Die Kinder von Corona

Kinder und Jugendliche sind eine besonders vulnerable Gruppe im Pandemie-Geschehen. Mehr als die Hälfte zeigt relevante reaktive Symptome im psychischen und somatischen Bereich. Trotzdem wurde bisher kaum darüber berichtet. Der Film LOCKDOWN KINDERRECHTE gibt ihren Leiden eine Stimme.

Ein Gastbeitrag von Stephan Burgstaller

Kinder leiden still

Ein Jahr Pandemie, ein Jahr Maßnahmen und Einschränkungen mit fast nur einem einzigen Brennpunkt: Die Sieben-Tage-Inzidenz. Wie gebannt haben wir auf diese Zahlen gestarrt und sie waren es, welche die Reaktionen der Politik bestimmt und gerechtfertigt haben. Steigende und sinkende Zahlen waren Tagesgespräch. Die Folgen für die Wirtschaft wurden von Beginn an zumindest mitthematisiert, die Folgen für die Menschen zuerst gar nicht, später eher am Rande. Zuerst Berichte über die Auswirkungen auf Risikogruppen, Heimbewohner_innen und ältere Menschen, später auch über die Folgen für Erwachsene, erst seit kurzem über die Folgen für Kinder und Jugendliche, eine im Pandemie-Geschehen allerdings besonders vulnerable Gruppe.

Über 1.5 Millionen Kinder und Jugendliche in Österreich sind betroffen, weniger vom Virus selbst als von den Maßnahmen. Trotz der Warnungen sämtlicher Expert_innen wurden Schulen geschlossen, man durfte keine Freund_innen treffen, was einem politisch verordneten ‚Hausarrest‘ gleichkam, social distancing und distance-learning über lange Zeiträume, die Maske als ein im Gesicht getragenes Symbol von Schutz und der Gefahr, ich könnte mich schuldig machen, dass meine Eltern oder Großeltern erkranken und im allerschlimmsten Fall sogar sterben. Kinder können den Realitätsgehalt nicht einschätzen und kaum reflektieren. Sie leiden still oder bilden Symptome.

Die Pandemie macht krank, nicht nur durch das Virus

All das bedeutet chronischen Stress und schwer bearbeitbare Ängste, was zur Schwächung des Immunsystems und zu Symptomen psychischer Erkrankungen und psychosomatischer Beschwerden führen kann. Georg Psota, Chefarzt des PSD Wien auf einer Pressekonferenz im Wiener Rathaus vom 24.2.2021: „Mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen habe [durch die Pandemie, Anm.] relevante psychische Probleme entwickelt.“ Eine deutsche Studie (Copsy-Studie Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf) spricht von einem Drittel. Rückzugstendenzen, Aggressionen, vermehrte Kopf- und Bauchschmerzen bis hin zu Angst- und Zwangsverhalten, Panikzuständen oder Essstörungen. Das Risiko, dass sich daraus längerfristige Erkrankungen entwickeln, ist hoch.

Die Kinder- und Jugendpsychiatrie, ohnehin das Stiefkind von Medizin und Psychiatrie, macht sich bemerkbar, wird jedoch eher ignoriert als gehört, obwohl sie bereits an ihre Kapazitätsgrenzen stößt, es fehlen Behandlungsplätze, es fehlen Therapieplätze.

Der Public Health Experte Martin Sprenger kritisiert, dass Politik und Gesellschaft nichts für die Gruppe der betroffenen Kinder und Jugendlichen getan haben und der Neurobiologe Gerald Hüther geht so weit zu sagen: „Wir werden, wenn das alles vorbei ist, unsere Kinder sehr um Verzeihung bitten müssen, für das was wir ihnen angetan haben.“ (Presseaussendung)

Hinschauen, Brennpunkt erweitern – LOCKDOWN KINDERRECHTE

Patricia Marchart und Judith Raunig haben diesen Kindern und Jugendlichen mit ihrem Film LOCKDOWN KINDERRECHTE eine Stimme gegeben. „Es wird Zeit, dass wir diese Krise nicht mehr ausschließlich durch die epidemiologisch-virologische Brille sehen“, so Judith Raunig, Klinische Psychologin. Und die Regisseurin Patricia Marchart meint dazu: „Die Kinder sind verschwunden. Ihr Lachen. Ihr Schreien. Ihr in die Luft springen und die Welt erobern. Ich will es nicht glauben, dass wir in einer Welt leben, wo Angst und Panik die Regie übernommen haben“ (ebd., Presseaussendung)

Der Film wurde teilweise von Kindern mitgestaltet, zu Wort kommen verschiedene Expert_innen und Betroffene und natürlich die Kinder selbst, die ihre durch Corona-Maßnahmen bedingten Leiden schildern.

Unterstützung für die Produktion kam von der ICI – Initiative für Evidenz-basierte Corona-Informationen. Auf jegliche öffentliche Förderung wurde verzichtet, um unabhängig zu bleiben. Der Film wird kostenlos zum Streaming angeboten:

 

Um die bisherigen Produktionskosten zu decken und für weitere Projekte zum Thema sind Spenden willkommen und notwendig. Hier kann das Projekt mit einer Spende unterstützt werden.


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Titelbild: Cheryl Holt auf Pixabay 

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