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Lesestoff mit Albtraum-Garantie

Knapp 20 Jahre nach seinem gefeierten Debüt „Vielleicht lieber morgen“ folgt ein neues Buch von Stephen Chbosky. Wer sich eine weitere Coming-of-Age-Story oder einen feinfühligen Roman mit John Greene-Vibes und Input zum Philosophieren erwartet, ist bei „Der unsichtbare Freund“ jedoch an der falschen Adresse. Bei dem Thriller handelt es sich nämlich vielmehr um eine klassische Horror-Lektüre à la Stephen King. – Sonntag ist Büchertag

Von Eva Unterrainer

Stephen Chbosky – Der unsichtbare Freund (HEYNE)

Doch nun erstmal zur Handlung und den – das muss man einfach so feststellen – sehr gelungenen Charakteren: Die zwei Protagonist_innen, den achtjährigen Christopher und seine alleinerziehende Mutter Kate, schließt man von Seite eins an ins Herz. Christopher ist für sein Alter auffallend feinfühlig, rücksichtsvoll und intelligent, jedoch hat er mit einer Rechtschreib- bzw. Lernschwäche zu kämpfen, welche ihm den Schulalltag und sein persönliches Ziel, seine Mutter so oft es geht stolz zu machen, erheblich erschwert. Christophers Mutter Kate hatte es im Leben oft nicht einfach und befindet sich nun wieder einmal auf der Flucht von einem gewalttätigen Ex-Freund. Trotz ihrer begrenzten finanziellen Möglichkeiten steht Christophers Wohlergehen und seine Bildung für Kate immer an erster Stelle und ihr Sohn ist in jeder Lage ihr größter Stolz und absoluter Lebensmittelpunkt.

Nach seinem rätselhaften, mehrtägigen Verschwinden ändert sich für Christopher und seine Mutter schlagartig alles: Plötzlich scheint das Glück immer auf ihrer Seite zu sein und Christopher beginnt besondere Fähigkeiten zu entwickelt, während er gleichzeitig an immer stärker werdenden Kopfschmerzen, Schlafproblemen und Angstzuständen leidet.  Diese versucht er, in Eigenregie mit starken Schmerztabletten zu therapieren. Ein merkwürdiger Fixpunkt in alldem ist der Wald unmittelbar hinter dem Haus der Familie. Dort zieht es Christopher auf mysteriöse Weise immer wieder hin und er verfolgt hartnäckig das undurchschaubare Ziel, dort bis Weihnachten gemeinsam mit seinen Freunden ein Baumhaus zu bauen.

Als Leser_in weiß man bei „Der unsichtbare Freund“ immer mehr als die handelnden Charaktere, welche, bis hin zu Christophers Lehrern und Mitschülern, allesamt sehr vielschichtig sind. So erfährt man sowohl von ihren individuellen Schicksalen, Ängsten und Gedanken, als auch von Christophers Gefühlen und seinen Erlebnissen in der „Imaginary World“. Dabei handelt es sich um eine absolut beängstigende und verstörende Parallelwelt, in der Christopher im Laufe der Geschichte immer mehr und mehr zu versinken droht. Auch wer in Hinsicht auf Horrorfilme und -literatur schon etwas abgehärtet ist, wird von Stephen Chboskys Thriller sicher noch das ein oder andere Mal böse überrascht: Die skurrile Komposition aus Albträumen, kindlichen Grundängsten und dem abgrundtiefen Bösen in Gestalt von schrecklichen, von Schmerz gezeichneten Figuren und Stilmitteln erschüttert bis ins Mark. Gepaart mit der virtuosen und teilweise naiv-kindlichen Sprache ist „Der unsichtbare Freund“ somit ein wahre…

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