte darüber, ob der eigentlich bereits positiv getestete und sich in Quarantäne befindliche Bolsonaro den Virus hat oder nicht. Meine Vermutung ist ja. Das hat Bolsonaro dennoch nicht daran gehindert, in einem unüberlegten Politstunt die eigene Quarantäne zu brechen und die Hände von mindestens 272 seiner Unterstützer zu schütteln. Einer von Bolsonaros wichtigsten Unterstützern hat ihn daraufhin zum Rücktritt aufgefordert und der hashtag #ImpeachmentdoBolsonaroURGENTE wurde der Nr. 1 Trend auf Brasiliens Twitter:

Hier einige Aufnahmen von diesem verantwortungslosen Politstunt:

Bolsonaro hat seine Anhänger ferner zu Protestmärschen mitten in der sich ausbreitenden Coronaviruspandemie aufgerufen. Der Journalist Glenn Greenwald deutete dies – vermutlich korrekt – dahingehend, dass es sich bei Bolsonaro um einen verantwortungslosen Soziopathen handelt:

Bolsonaro ließ eine Pressekonferenz abhalten, in der die ausschließlich männlichen und weißen Minister nicht in der Lage zu adäquatem social distancing waren. Zwei seiner Minister und 16 Mitglieder von seinem Stab waren zu diesem Zeitpunkt bereits mit dem Coronavirus infiziert – und das möglicherweise sogar von Bolsonaro selbst:

Der vermutlich infizierte Bolsonaro hatte sogar Probleme damit, sich die eigene Maske korrekt aufzusetzen:

Das nicht besonders überraschende Ergebnis dieser für alle offen zur Schau gestellten kompletten Unfähigkeit Bolsonaros im Umgang mit der Coronaviruskrise war, dass kurz nach dieser Telekonferenz landesweit lautstarke Proteste gegen das Bolsonaroregime begannen:

Diese Proteste gingen tage- bzw. nächtelang ohne Unterbrechung weiter:

Das Mandat Bolsonaros begann sich dadurch in der Tat aufzulösen:

Am Rande sei auch angemerkt, dass es kurzfristig Berichte gab, denen zufolge der Fußballer Ronaldo viel Geld spendet, um Coronaviruspatientien behandeln zu können. Diese Berichte wurden jedoch kurz danach wieder gelöscht, was stark darauf hindeutet, dass es sich dabei um eine Ente bzw. Falschmeldung gehandelt hat.

Der momentane Stand der Dinge scheint derjenige zu sein, dass sogar das Militär selbst von Bolsonaros Unfähigkeit genug hatte und diesen mittlerweile weitestgehend weggeputscht hat. Die Landesführung dürfte immer mehr ein gewisser General Walter Souza Braga Netto übernehmen:

Da man kaum unfähiger und widerlicher sein kann als Bolsonaro, der Brasiliens Militärdiktatur von 1964 bis 1985 gutgeheißen hat und während dieser als Offizier gedient hat, könnte man diesem vermutlich länger andauernden Machtwechsel vielleicht etwas Gutes abgewinnen. Andererseits gibt es auch bereits Berichte, dass die bereits angeschlagene Brasilianische Demokratie nun komplett tot sei:

Man darf somit also gespannt bleiben, was die Ereignisse der nächsten Tage und Wochen in Brasilien bringen werden. Fest steht jedoch schon einmal, dass die westlich-imperialistischen Vasallenstaaten wieder einmal in vielerlei Hinsicht kläglich versagt haben und das auf nichts anderes als einen gigantischen Systemfehler hindeutet.

Gregor Flock ist unabhängiger systematischer Philosoph (univie.academia.edu/GregorFlock), Zivilgesellschaftler (Global Civil Society Network), politischer Analyst (medium.com/@GregorFlock). Twittert unter @GFlock_GCSN.

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