Thou shalt not kill – Politische Heuchelei Teil 2
In den sozialen Medien wird viel über den Islam und die verschiedenen Auslegungen des Koran debattiert. Es wird mit Koran- und Bibelzitaten um sich geworfen und diskutiert, ob und welche Religionen mit den westlichen Werten unserer aufgeklärten Gesellschaften vereinbar sind.
Ein Gastbeitrag von Markus Auer
Bei meinen Recherchen über die Gemeinsamkeiten der abrahamitischen Religionen bin ich auf eine sehr erhellende Bibelauslegung gestoßen. Eine offensichtlich theologische Koryphäe aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten legt das Gebot Gottes „Du sollst nicht töten“ wie folgt aus:
„Da das Gebot im Singular der 2. Person verfaßt ist, steht unzweifelhaft fest, daß sich Gott ausdrücklich an den Einzelnen wendet – nur an das Individuum. Folglich gilt es nicht für Organe der Staatsgewalt, wie z.B. Beamte der Exekutive oder Angehörige des Militärs. Sie repräsentieren eine Gemeinschaft, handeln bloß stellvertretend für diese, und wären somit im Plural, der Mehrzahl anzusprechen.“
Nur zur Klarstellung: Ich habe kein Problem damit, dass dieser Geistesakrobat sich öffentlich derart äußert. Jeder hat das Recht, seine Früchte der Erkenntnis aus der Beschäftigung mit den großen Fragen nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest zu präsentieren. Qualität, Blasphemie hin oder her – das ist mir alles egal. Als einzelne Meinungsäußerung völlig ok, denn zu jeder These gibt es eine Antithese, und solang geredet wird, wird nicht geschossen. Die Frage, ob bei einer Meinungsäußerung Verhetzung vorliegt, haben Gerichte zu entscheiden. Aber leider ist dies exemplarisch für die Anmaßung und weit über das übliche Maß hinausgehende Heuchelei des Westens.
Der Pilot des Atombombenangriffs auf Hiroshima hat versucht sich auf Befehl und Gehorsam zu berufen, genau wie die Nazis beim Nürnberger Kriegsverbrecherprozess. Doch seit dem Urteil von Nürnberg muss jeder Soldat und jeder, der Teil der Staatsgewalt ist, wissen, dass es kein Recht auf Gehorsam gibt, wie Hannah Arendt es so treffend formuliert hat. Jeder ist persönlich und individuell für seine Taten verantwortlich, und wer, sich auf Befehle berufend, das eigene Gewissen ignoriert, begeht damit ein weiteres Verbrechen. Jeder. Ob Abkömmling einer ‚Herrenrasse‚, Bürger einer ‚exceptional nation‚ aus ‚Gods own country‚, Angehöriger eines ‚auserwählten Volkes‚, in sonst irgendeiner Weise ‚Erleuchteter‚ – oder nicht. Jeder.
Soweit der Anspruch – doch wie sieht es mit der Wirklichkeit aus? Ganz einfach: Wo kein Kläger, da kein Richter. Dieser simplen Logik folgend drohen die U.S.A. dem Den Haager Tribunal mit militärischer Gewalt, sollte ein US-Amerikaner angeklagt werden.
Julian Assange, der Kriegsverbrechen aufdeckte, wird wie ein Verbrecher behandelt, – was laut Edward Snowden ein Indiz dafür ist, dass wir von Verbrechern regiert werden. Assange sitzt, mittlerweile durch die Haft schwer gesundheitlich geschädigt, in Großbritannien im Gefängnis, obwohl keine Schuld bewiesen wurde. Im Gegensatz zu Politikern gilt offensichtlich bei ihm die Unschuldsvermutung nicht. Dieser Mann, der nichts als die Wahrheit veröffentlicht hat, ist in den Augen des britischen Staates offenbar so gefährlich, dass man ihm nicht mal den Aufenthalt in einem normalen Krankenhaus oder Sanatorium erlauben, geschweige denn, ihn auf Kaution entlassen kann. – Die Täter der von…

