Teuer erkaufter Titel

Während viele Fußballvereine durch die Corona-Pandemie in finanzielle Schieflagen geraten sind, gaben der FC Chelsea und Manchester City im Sommer 2020 gemeinsam über 400 Millionen Euro für neue Spieler aus. Investitionen, die sich bezahlt gemacht haben: Am Samstag stehen beide im Finale der Champions League.

Von Moritz Ettlinger

Wenn am kommenden Samstag (29.5., 21.00 Uhr) das Champions-League-Finale der Männer in Porto steigt, treten zwei Vereine gegeneinander an, die einiges gemeinsam haben. Beide sind aus England, beide haben blaue Trikots, eine erfolgreiche Premier-League-Saison hinter sich und vor allem eines: viel Geld.

247,20 Millionen Euro* gab der FC Chelsea im Laufe der Saison 2020/21 für neue Spieler aus, Manchester City investierte 177,80 Millionen Euro in seinen Kader für die aktuelle Spielzeit. Damit liegen die beiden Verein an der Spitze aller europäischen Klubs in Sachen Transferausgaben. Gleichzeitig weisen beide auch die höchste Diskrepanz zwischen Einnahmen und Ausgaben auf dem Transfermarkt auf: Chelsea hat um 188,40 Millionen Euro, Manchester City um 116,15 Millionen Euro mehr ausgegeben als eingenommen.

Die Gründe für die vollen Taschen der englischen Vereine liegen auf der Hand. Zum einen, das gilt für alle Teams auf der Insel, sorgen die höchst lukrativen TV-Verträge dafür, dass die Premier League allen anderen europäischen Ligen finanziell regelmäßig einen Schritt voraus ist. Zum anderen ist der Großteil der englischen Vereine im Besitz von reichen Familien, Oligarchen oder – über Umwege – von ganzen Staaten.

Frisches Geld aus Abu Dhabi

So auch bei Manchester City. Seit 2008 zieht Scheich Mansour Bin Zayed Al Nahyan dort die Fäden. Der 51-Jährige ist Mitglied der Herrschaftsfamilie in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und übernahm den Klub mit der eigens dafür gegründeten Investmentgruppe Abu Dhabi United Group vom ehemaligen thailändischen Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra. Kostenpunkt: 185 Millionen Euro.

Mittlerweile sind die Citizens im Besitz der City Football Group. 13 Prozent davon sind im Besitz der China Media Capital Football Holdings Limited, weitere zehn Prozent gehören der US-amerikanische Beteiligungsgesellschaft Silver Lake. Die restlichen 77 Prozent und damit die überwältigende Mehrheit der Anteile stellt die Abu Dhabi United Group. Manchester City ist also weiterhin fest in der Hand der VAE.

Für den Verein von Anfang an ein lohnenswerter Deal: Fünf englische Meistertitel, zwei FA-Cup-Siege, sechs Ligapokal-Siege und drei englische Superpokal-Siege stehen seit der Übernahme durch den Scheich zu Buche. Doch die Erfolge wurden teuer erkauft: Über zwei Milliarden Euro investierte Manchester City – und damit Scheich Mansour und die VAE – seit der Saison 2008/09 in neue Spieler. Dem gegenüber stehen verhältnismäßig geringe Einnahmen von etwa 600 Millionen Euro. Ergibt unterm Strich einen negativen Saldo von ca. 1,4 Milliarden Euro. (Stand: Mai 2021)

Öl-Millionen für Chelsea

Ähnlich ist die Situation beim FC Chelsea. 2003 kaufte der russische Oligarch Roman Abramowitsch, der mit einem geschätzten Vermögen von mehr als 12 Milliarden Euro zu den reichsten Menschen der Welt zählt, den Klub für ca. 160 Millionen Euro.

Allzu viel weiß man über den 55-Jährigen nicht. Abramowitsch erwirtschaftete sein Vermögen hauptsächlich in der Ölindustrie, es wird ihm ein Naheverhältnis zu Russlands Präsident Wladimir Putin nachgesagt. Durch die Finanzkrise 2007 soll er laut Sport1 einen Großteil seines Vermögens, das zuvor vom Wirtschaftsmagazin Forbes auf 23,5 Milliarden Euro beziffert wurde, verloren haben.

Das hat ihn allerdings nicht daran gehindert, weiterhin Millionen in den FC Chelsea zu pumpen. Seit der Saison 2003/04 flossen über 2,2 Milliarden Euro von der Stamford Bridge in den Kauf von Fußball-Profis, über 1,4 Milliarden seit der Saison 2007/08 – zu einem großen Teil dank Abramowitsch.

Auch in diesem Fall wirkten sich die Investitionen des Oligarchen positiv auf die sportlichen Erfolge aus: Fünf englische Meistertitel stehen seit seinem Einstieg zu Buche – die bis dahin letzte und einzige Meisterschaft gewannen die „Blues“ in der Saison 1954/55. Hinzu kommen fünf englische FA-Cup- und drei Ligapokal-Siege, je zweimal der englische Supercup und die Europa League sowie als Krönung der Champions-League-Triumph 2011/12.

Ein Finale, das so fast nicht hätte stattfinden können

Der größere Druck im Champions-League-Finale am Samstag lastet daher angesichts des Chelsea-Titels auf dem noch titellosen Manchester City. Dass der Scheich-Klub überhaupt in diesem Endspiel stehen kann, hat er neben den Millionen aus Abu Dhabi aber vor allem dem Internationalen Sportgerichtshof CAS zu verdanken.

Der europäische Fußballverband UEFA hatte die „Citizens“ eigentlich wegen Verstößen gegen das Financial Fair Play zu einer Europacup-Sperre von zwei Jahren verdammt – beginnend mit der aktuellen Saison. Den Verantwortlichen des Klubs wird vorgeworfen, Sponsoreneinkünfte weiter über Gebühr bewertet und damit die Regelung des Financial Fair Play der UEFA, dass kein Verein mehr ausgeben darf als er einnimmt, übergangen zu haben.

Manchester City klagte vor dem CAS und bekam Recht. Die mutmaßlichen Delikte seien verjährt und die Beweise würden zudem für eine Sperre nicht ausreichen. Für viele Beobachter_innen war dieses Urteil damals nicht nur ein harter Schlag ins Gesicht der UEFA, sondern auch das endgültige Begräbnis des oft als zu zahnlos bezeichneten Financial Fair Play.

Geld gewinnt Titel

Damit steht dem ersten Champions-League-Triumph der Mannschaft von Josep Guardiola nichts mehr im Weg. Der FC Chelsea wird dennoch ein harter Brocken, in der laufenden Saison hatte ManCity in zwei von drei Fällen das Nachsehen gegenüber den „Blues“.

Fest steht jedenfalls eines: Egal, welches Team am Ende den Henkelpott in die Höhe stemmen darf – der Titel, so verdient er sportlich auch sein mag, wurde teuer erkauft.


Quelle für alle Zahlen: transfermarkt.at

Weitere Informationen:

Titelbild: Unsere Zeitung (Collage)

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