Sonntag ist Büchertag: Zur imperialen Lebensweise

Die Imperiale Lebensweise beruht auf kapitalistischen, wachstumsgetriebenen Macht- und Herrschaftsverhältnissen. Sie zeitigt verheerende soziale und ökologische Folgen. Es gibt allerdings Gründe, warum diese Lebensweise dennoch hegemonial geworden ist. – Sonntag ist Büchertag

Von Josef Mühlbauer

Buchcover
Josef Mühlbauer/Leo Xavier Gabriel (Hg.) – Zur imperialen Lebensweise (Mandelbaum)

Die Herausgeber Leo Xavier Gabriel und Josef Mühlbauer haben in Wien Politikwissenschaften studiert und den Sammelband „Zur imperialen Lebensweise“ mit sechs interdisziplinären Beiträgen publiziert. Leo ist politischer Aktivist und forscht zu Lateinamerika. Josef ist ehrenamtlicher Mitarbeiter des queerfeministischen Varna Institute for Peace Research (VIPR), einer NGO, die zahlreiche Interviews mit progressiven Denker:innen veröffentlicht (u.a. mit Prof. Ulrich Brand oder Prof. Klaus Dörre).  Die beiden Autoren fragen mit diesem Buch: Wie sehen die Widersprüche dieser imperialen Lebensweise aus? Wie könnten Alternativen dazu aussehen? Diese und weitere Fragen werden in dem Buch von Wissenschaftler:innen verschiedener Disziplinen beantwortet.

Das Vorwort schrieben die beiden Professoren Ulrich Brand und Markus Wissen. Sie betrachten das Buch als einen „innovativen Beitrag zum Forschungsprogramm „imperiale Lebensweise“, denn der Einleitungsbeitrag und die sechs theoretisch und empirisch versierten Studien zeigen ein breites Anwendungsfeld. Dies betrifft insbesondere die Dimension der Subjektivierung und Hegemonie, die wir als einen „Grundmechanismus“ der sich reproduzierenden imperialen Lebensweise verstehen.“ (Brand/Wissen 2022: 7f.).

Die imperiale Lebensweise zeigt die Produktions- und Konsumnormen, in denen ein Individuum eingebettet ist. Hier stellen die Autor:innen und Herausgeber:innen fest, dass die imperiale Lebensweise einen stetigen Normalisierungsprozess darstellt, deren modus operandi teils auf Zwang, teils auf Konsens beruht (Gramsci). Es ist demnach Ziel des Buches, die De-Normalisierungsprozesse, gesellschaftliche Widersprüche und Paradoxien sowie mögliche Alternativen zu dieser Lebensweise empirisch und konzeptionell darzustellen. Zu den Widersprüchen und zur Einhegung der imperialen Lebensweise auf einer weltweiten bzw. gesamtgesellschaftlichen Ebene wurde der Diskurs um eine „Neue Weltwirtschaftsordnung“ bereits in den 70ern auf zahlreichen UNCTAD Konferenzen eingeführt (vgl. Mühlbauer 2021).

Der erste Beitrag von Utta Isop – die an der Alpen Adria Universität in Klagenfurt unterrichtet – stellt ein philosophisches Gedankenexperiment dar und beschäftigt sich mit der Dimension der Exklusivität der imperialen Lebensweise. Als solidarische Kontrastfolie dazu stellt sie queerfeministische Aspekte und Konzepte vor.

Der Soziologe Valentin Fröhlich und der Philosoph Dominik Harrer versuchen mit Michel Foucault eine radikale Alternative zur imperialen Lebensweise zu skizzieren, in dem sie auf dessen machtanalytische Denkweise eingehen und sein Konzept der Selbstsorge aufgreifen.

Die Politikwissenschaftlerin und Politikerin Katharina Klapphek – welche im deutschen Bundestag für die Linke Partei tätig ist – analysiert die Auswirkungen der Digitalisierung und der Künstlichen Intelligenz (KI) und geht dabei auf die Faktoren der Externalisierung und Intensivierung der imperialen Lebensweise ein.

Die Sozialwissenschaftler:innen Claudia Exenberger, Florian Pimminger, Mathias Boaglio und Leo Gabriel untersuchten empirisch die Rolle der Gewerkschaften in Österreich im Lichte der imperialen Lebensweise. Der Beitrag untersucht die gewerkschaftlichen Strategien zur Arbeitszeitverkürzung.

Die Politikwissenschaftler:innen Katharina Lindtner, Julia Chapotot-Necker und Cvijetin Benovic haben Policy Paper der EU analysiert, um ein gelungenes Beispiel der Kreislaufwirtschaft im Bereich der Abfallwirtschaft zu zeigen.

Der letzte Beitrag von Andrea Marjanovic, Jana Hafner, Walentina Pflug-Hofmayr und Josef Mühlbauer untersucht empirisch vier verschiedene Initiativen, die im Bereich von Postwachstum/Degrowth subsumiert werden. Dieser Beitrag soll verschiedene Ansatzpunkte einer solidarischen Lebensweise skizzieren.

In den kommenden Wochen sind Buchbesprechungen und Buchlesungen geplant. Wo und wann diese stattfinden sehen Sie auf folgender Facebook-Seite. Einen Kommentar bzw. eine Buchrezension zum Buch finden Sie hier: Prof. Markus Wissen.


Quellen:

  • Ulrich Brand & Markus Wissen (2022): Vorwort. In: Josef Mühlbauer & Leo Xavier Gabriel (2022): Zur imperialen Lebensweise. Wien: Mandelbaum Verlag. S. 7-8.
  • Josef Mühlbauer (2021): Eine Neue Weltwirtschaftsordnung. Zur Einhegung und den Widersprüchen der imperialen Lebensweise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1101454.
  • Josef Mühlbauer & Leo Xavier Gabriel (2022): Zur imperialen Lebensweise. Wien: Mandelbaum Verlag.

Josef Mühlbauer MA, studierte in Wien Theologie, Philosophie und Politikwissenschaften, arbeitet ehrenamtlich für das queerfeministische Varna Institute for Peace Institute (VIPR) und publizierte bereits Beiträge für die AK, Institutszeitschrift der Politikwissenschaft, „Unsere Zeitung“ und u.a. für die Via Campesina. Kontakt: josefmuehlbauer@gmx.at

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Titelbild: Buchcover (Ausschnitt)

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