Friedenspolitischer Doppler-Effekt

100 Worte zum Sonntag von Thomas Roithner.

Friedensforscher sind auch Krisengewinner. Je näher der Konflikt, desto lauter die mediale Nachfrage nach Alternativen. Das ebbt sehr rasch wieder ab und es wird die nächste Sau durchs Dorf getrieben. Der Doppler-Effekt ist durch Einsatzfahrzeuge mit Sirene bekannt. Kommt das Heulen näher, so werden höhere Töne und Frequenzen wahrgenommen. Bei Entfernung sinkt die Frequenz.

Zu wenig Gehör findet zivile Krisenprävention. Krisenprävention heißt, ethnische Polarisierung und politische Exklusion am Radar haben, fragile Staatlichkeit bearbeiten, Ungleichheit und geringe Einkommen ummünzen, offene Augen gegenüber Konfliktlösungsmechanismen und früheren Konflikten haben. Dispute und Krisen rechtzeitig hören, bevor die Kanonen donnern. Damit auch Waffen mal schweigen.


Thomas Roithner ist Friedensforscher, Privatdozent für Politikwissenschaft an der Universität Wien und Mitarbeiter im Internationalen Versöhnungsbund – Österreichischer Zweig. Sein neues Buch „Pistole, Panzer, Pandemie. Plädoyer für einen Paradigmenwechsel in der Außen-, Sicherheits- und Friedenspolitik Österreichs und der EU“ erscheint vor Weihnachten 2021 bei myMorawa.

Titelbild: S. Hermann & F. Richter auf Pixabay 

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