Aufbruch zum Roten Planeten

Auch nach mehr als sechzig Jahren der Erforschung hat unser Nachbarplanet Mars nichts an seiner Faszination verloren. Aktuell untersuchen ihn gleich drei verschiedene Missionen.

Von Christian Kaserer

Vor 61 Jahren, im Oktober 1960, brach zum ersten Mal eine Raumsonde auf, den Roten Planeten zu erforschen. „Marsnik 1“, so der Name der sowjetischen Sonde, erreichte sein Ziel nicht. Auch fünf weitere Sonden der Sowjets und Amerikaner schafften es in den folgenden Jahren nicht, erfolgreich zum Mars zu gelangen und erst mit der von der NASA gestarteten Sonde „Mariner 4“ vermochte man es 1964, unseren Nachbarplaneten erstmals wissenschaftlich zu untersuchen. Mit der sowjetischen Mission „Mars 3“ berührte 1971 erstmals ein Lander erfolgreich den Boden eines fremden Planeten und seitdem gelang dieses Kunststück nur noch den Amerikanern.

Insgesamt ist die Zusammenschau recht deprimierend, denn unser staubiger Nachbar gleicht stark einem Massengrab menschlicher Technikgeschichte des 20. und frühen 21. Jahrhunderts. Umso erfreulicher ist es, dass aktuell gleich drei Missionen dabei sind, den Mars zu erforschen. Denn unser Nachbarplanet ist nicht nur ewige Projektionsfläche von außerirdischem Leben – wenn auch, realistisch gesehen, nur in Form von primitiven Bakterien – sondern seine Geschichte und sein Schicksal kann uns Aufschluss über die Entstehung unseres Planeten, wie des ganzen Sonnensystems geben.

Mars 2020 – NASA (USA)

Blick auf den Mars
Ein erstes Farbfoto vom Mars (Bild: NASA/JPL-Caltech)

Mit dem neuen Rover „Perseverance“ – zu Deutsch „Beharrlichkeit“ – folgt die NASA ihrem Erfolgsmodell des 2011 gestarteten Rovers „Curiosity“. Tatsächlich ähneln sich beide Rover nicht nur optisch frappierend, so geht auch die Ausstattung von Perseverance zumindest partiell auf Überbleibsel von Curiosity zurück. Auch die Tatsache, dass für die Kommunikation zur Erde ein 16 Jahre alter Orbiter verwendet wird, lässt eher den Eindruck gewinnen, als handle es sich um Curiosity 2.0, anstatt eines gänzlich neuen Versuchs. Freilich, mag man einwenden, weshalb funktionierende Konzepte grundlegend umkrempeln? Gerade bei der finanziellen Situation der NASA, welche alles andere als rosig ist in Relation zu früheren Zeiten, ergibt so ein Ansatz Sinn.

Die Aufgabe von Perseverance ist es einerseits nach Spuren von einstigem Leben auf dem Mars zu suchen, andererseits die Geschichte des Roten Planeten genauer zu erforschen. So sollen etwa Gesteinsproben gesammelt werden, welche man mit einer künftigen Mission wieder zurück zur Erde bringen will, wobei sich hier naturgemäß die Frage stellt, weshalb eine neue Mission den Aufwand eingehen soll, nach dem Rover sowie den Proben zu suchen, anstatt selbst welche zu entnehmen. Aber sei’s drum.

Eine weitere interessante Aufgabe des Landers ist es zu testen, wie erfolgreich sich das reichlich auf dem Mars auffindbare Kohlendioxid in Sauerstoff verwandeln lässt, um Bedingungen für eine Marskolonie besser einschätzen zu können. Erstmals werden uns überdies durch ein Mikrofon entsprechende Audioaufnahmen von der Marsoberfläche erreichen und der Rover wartet mit einem besonderen Schmankerl auf: Mit „Ingenuity“ – zu Deutsch „Einfallsreichtum“ – wird erstmals eine Drohne auf einem anderen Planeten gestartet. Angedacht ist, das kleine Fluggerät als eine Art Techniktest einige Male etwa 90 Sekunden und 300 Meter weit fliegen zu lassen. Wissenschaftliche Geräte finden sich in diesem Fluggerät indes nicht, lediglich eine Kamera.

Tianwen-1 – CNSA (China)

Der Marsmission der Volksrepublik China wurde „Tianwen-1“, „Fragen an den Himmel 1“, betitelt. Seit 10. Februar befindet sich der Orbiter bereits in einer Umlaufbahn um unseren Nachbarn und ist zur Zeit damit beschäftigt, nach einem Landeort für den bisher noch namenlosen Rover zu suchen. Dazu ist der Orbiter mit einer hochauflösenden Kamera ausgestattet, welche bis zu zwei Meter genau auflösen soll. Mehr als genug also, um größeren Brocken, welche das Landen erschweren würden, vermeiden zu können. Ist dies erledigt, so ist es die Aufgabe des Orbiters, einerseits den Mars zu untersuchen, andererseits natürlich auch die Kommunikation zwischen Rover und Erde zu gewährleisten.

Der Rover ist selbstredend auch mit einer Reihe von Sensoren ausgestattet. So soll etwa ein Bodenradar Untersuchungen bis in eine Tiefe von hundert Metern durchführen. Für China wäre es die erste Landung auf dem Mars und somit für das Marsprogramm der Volksrepublik ein großer Schritt, nachdem 2011 ein erster mit Russland entwickelter und gestarteter Orbiter in der Erdatmosphäre verglühte. Für 2029 ist eine Probenrückführmission angedacht. Man darf also gespannt sein.

 

al-Amal – UAESA (Vereinigte Arabische Emirate)

Auch die Vereinigten Arabischen Emirate zeigen ihr Interesse an der Raumfahrt und wollen einen Platz als Wissenschaftsnation beanspruchen. Mit „al-Amal“ – zu Deutsch „Die Hoffnung“ – umkreist seit dem 9. Februar ein Orbiter der Emirate den Mars. Gestartet wurde der von der University of Colorado Boulder gebaute Satellit mit Unterstützung der japanischen Mitsubishi Heavy Industries, die Überwachung und Planung der Mission indes liegt bei der Raumfahrtbehörde der Emirate.

Geplant ist al-Amal vor allem zur Wetterbeobachtung. Dabei kommt auch Software zum Einsatz, die bei den ersten beiden ersten beiden irdischen Wettersatelliten der Emirate, DubaiSat 1 und 2, verwendet worden war. Erstmals soll es nun möglich sein, das Zusammenspiel der verschiedenen Atmosphärenschichten über den Verlauf eines ganzen Tages ungestört zu beobachten.


Titelbild: NASA/JPL-Caltech (gemeinfrei)

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