Rechtsextremismus in der Literatur

Über die Heftromanreihe „Erlebte Geschichte – Freikorps.“

Ein Gastbeitrag Max Sternbauer

Heftromane oder auch Groschenromane gibt es seit dem 19. Jahrhundert. Durch Fortschritte in der Herstellung von Druckerzeugnissen im Zuge der industriellen Revolution war es möglich geworden, auch ärmere Bevölkerungsschichten mit Zeitungen und Büchern zu versorgen. Der Inhalt dieser Erzeugnisse war zum Großteil Trivialliteratur; schnelle und billige Unterhaltung für die sogenannte breite Masse.

Politische Motivationen spielten in diesen Heften eine eher marginale Rolle. Zwar waren diese Erzeugnisse Produkte des Zeitgeistes, aber es wurde nicht für gesellschaftspolitische Ziele missioniert. Doch ideologiefrei waren Heftromane mitnichten.

“Der Landser”

Ein gutes Beispiel dafür war die Heftromanreihe: „Der Landser.“ Wegen des Titels könnte man auf den Gedanken kommen, es handelte sich bei diesen Romanen um ein Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg; Lesemunition für die Hitlerjugend.

Aber weit gefehlt. Der Landser war eine Reihe von Heftromanen, die von 1957 bis 2013 erschienen sind und behandelte Berichte von deutschen Soldaten im Zweiten Weltkrieg. Das Simon Wiesenthal Center hatte Kritik geäußert, dass in diesen Heften der Nationalsozialismus verherrlicht werden sollte. In der Tat waren die Geschichten davon gezeichnet, Loblieder über den braven deutschen Soldaten zu erzählen. 

“Freikorps”

In eine ähnliche Kerbe schlägt „Freikorps.“ Die Inhalte der Hefte erzählen von den Taten der Mitglieder des Freikorps. Das Freikorps waren paramilitärische Einheiten, aufgestellt in den ersten Jahren der deutschen Weimarer Republik, die von nationalistisch gesinnten Soldaten gegründet worden waren. 

Im Auftrag der Reichsregierung unter dem Sozialdemokraten Friedrich Ebert war es die Aufgabe des Freikorps, linke revolutionäre Bewegungen im Deutschen Reich nieder zu schießen (z.B. Spartakusbund in Berlin, Räterepublik In München).

Im Heftroman, „Freikorps – Chaos in Berlin“ wird die Geschichte eines Gymnasiasten erzählt, der die traumatischen Tage nach der Novemberrevolution von 1918 erlebt hat, die das Deutsche Reich zur Kapitulation und den Kaiser in das Exil getrieben hat.

Die alte Ordnung ist zerbrochen, die neue Ordnung, die junge Republik ist schwach und es herrscht Chaos. Der sehr junge Mann erträgt die Verhältnisse nicht, dass die Monarchie und Heimat nichts mehr gelten, das in seinen Augen rote Banden durch Berlin marodieren.

Sein Entschluss fällt: Er will nicht passiv sein, sondern seinen Beitrag leisten. Er schließt sich den “Freikorps” an und ist zuerst mit einfachen Tätigkeiten beschäftigt. In der Folgezeit erlebt er die Kämpfe um Berlin Ende 1918, und leistet seinen Beitrag während des Kapp-Putsches im März 1920.

Rechtsextremes Gedankengut

So ungefähr würde der Stil einer Inhaltsangabe klingen, wenn man es wohlmeinend mit dem Inhalt von “Chaos in Berlin” meinte. Geht man die Sache kritischer an, muss auch das Urteil dementsprechend angepasst werden. Und man muss sagen, was es ist: rechtsextremes Gedankengut.

In einer plumpen Freund-Feind-Umkehr werden die Rollen von den Guten und den Bösen ausgetauscht. In Berlin würde der Pöbel und die bolschewistischen Mörderbanden wüten; die guten treuen deutschen Bürger seien diesem Chaos wehrlos ausgesetzt.

Die Kommunisten ließen es zu, dass Geschäfte geplündert werden und käme es zu Gefechten, schlachten sie die Gefangenen Soldaten barbarisch ab.

In diesem Strudel aus Gewalt, rege sich aber nationaler Widerstand, es gebe noch Schüler einer Kadettenschule, die die Flagge zu ehren wissen. An diesem Gymnasium habe der neue Ungeist Einzug gehalten, die Roten wollen ihn aus der Schule werfen.

Der Schüler, der zum Soldaten werden will, schließt sich im Verlauf des Buches dem Freikorps an, muss aber wegen seiner Jugend sich erst einmal im Hintergrund halten. Er engagiert sich im Untergrund, klebt Plakate und wirft Stinkbomben in einen Nachtclub.

Richtig fahrt nimmt die Handlung erst während des Kapp-Putsches auf. Als Teil einer kleinen Einheit nimmt er an verstreuten Kämpfen teil und muss erleben wie diese Aktion scheitert. Aber der Kampf geht weiter.

Tatsachenverdrehung

Es wird keine Zeile über die Rolle des Militärs, in der ersten Phase der Weimarer Republik, verschwendet. Die Tatsache, dass Oberbefehlshaber Hindenburg, den demokratisch gewählten Politikern die alleinige Verantwortung für das katastrophale Ende eines der schlimmsten Kriege der Menschheitsgeschichte aufgebürdet hat, findet genauso wenig Erwähnung. Die Politiker*innen Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg seien in den Kämpfen gegen den Spartakusbund umgekommen und nicht brutal ermordet worden.

Das Bild des Militärs folgt einem ähnlichen Muster wie in der artverwandten Reihe „Der Landser,“ nämlich das eines Märchens der braven deutschen Armee, mit einem blütenweißen Gewissen. In Wahrheit haben die Soldaten kein großes Herz für die Republik die sie verteidigen, aber es ist eine gute Ausrede, auf Kommunistenjagd zu gehen.

Wer einmal, nur ein einziges Mal, den Blick in ein Geschichtsbuch geworfen hat, dass nicht von Josef Goebbels verfasst worden ist, sollte diese Art von Literatur ablehnen. 


Erlebte Geschichte – Freikorps.
Chaos in Berlin: Kämpfe um die Reichshauptstadt 1918-1920.   

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Titelbild: Angehörige der Marine-Brigade Ehrhardt, einem Freikorps der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, während des Kapp-Putsches. Foto: Bundesarchiv, Bild 146-1971-091-20 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 DE, via Wikimedia Commons

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