Große Gewinne am Golf: Der spanische Supercup in Saudi-Arabien

Zum dritten Mal fand der spanische Supercup in Saudi-Arabien statt. Was dem spanischen Fußballverband und den Teams einen wahren Geldsegen bringt, nutzt die Regierung des Golfstaates zum Aufpolieren des eigenen Images.

Von Moritz Ettlinger

Am Ende war es eine klare Sache. Mit 3:1 besiegte der FC Barcelona den Erzrivalen Real Madrid im Finale der Supercopa de España am Sonntag. Die Katalanen dominierte die Partie über weite Strecken, bis zur 93. Minute stand es sogar 3:0. Es ist der erste Titel für Barca seit dem Abgang von Klublegende Lionel Messi und damit auch der erste unter Trainer Xavi Hernández. Dementsprechend groß war der Jubel über die Trophäe, die Kapitän Sergio Busquets in den Nachthimmel von Riad stemmte.

Bereits zum dritten Mal fand das Turnier in Saudi-Arabien statt. Im Jahr 2019 entschied der spanische Verband RFEF, das jährliche Duell zwischen Meister und Pokalsieger auf die arabische Halbinsel zu verlegen. Gleichzeitig wurde die Supercopa zu einem Turnier aufgebläht, in dem sich seitdem nicht nur Meister und Pokalsieger gegenüberstehen, sondern beide Pokalfinalisten sowie die beiden bestplatzierten Liga-Teams, die in jenem Pokalfinale nicht vertreten waren. Das ist übrigens auch der einzige Grund, warum der FC Barcelona die Trophäe in diesem Jahr gewinnen konnte: Spanischer Meister wurde 2021/22 Real Madrid, die Copa del Rey gewann Betis Sevilla.

Die saudische Regierung lässt sich die Austragung des Events einiges kosten: 40 Millionen Euro überweist Saudi-Arabien Medienberichten zufolge bis inklusive 2029 jedes Jahr an den spanischen Verband. Und auch die teilnehmenden Mannschaften gehen nicht leer aus: Als Sieger streicht der FC Barcelona laut Goal 4,8 Millionen Euro, das zweitplatzierte Real Madrid 3,8 Millionen Euro ein. Der FC Valencia und Betis Sevilla, die im Halbfinale ausgeschieden sind, erhalten demnach 1,7 Millionen bzw. 750.000 Euro.

Kritik von vielen Seiten

Während sich Klubs und Verband über finanzielle Mehreinnahmen freuen können, sieht die Stimmung auf Spieler- und Fanseite zum Teil anders aus. Raúl García, der mit dem Athletic Club im vergangenen Jahr nach Saudi Arabien reiste, bezeichnete die Verlegung der Supercopa in den Nahen Osten im Jänner 2022 als „völligen Schwachsinn“. Der Fußball habe sich verändert, die Fans wurden vergessen, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters den Mittelfeldspieler. „Im Fußball geht es jetzt nur noch darum, Geld zu verdienen.“

Kritik am Gastgeberland kam bereits kurz nach Bekanntwerden der Verlegung der Supercopa nach Saudi-Arabien, vor allem Menschenrechtsorganisationen kritisierten den Golfstaat scharf. Die Menschenrechtslage dort ist prekär: Saudi-Arabien ist jener Staat, in dem weltweit die meisten Todesurteile verhängt werden, Angaben von Amnesty International zufolge teils nach unfairen Gerichtsverfahren. Homosexualität steht unter Strafe, Frauen, Mädchen und LGBTQIA+-Personen sind trotz kleiner Modernisierungsschritte weiterhin massiv benachteiligt. Amnesty spricht bei Folter in Gefängnissen von „Routine“, Oppositionelle, Andersdenkende, Regierungskritiker*innen werden verfolgt und inhaftiert, Rechte auf Meinungs- oder Versammlungsfreiheit sind stark eingeschränkt. Hinzu kommt der verheerende Krieg im Jemen, an dem Saudi-Arabien seit neun Jahren führend beteiligt ist.

Sportswashing made in Saudi-Arabia

Die Regierung Saudi-Arabiens ist sich dem Ruf des eigenen Landes bewusst und versucht sich seit geraumer Zeit an der Aufpolierung des Images – auch und vor allem mithilfe des Sports, Stichwort „Sportswashing“. Die Liste der Projekte ist lang: Im Oktober 2021 übernahm der Staatsfond Saudi-Arabiens 80 Prozent der Anteile am englischen Premier League-Klub Newcastle United (UZ-Bericht dazu). Die Formel 1 ist ebenfalls seit 2021 zu Gast in der Hafenstadt Dschidda, ein Jahr davor kam die Rally Dakar aus Südamerika in die Wüste Arabiens.

Auch die beiden besten Fußballer der vergangenen 15 Jahre stehen auf der Gehaltsliste der Saudis. Lionel Messi, gerade erst in Katar zum Weltmeister gekürt, soll für seine Rolle als Tourismusbotschafter 25 Millionen Euro erhalten. Und erst vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass Cristiano Ronaldo zum FC Al-Nassr wechselt und für sein zweieinhalbjähriges Engagement eine halbe Milliarde Euro erhalten soll.

Italien macht’s vor

Für Spaniens Verbandspräsidenten Luis Rubiales überwiegen die Vorteile des Deals mit dem Staat am Golf. „Wir haben aus einem Spiel, das mitten im Sommer in Vergessenheit geraten war, ein internationales Ereignis gemacht, wahrscheinlich das größte Kurzturnier der Welt“, so Rubiales gegenüber dem spanischen TV-Sender Movistar Plus. Es sei eine weitere Möglichkeit, Einnahmen zu generieren. Wohl auch ein, wenn nicht der zentrale Grund, warum der spanische Supercup 2018 erstmals außerhalb der eigenen Landesgrenzen, in Marokko, stattfand.

Eine Premiere war die Verlegung des spanischen Supercup jedoch bereits 2018 nicht: In Italien beispielsweise hat die Austragung des Supercups im Ausland mittlerweile fast schon Tradition. Bevor die Supercoppa Italiana in den Jahren 2018 und 2019 ebenfalls in Saudi-Arabien ausgetragen wurde, matchten sich Meister und Pokalsieger schon 1993 in Washington D.C. um den Titel, es folgten Gastspiele in Tripolis (2002), East Rutherford (2003), Peking (2009, 2011, 2012), Doha (2014, 2016) und Shanghai (2015). Das Duell zwischen dem AC Mailand und Inter Mailand am 19. Jänner wird die zwölfte Supercoppa sein, die außerhalb Italiens stattfindet. Gespielt wird in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad.


Titelbild: Pixabay / Bearbeitung: Unsere Zeitung

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