Lateinamerika: China festigt Einfluss auf dem Subkontinent

Mit der Beteiligung Argentiniens an der Neuen Seidenstraße stärkt China seine Position in Lateinamerika – eine kurze Einordnung.

Von NPLA / La Journada

Anfang Februar hat der argentinische Präsident Alberto Fernández in Peking die Teilnahme seines Landes an der sogenannten Neuen Seidenstraße unterzeichnet. Das ehrgeizige Projekt, das Handel, Verkehr, Kommunikation sowie Infrastruktur betrifft, hatte China bereits seit 2013 mit anderen Ländern in die Wege geleitet. Inzwischen weitet sich das Projekt von Zentralasien und dem Südpazifik zu anderen Kontinenten aus, 140 Länder sind daran beteiligt.

Damit reiht sich Argentinien in die Gruppe der lateinamerikanischen Länder wie Brasilien, Chile, Peru, Bolivien und Venezuela ein, die sich durch eine formelle oder informelle Kooperation eine gute Entwicklung mit China als größten Handelspartner erhoffen.

Der Vertrag, der von Fernández und seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping unterzeichnete wurde, beinhaltet finanzielle Hilfe über 24 Milliarden Dollar für Projekte im Bereich der Infrastruktur, vor allem der Energie, Elektromobilität sowie Exporte des Landes. Außerdem bekräftigte China seine Unterstützung für die „Bemühungen zur Gewährleistung der wirtschaftlichen und finanziellen Stabilität“ der südamerikanischen Regierung und versprach zudem „eine stärkere Verwendung nationaler Währungen in Handel und Investition zu fördern sowie es Unternehmen in beiden Ländern zu erleichtern, Kosten zu senken und das Wechselkursrisiko zu verringern“.

China wird zum direkten Konkurrenten der USA

Somit festigt das asiatische Land seine bereits große Präsenz in Lateinamerika und stellt einen der Hauptgläubiger und den zweitgrößten Handelspartner nach den Vereinigten Staaten dar.

Die Kooperation zwischen China und Lateinamerika ist für Washington unweigerlich eine Herausforderung. Denn in den vergangenen zwei Jahrzehnten waren es die Vereinigten Staaten, die in dieser Region politischen, ökonomischen und strategischen Einfluss ausübten und sie immer als „Hinterhof“ betrachteten. Der Neo-Kolonialismus des Weißen Hauses hat nicht nur zu permanenten Interventionen und der Bildung fügsamer und unterwürfiger Regierungen geführt, sondern auch zu einer immensen wirtschaftlichen und menschlichen Verwüstung in den Bereichen Rohstoffabbau, Landwirtschaft und Industrie.

In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts begann die Hegemonie der USA in Lateinamerika aufgrund verschiedener Gründe zu wackeln: Das Aufkommen von Regierungen in der Region, die Souveränität beanspruchten, der europäische Wettbewerb sowie das Desinteresse für die Länder südlich des Río Grande unter der Trump-Regierung. Während die Vereinigten Staaten in dieser Zeit versuchten, die historische Abschottung in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg wiederzubeleben, unternahm Xi Jinping Besuche in Südamerika und schloss Freihandelsabkommen mit den Staaten in der Region.

Heute ist die chinesische Präsenz in Lateinamerika eine klare Sache. Jedoch muss erwähnt werden, dass Peking im Gegensatz zu US-amerikanischen oder europäischen Projekten keine politischen oder ideologischen Forderungen gestellt hat, sondern sich nur auf die wirtschaftliche Entwicklung konzentriert hat. Es bleibt abzuwarten, ob es so weitergeht und sich die Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und China verstärken.


Dieser Beitrag erschien auf npla.de, lizensiert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international. Originalartikel auf jornada.com

Titelbild: Ezreal Zhang auf Unsplash

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