Gedicht: Ausgleich in einer stürmischen Welt

Benjamin Lapp mit einem Gedicht über die Schwierigkeit, innere Ruhe in scheinbar übermächtigen Stürmen der äußeren Welt zu finden.

Liebe Leser:innen,

Vielleicht können Sie es auch nachfühlen, diese Momente, in denen die Überforderung der Seele durch bedrückende äußere Einflüsse einen scheinbar schon permanenten Zustand einnimmt. Gerade in Jahresabschnitten, die schon jeher geprägt sind von einem Übermaß an Grau, ist es wichtig, einen inneren Ausgleich dazu zu finden. Doch wie lebt es sich, wenn dieser Ausgleich nur sehr schwer herzustellen ist?

Das folgende Gedicht möchte dieses Spannungsverhältnis zwischen den übermächtig erscheinenden Stürmen einer äußeren Welt und dem inneren empfindsamen Zustand eines einzelnen Individuum ein wenig näher beleuchten.

Die Augustiner Kirche in Wien von innn
Die Augustiner Kirche in Wien. Foto: Benjamin Lapp

Versuchte Niederschrift über die Hochsensibilität

Ziemt es sich im aufziehenden Wendekreis des Weltschmerz
einfach nur leichtfüssig wandeln zu wollen,
durch mein privates Kleinod des Glücks?
Ohne die Schwere der Scham,
möchte ich in den seltenen Momenten
der filigranen himmelblauen Pinselstriche über mir,
gemalt von gütiger göttlicher Hand, 
gedankenverloren schwelgen,
die im Widerstreit zu den übermächtigen dunklen Wolken stehen.
Verwegen dem machtvollen Hintergrundrauschen 
der immanenten Traurigkeit trotzen,
lehne ich mich auf den Schwingen des Engels Kreisels,
um mich der hinauf drehenden Ekstase über das Leben hinzugeben,
die mich zum Jubilieren aller Innerlichkeit bewegt.
Und im Bewusstsein des Geschenks 
die Schönheit dieses Daseins einzuatmen,
streichele ich die Pforten des Himmels,
und siehe, im eigenen Tabernakel meines Herzens,
wird ein Leuchten wahrhaftig werden,
welches wirken soll in die dunkle dunkle Welt um mich hinein…

Benjamin Lapp


Titelbild: Marcus Woodbridge auf Unsplash

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