Der böse Virus und die guten Krisenmanager

Ein Gastbeitrag von Klaus Hecker

Greta Thunberg: „I want you to panic“

Diese Ansage beinahe ein Hilferuf (weil es 5 nach 12 ist) von Greta vor etwa einem Jahr öffentlich geäußert, hat nicht nur nichts gebracht, sondern die Politiker haben darin eine Argumentationsfolie entdeckt, den naiven Schülern mal den Weg zu weisen.
Alles gut und schön oder besser schlecht mit dem Klimawandel, den Folgen daraus wie Tod und Elend und sonst noch alles Mögliche, aber wie würde es dann, würde man den Schülern folgen, um die Realität stehen. Und was ist diese, die Realität, das sind die Unternehmen mit ihren Gewinnkalkulationen und die müssen sein, sonst ist alles aus. Übersetzt wird das in Arbeitsplätze.

Auffällig ist, dass, was eben noch völlig unmöglich war, mit erstaunlichem Tempo durchgeführt und die Wirtschaft quasi und fast lahm gelegt wird.

Schluss daraus: Die Sachzwänge der Wirtschaft, die den eifrigen Schülern immer entgegen gehalten wurden, sind ihrerseits einfach ein Mittel politischer Kalkulationen, die jetzt wie zu besichtigen auch mal rasch außer Kraft gesetzt werden.

Vertrauen in die Politiker ist erste Bürgerpflicht

Scholz feuert aus der Bazooka (wer zahlt die Miesen eigentlich am Ende des Tages?), Spahn tischt Maßnahmen auf, die all unser Leib und Leben schützen. Ist das glaubhaft und was machen die Politiker außer solchen verdienstvollen Dingen und was haben sie eigentlich sonst so gemacht.
Mit viel Fleiß zum Beispiel das Gesundheitswesen zu einer Profitmaschine umgerüstet, wobei dann naturgemäß etliche dringend notwendige Arbeitsbereiche unter den Tisch fallen, was man jetzt besichtigen kann.

Dazu das Bündnis „Krankenhaus statt Fabrik“

„Unsere Krankenhäuser sind auf ökonomische Effizienz getrimmt. Und da das Finanzierungssystem über Fallpauschalen nur erbrachte Leistungen bezahlt, für das Vorhalten von Betten und Therapiekapazitäten für den Not- oder Katastrophenfall aber keine Mittel bereitstellt, werden solche Situationen in der Planung der Klinikabläufe auch nicht ausreichend berücksichtigt.
Landauf landab werden in zunehmenden Ausmaß in vielen Krankenhäusern Betten – auch auf Intensivstationen – gesperrt, weil – schon ohne den Andrang von zusätzlichen Covid-19-Erkrankten – nicht genügend Pflegekräfte zur Verfügung stehen, um die Patienten bei den vorhandenen Bettenkapazitäten angemessen zu versorgen. Für die Versorgung schwer kranker Covid-19-PatientInnen stehen also in Wirklichkeit weniger Betten zur Verfügung als dies aus den Krankenhausstatistiken herauszulesen ist.“ (scharf-links.de, 16.3.2020)

So geht also Gesundheitspolitik in einem der reichsten Länder der Welt

Die vielfach beschworene europäische Solidarität, die ja angesichts eines nicht an Ländergrenzen zu stoppenden Virus, was zwingend etwas sachlich Gebotenes hätte, sieht dagegen so aus: Europäische Solidarität zeigt sich darin, dass Deutschland sich federführend für ein Ausfuhrverbot medizinischer Hilfsmittel gegen den Corona Virus einsetzt, auch Italien ist von diesem Verbot betroffen und auch Serbien.

Global ist ein Fremdwort – Nachbarschaftshilfe aber genauso

Der Exportweltmeister Deutschland kann nicht genügend Atemschutzmasken und ähnliche Hilfsmittel herstellen, ist das wirklich glaubhaft. Wie wäre es denn, wenn Spahn sich dafür mal die Bazooka von Scholz ausleihen würde?
Dass es auch anders geht, hat China gezeigt. Am 12.03. 2020 trafen 9 chinesische Experten mit 31 Tonnen Hilfsmittel im Gepäck in Italien ein. So viel – an dem eben genannten Gedanken zurückgebunden -zu unseren treusorgenden Politikern, die stets nur das Beste wollen. (Die Solidarität der EU, german-foreign-policy.com, 17.3.2020)

In diesem Zusammenhang kommt auch Kuba ins Blickfeld:

»Wir müssen der Pandemie mit einer globalen Vision entgegentreten« (Außenministerium Kuba)

Zahlreiche Staaten setzen bei Bekämpfung der Coronapandemie auf Unterstützung aus Kuba. Gesundheitssysteme in Brasilien und Bolivien vor Kollaps schreibt Volker Hermsdorf am 17.3. in der Tageszeitung junge Welt:

„Mehrere Länder Lateinamerikas und der Karibik – aber auch Italien – hoffen auf die Unterstützung Kubas im Kampf gegen die weitere Ausbreitung des Coronavirus. Wie der Premierminister von Jamaika, Andrew Holness, am Wochenende mitteilte, werden am 24. März zunächst 21 speziell ausgebildete kubanische Krankenschwestern auf der zum Katastrophengebiet erklärten Nachbarinsel eintreffen, insgesamt sollen es 100 werden. Auch die Regierungen von St. Kitts und Nevis sowie St. Vincent und den Grenadinen bestätigten, dass sie Hilfe aus Kuba in Anspruch nehmen werden oder bereits erhalten haben. In Italien informierte die kubanische Botschaft am Wochenende über eine mögliche Zusammenarbeit beider Länder, nachdem der Gesundheitsminister der Lombardei, Giulio Gallera, Kuba, Venezuela und China offiziell um Hilfe gebeten hatte.“

Kuba und China hatten dem südamerikanischen Land (Venezuela) in der vergangenen Woche bereits Diagnosesets zum Feststellen von Coronainfektionen zur Verfügung gestellt. Die USA hatten mit Verweis auf bestehende Sanktionen versucht, deren Lieferung zu verhindern. »Wir müssen der Pandemie mit einer globalen Vision entgegentreten«, erklärte das Außenministerium in Havanna zu den Anfragen aus verschiedenen Teilen der Welt und verwies zugleich auf die »soziale Verantwortung und den Beitrag aller in der internationalen Zusammenarbeit«.

Wie nicht selten schießen die USA wieder einmal den Vogel ab: Die beste Bekämpfung des Corona Virus besteht drin, ein zum Feind erklärtes Land niederzuzwingen.

Zurück zu Spahn und co:
Erklärungsbedürftig ist ebenfalls , dass im Vergleich zu anderen Bedrohungen mit potentieller Todesfolge, bei Corona sehr radikal zu Werke gegangen wird. Es wäre vermutlich durch diverse Maßnahmen möglich, die jährlich anfallenden 25.000 Grippetoten, die jährlich anfallenden 80.000 Thrombosetoten (worüber die S 3 Richtlinie Auskunft gibt) mindestens um jeweils die Hälfte zu reduzieren. Offenbar werden diese aber als Sockelzahlen behandelt, die halt so sind, auch nicht plötzlich ansteigen, also etwa wir ein unabänderbares Naturereignis verhandelt werden, was sie nicht sind.

Andere Tote, die sich einstellen, durch Atomkraft, Umweltverseuchung, Dieselemissionen, Verkrebsung durch Glyphosat und ähnliche unschöne Fälle, sind gewissermaßen die Kollateralschäden einer Profitwirtschaft.

Was ist der Unterschied zur Bedrohung durch den Corona Virus? Es sind deren zwei:
Es ist zum einen die Frage, in welchem Verhältnis stehen die Toten zum Geschäft. VW einzuschränken würde ggf deren Profit schmälern. So gesehen sind Tote zwar nicht gewünscht, aber ein Nebenfolge für die Priorität Gewinn. Das Gleiche gilt für die anderen, oben genannten Fälle.
Die Toten eines Krieges, welcher immer das auch sei , sind nun einmal die Begleitmusik des Kriegshandwerkes, das als unabdingbar gelegentlich gesetzt ist. Der Coronavirus kann nun aber keinen außer ihm liegenden Zweck aufweisen und bestellt wurde er auch nicht. Das ist mehr als ärgerlich – entzieht sich einer politischen oder wirtschaftlichen Kalkulation, zu der er ins Verhältnis gesetzt werden könnte.

Nun kommt zweitens verschärfend hinzu:
Während man die Grippetoten und andere als Sockel mit einkalkuliert hat, die halt so hoch sind, wie sie sind, weiß man bei den bisher noch im Verhältnis dazu noch relativ geringen Corona Toten nicht, ob die sich nicht exponentiell nach oben bewegen und ungefragt und nicht mitbedacht und schon hat nicht bestellt fürchterliche Einschläge in die eigene Kalkulationsmasse Volk verursachen. Sozusagen als Eigenleben, als Konkurrenz Veranstaltung namens Corona des Volksfeindes Corona. Dieses wird jedenfalls vertreten, auch wenn einige Virologen wie Prof. Vernazza davon ausgehen, dass Corona parallel verläuft wie eine klassische Influenza.

Ebenso, wenn nicht sogar noch mehr befürchtet, ist der Gedanke, dass es zu einem unkontrollierten Absturz der Wirtschaft kommen könnte, aufgrund einer hohen Zahl Erkrankter. Was ist Nummer 1 in den Nachrichten: Der Pegelstand des DAX.

Auf jeden Fall positioniert sich die Riege der Politiker als unerschütterliche Helfer, die all das machen, was angebliche Sachzwänge normalerweise strengstens verbieten – und alles zur Pflege und Rettung ihrer Bürger.

Es sind diejenigen, die die Festung Europa in grausamer Weise wahr werden lassen, wie man an den Bildern zur türkisch-griechischen Grenze sehen kann. Dass das erbärmliche Leben dieser armen Flüchtlinge ein Nährboden für die Verbreitung des Corona Virus darstellt, sei nur am Rande erwähnt.
Dass das Krankenhauspersonal und überhaupt die Ärzteschaft an dem Rande ihrer physischen und psychischen Leistungskraft gelangt, soll man laut Gesundheitsminister Spahn jetzt der Krise zuschreiben. Und er bittet um besonderen Einsatz in dieser besonderen Situation.
Dass die Privatisierung der Krankenhäuser in beachtlichen Umfang durch Rationaliserung , also Einsparung des Personals, die Gewinnmargen nach oben geschraubt hat, wird jetzt als Wirkung des altbösen Feindes Corona verkauft. Und als Umgang damit werden soldatische Tugenden erbeten, wenn nicht gar eingefordert.

Greta Thunberg: „I want to bring you in panic“, ist gescheitert. Ihre Zwecke wurden für nicht Wert befunden.
Die Politiker nicht: Sie setzen die unabdingbaren Sachzwänge von gestern radikal außer Kraft. In Namen des Coronavirus scheint die Ideologie von der Rettung von Leben und Mensch als oberste Maxime Plausibilität zu gewinnen.

Klaus Hecker, geb. 08.09.1954 in Wetzlar, dort 1973 Abitur. Studium Der Fächer Deutsch, Politik, Philosophie für das Lehramt an Gymnasien. Von 1985 – 2017 Gymnasiallehrer an der Carl-Strehl-Schule (Deutsche Blindenstudienanstalt), einem Gymnasium für Sehbehinderte und Blinde. Als politischer engagierter Mensch hat er Zeit seines Lebens in vielen sozialen Initiativen gearbeitet und tut das immer noch.

Titelbild: pixabay.com; Pixabay License


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