Der alternative Transferticker #10

Pünktlich zur Jubiläumsausgabe des alternativen Transfertickers flattern die millionenschweren Transfers nur so herein. Von Havertz bis van de Beek – vor allem die englischen Klubs griffen einmal mehr tief in die offenbar gut gefüllten Taschen. 

Im „alternativen Transferticker“ gibt Moritz Ettlinger einen Überblick über die interessantesten Fußball-Transfers der letzten Woche und veranschaulicht kritisch und nicht ganz ohne Ironie, was man mit dem Geld für überteuerte Fußballer sonst noch hätte machen können bzw. was mit ähnlichen Summen bereits gemacht wurde.

80 Millionen Euro für Kai Havertz – oder Gesundheit

Seit Wochen, fast schon Monaten waren sich alle einig: Kai Havertz wechselt in diesem Sommer zum FC Chelsea. Jetzt ist der Transfer also offiziell, die Blues überweisen in einem ersten Schritt 80 Millionen Euro an Bayer 04 Leverkusen, weitere 20 Millionen können durch Bonuszahlungen im Laufe der nächsten Jahre noch dazukommen.

Damit wird der deutsche Nationalspieler auch zum bis dato teuersten Transfer des Sommers, satte 10 Millionen Euro vor dem bisherigen Spitzenreiter Victor Osimhen, der den SSC Neapel 70 Millionen Euro kostete. Die Gesamtausgaben des FC Chelsea steigen in dieser Transferperiode damit auf bescheidene 223 Millionen Euro.

Um auch über die Corona-Krise hinaus im Gesundheitsbereich gut gerüstet zu sein, will Deutschland kräftig in diesen investieren. Vier Milliarden Euro insgesamt fließen zusätzlich in den öffentlichen Gesundheitsdienst, ausgegeben werden soll das Geld konkret für die Schaffung von tausenden neuen Stellen, zum Beispiel in den Gesundheitsämtern, sowie Digitalisierung.

Von diesen vier Milliarden fallen bis ins Jahr 2026 insgesamt 80 Millionen Euro auf das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Chelsea hätte also mit dem Geld für Havertz eine ganze Region mit genügend finanziellen Mitteln ausstatten können, um das Gesundheitssystem dort über Jahre hinweg auf stabile Beine zu stellen. 80 Millionen Euro für einen Fußballer anstelle von Gesundheit – ein krankes System.

39 Millionen Euro für Donny van de Beek – oder weiches Wasser

Wir bleiben auf der Insel, wechseln aber etwas weiter in den Nordwesten Englands, nach Manchester. Dort, bei United, begrüßte man am Mittwoch letzter Woche eines der begehrtesten Mittelfeldtalente Europas: Für 39 Millionen Euro wechselt Donny van de Beek von Ajax Amsterdam zu den Red Devils, inklusive Boni kann der Betrag noch auf 44 Millionen Euro steigen. Der 23-Jährige unterschreibt beim Tabellen-Dritten der abgelaufenen Premier-League-Saison einen Fünfjahresvertrag.

Damit verlässt das nächste Herzstück jene hochtalentierte Ajax-Mannschaft, die es in der Saison 2018/19 bis ins Champions-League-Halbfinale geschafft hat. Frenkie de Jong (Barcelona) und Matthijs de Ligt (Juventus) verließen den Verein bereits im vergangene Sommer, heuer folgten dann Hakim Ziyech (Chelsea) und eben van de Beek. Die Vereinsführung dürfte dennoch nicht nur traurig über diese Abgänge sein: 240 Millionen Euro spülten alleine diese vier Spieler in die Kassen von Ajax.

Ein weiterer Mittelfeldspieler im Star-Ensemble von Manchester United ist sicherlich wichtig. Mindestens genauso wichtig ist aber: weiches Wasser! In Burgstetten im deutschen Baden-Württemberg ging letzte Woche ein neues Wasserwerk in Betrieb. Die bisherigen Gesamtkosten für das ganze Versorgungssystem betragen 39 Millionen Euro. Doch die haben sich gelohnt: Die Einwohner der Region dürfen sich auf „Trinkwasser in bester Qualität“ und eine „einheitlich geringere Wasserhärte von rund 13 Grad deutsche Härte“ freuen, sagte der Geschäftsführer des Zweckverbandes Wasserversorgung Nordostwürttemberg, Dr. Jochen Damm.

26 Millionen Euro für Gabriel Magalhães – anstelle der Rettung von Arbeitsplätzen

Im Profifußball kommt die Moral des Öfteren zu kurz. Den Vogel abgeschossen hat in dieser Hinsicht aber der FC Arsenal London. Vor wenigen Wochen, am 5. August, kündigte der Verein an, aufgrund der Corona-Krise 55 Mitarbeiter entlassen zu müssen. Es sei das Ziel gewesen, Jobs und Grundgehälter so lange wie möglich zu schützen, hieß es damals. „Leider sind wir jetzt an einem Punkt, an dem wir 55 Entlassungen vornehmen müssen“, verlautbarte der Klub auf seiner Website. Angesichts der enorm hohen Spielergehälter schon zu diesem Zeitpunkt eine, milde formuliert, dreiste Aktion.

Doch das war nur die Spitze des Eisbergs. Denn während das Geld bei den Gunners im August angeblich so knapp war, dass Mitarbeiter*innen gefeuert werden mussten, reicht es jetzt für Transfers in zweistelliger Millionenhöhe: 26 Millionen Euro bezahlt Arsenal für Gabriel Magalhães vom OSC Lille. Nochmal langsam: Der Verein kündigt also 55 Menschen, weil die Corona-Pandemie den Verein angeblich so hart getroffen hat, nur um dann ein paar Wochen später 26 Millionen Euro für einen Innenverteidiger auszugeben. Ein Transfer, der wohl an Zynismus kaum zu überbieten ist.

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Zu den bisherigen Ausgaben des alternativen Transfertickers

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Titelbild: Unsere Zeitung/Moritz Ettlinger/Pixabay

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