Die Folgen der Pandemie für den Fußball-Transfermarkt
Die Corona-Krise hat auch den europäischen Fußball getroffen: Etwa 2,2 Milliarden Euro gaben die Klubs der fünf Top-Ligen Europas weniger für neue Spieler aus als noch im vergangenen Sommer. Eine Trendwende? Wohl kaum.
Eine Analyse von Moritz Ettlinger
Der Trend schien sich unaufhaltsam fortzusetzen: Die Summen, die europäische Fußballklubs in den vergangenen Jahren in Spieler investierten, wurden jedes Jahr noch etwas höher, jeder Spieler wurde noch etwas teurer und jeder Verein noch etwas reicher. Dann kam Corona.
„Der Transfermarkt wird sich verändern“, meinte der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München, Karl-Heinz Rummenigge, im Juni. „Es ist nicht viel Liquidität vorhanden, es fehlt also an Nachfrage. Nicht aber am Angebot an wechselwilligen Spielern. Das wird die Preise neu justieren.“
Jetzt, Ende Oktober, ist das verlängerte Transferfenster im Sommer 2020 in den meisten Ligen geschlossen. Wir haben uns angeschaut, wie die Vereine in diesem Krisen-Sommer auf dem Transfermarkt agiert haben. Sind die Zahlen tatsächlich zurückgegangen, wurden die Preise wirklich „neu justiert“? Wie genau hat sich die Pandemie auf das Milliardengeschäft Fußball ausgewirkt? Und kann man aus den diesjährigen Zahlen eine Trendwende ableiten?
Die Zahlen gingen zurück
Eines gleich vorweg: Ja, Corona hat auch den Fußball wirtschaftlich getroffen. Alle großen Vereine werden mittlerweile als Unternehmen geführt, und wie die meisten Unternehmen haben auch diese die Krise nicht ohne Schaden überstanden.
Die Gründe für die Umsatzeinbrüche sind vielfältig. Keine Zuseher_innen in den Stadien, Ligen, die vorzeitig beendet oder abgebrochen wurden, fehlende Fernseheinnahmen über Monate hinweg, Sponsoren, die ihrerseits Verluste durch die Pandemie zu verzeichnen hatten: In den vergangenen Monaten zeigte sich teilweise sehr deutlich, auf welch fragilen Säulen das vermeintlich so finanzstarke System Fußball gebaut ist.
In Zahlen ausgedrückt bedeutet das Folgendes: Während im Sommer 2019 in den fünf Top-Ligen Europas, in England, Spanien, Italien, Deutschland und Frankreich insgesamt ca. 5,5 Milliarden Euro* für Spielertransfers ausgegeben wurde, waren es in diesem Sommer „nur“ ca. 3,4 Milliarden Euro. Auch die Einnahmen gingen dementsprechend drastisch zurück, von 4,2 Milliarden Euro im Sommer 2019 auf 2,3 Milliarden Euro 2020.
Damit ist die Bilanz gesamtheitlich betrachtet dennoch negativ: Alle Ligen und Vereine in den Top-Ligen zusammen verzeichneten diesen Sommer einen Transferverlust von über einer Milliarde Euro. Das sind zwar knapp 350 Millionen Euro weniger als im letzten Jahr, nach Krise klingt das aber eher nicht. Und das liegt vor allem an der englischen Liga.
Premier League: Krise? Welche Krise?
Fast das gesamte Transferminus dieses Sommers haben die Klubs aus der englischen Premier League zu verschulden. 1,468 Milliarden Euro gaben Chelsea, Manchester City & Co. für neue Spieler aus. Das sind nicht einmal 100 Millionen Euro weniger als im Jahr zuvor.
Die Einnahmen der Engländer gingen hingegen viel drastischer zurück: Während 2019 noch 858,8 Millionen an Einnahmen generiert werden konnten, floss in diesem Sommer nur etwas mehr als die Hälfte, nämlich 440,8 Millionen Euro in die Taschen der Vereine.
Damit verzeichnen die Premier Leagueisten ein Minus von 1,028 Milliarden Euro, das sind etwa 333,9 Millionen Euro mehr als 2019. Wie ist das möglich, trotz einer Pandemie, die ja auch Großbritannien nicht gerade verschont hat?
Es ist wahrsch…

