Feminismus und Wehrpflicht – ein leidiges Thema

Gleichberechtigung bedeutet nicht, dass es allen gleich schlecht gehen soll – ganz im Gegenteil, schreibt Julia Margreiter im Gastkommentar.

Vergangene Woche postete die Zeit im Bild einen Beitrag zur angekündigten Erhöhung der Bezahlung von Grundwehrdienern in den sozialen Medien. Wenn man sich auf Facebook und Instagram die Kommentarspalte durchliest, sieht man neben der scherzhaften Aufregung einiger bereits abgerüsteten Pflichtdiener unter anderem auch wieder mal die Diskussion aufbranden, dass Feminist*innen für ihre Forderung einer gleichberechtigten Gesellschaft auch den Pflichtdienst absolvieren sollen.

Dazu zunächst ein paar Fakten: Im Jahr 2013 gab es in Österreich eine Volksbefragung, in der die Bürger*innen des Landes über die Beibehaltung der Wehrpflicht abstimmen konnten. Das Sora Institut hat die Befragung analysiert: Insgesamt lag die Beteiligung bei diesem direkt-demokratischen Prozess bei lediglich 52,4%, also gerade einmal der Hälfte. Das Ergebnis sah wie folgt aus: 59,7 % waren für die Beibehaltung der Wehrpflicht. 

Sieht man sich nun das Stimmverhalten an, stößt man jedoch auf ein Mann-Frau-Gefälle. Männer stimmten zu 64 % für die Beibehaltung der Wehrpflicht, wohingegen Frauen nur zu 55 % dafür waren. In beiden Fällen gibt es eine Mehrheit für die Beibehaltung, doch sprachen sich im Vergleich mehr Männer als Frauen dafür aus. Vor allem wenn man bedenkt, dass zu dieser Befragung hauptsächlich Männer hingingen. 

Dies ist nun vor allem aus dem Grund interessant, da Feministinnen immer wieder vorgeworfen wird, sie sollen doch auch in diesen verpflichtenden Dienst mit aufgenommen werden, wenn sie schon gleichberechtigt behandelt werden wollen. In diesem Fall sieht man allerdings, dass Frauen sogar eher dafür wären, die Wehrpflicht den Männern zu erlassen. Was längst überfällig wäre: Feminismus bedeutet nämlich nicht, dass es alle in der Gesellschaft gleich schlecht haben sollen, ganz im Gegenteil.

Zusätzlich muss man bei diesem Thema auch erwähnen, dass es Frauen erst seit 1998 überhaupt möglich ist, dem Heer beizutreten. Das Patriarchat sieht Frauen als zierliche und schwache Geschöpfe an, die ihre Lebensaufgabe in der Fortpflanzung und Erziehung von Kindern haben, da passt ein Heeresdienst natürlich nicht hinein. Dass Männer den Feminist*innen nun ausgerechnet vorwerfen, in einem Pflichtdienst des Heeres nicht inkludiert werden zu wollen, obwohl dieses Frauen lange nicht mal zugänglich war, ist an Ironie wohl nicht zu übertreffen.


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Titelbild: israel palacio auf Unsplash

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