Uralter Holzwagen mit spannender Geschichte

Auf meinen täglichen “Pasinger Rundgängen”, bei denen ich hin und wieder auf der Suche nach historischer Geschichte und Geschichten bin, stieß ich in einem idyllischen Münchner Hinterhof auf diesen Holzwagen.

Ein Gastbeitrag von Jens Krumpholz (Pasinger Online-Kurier)

Jens mit seiner Hündin
Jens mit seiner treuen Reisebegleiterin.

Das Mietshaus aus dem Jahre 1898, welches in München-Pasing im Barockstil erbaut wurde, steht unter Denkmalschutz. Es hatte schon etwas sehr nostalgisches an sich, als ich im alten

Haus die Holztreppen nach oben stieg um das über neunzig Jahre alte Ehepaar zu besuchen. Der Geruch und das Knarren der historischen Holzstiegen ist ein ganz außergewöhnlicher Moment, man hat das Gefühl, Geschichte förmlich zu spüren, zu riechen und kann sich tatsächlich im Geiste in eine andere Welt zurückversetzten.

 

Wegen drohender Bombardierungen zusammengebaut

Als damals, in den letzten Wochen vor Kriegsende 1945, die ersten Berichte, meist über den sogenannten „Volksempfänger“, auch die Pasinger Bevölkerung erreichten, dass viele deutsche Großstädte von den Alliierten Streitkräften bereits bombardiert wurden, um Hitler und seinem Gefolge den Garaus zu machen, beschloss der Vater, einen Wagen aus Holz zu bauen, in dem die Pasinger Familie Zuflucht hätte suchen können, falls ihr Geburtshaus zerstört worden wäre. Gott sei Dank blieb das den Menschen damals erspart. Einige Pasinger hatten leider weniger Glück. Mehr Informationen darüber können im Pasing-Archiv, im Ebenböckhaus, abgefragt werden.

Ein Wohnmobil mit allem Komfort

Der Erbauer, der heute nicht mehr lebt, dachte beim Bau des „Zufluchtwagens“ an so einiges. So wurde mit einer Autobatterie als Stromspender Strom verlegt, an den Wänden Holzbetten fest installiert, welche mich an die schlimmsten Zeiten des KZ Dachau erinnerten, als ich dieses vor 20 Jahren besuchte. Die Wände wurden mit Dämmwolle zwischenisoliert, bevor die Fichtenholzverkleidung angeschraubt wurde, um an extrem kalten Tagen nicht zu erfrieren. Auf dem noch intakten Blechdach ist daher auch ein Abzug vom integrierten Kamin zu sehen. Damit der Wagen im Notfall flexibel von A nach B bewegt werden konnte, wurde er mit einer Deichsel und Holzrädern versehen.

„Moral“ von der Geschichte

Als „alter“ Pasing-Freund und Liebhaber historischer Ding, habe ich das „alte Stück“, das nach über 75 Jahren natürlich auch renovierungsbedürftig ist, von der alten Dame verehrt bekommen. Wenn der Wagen von mir und ein paar guten Freunden erst einmal hergerichtet wurde, habe ich etwas ganz Besonderes damit vor. Was? Das bleibt vorerst noch ein persönliches Geheimnis.


Jens Krumpholz ist gebürtiger Sachse, wurde 1964 in Dresden geboren, lebt aber seit über 30 Jahren in Bayern & beschreibt sich selbst als „Münchner Original aus Dresden“. Sein Hobby neben dem Reisen ist das Komponieren & Singen von Volksmusikhymnen rund um alle bayrischen Voralpenseen.

Dieser Beitrag wurde als Gastartikel eingereicht. Auch Dir brennt etwas unter den Nägeln und Du willst, dass es die Öffentlichkeit erfährt? Worauf wartest Du noch? Jetzt Gastartikel einreichen!

Fotos: Jens Krumpholz

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