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Kleiner Mann, was tun?

Ein flehentliches Aufbegehren gegen den Irrsinn des Krieges in drei Akten 

Von Benjamin Lapp

I.

Ticktack, Ticktack
Kleiner Mann, was tun?

Atemübungen, verzweifelte Atemübungen,
um nicht mit dem Rücken zur Wand,
von der schmerzenden Angst
beherrscht zu werden,
die sich in den Hirnwindungen
der sich zurückziehenden Zuversicht
eine uneinnehmbare Festung baut.

Wehe mir, wehe uns vor dem Gebell der Kriegsgeilheit
welches sprengt die Grenzen der Geisterstadt,
voller generalstabsmäßig geplanten
Unterwerfungsszenarien,
und die Narren im Hallraum der Macht
gieren um ihren Aktiengewinn.

Die alte Welt siecht schmerzhaft dahin,
Ungeheuer herrschen ungehemmt,
und während die neue noch nicht geboren,
werden Kinder der Niederungen,
zum töten und sterben freigesetzt
für den Gewinn der feixenden Brandstifter.

Und auf dem allgegenwärtigen Kasernenhof
dröhnt ein Drill ohne Unterlass in meinen Ohren,
hin zur Enthemmung für den ersten Schuss
als Wertmaßstab moralischer Überlegenheit,
der eindringen soll bis zum Rückgrat,
unterdessen Protest entgegen dieser Barbarei,
als untragbarer Zustand
einer Feindschaft im Inneren erscheint.

(Die Todesangst setzt zum Angriff an…)

Inmitten diesen Gezeiten der Reaktion
bellt mir eine Stimme ins Gesicht:
‚Was willst Du tun, kleiner Mann?
Alles hat sich gewendet!
Ich bin nun mal der auserwählte Mörder
in feinster Uniform,
und wäre ich es nicht,
wäre ich ein Opfer bloß,
so wie Du!‘


II.

Ticktack.
Kleiner Mann, ganz still.

Werdet ihr mich vermissen, wenn ich
ein Weilchen einsam geh?
Über heilige Felsen des Glaubens hinweg
und mich erfreue, mit sehnsuchtsvollen Blick,
an der Blätterpracht und lache vor Glück.

Grün, so herrlich Grün erstrahlt die Waldlichtung,
Baumkronen spenden Schatten zur rechten Zeit,
Blütenknospen ranken sich, froher Klang,
Der Natur Kraft ringsum, ein Gesang.

Und ich trinke ,ohne Zeit,
fröhlich ihre Farbschimmer,
darüber der Himmel, so wolkenlos,
garniert diesen Ort voller Freude,
in ein Feld aus Gold, das der Liebe gewidmet ist.

Obgleich ich nicht daran denke,
einen Graupelschauer hier herauf zu werfen,
weiß ich tief in mir doch nur zu gut,
das Leben ist meine Bestimmung,

(….doch es harrt aus, die Liebe zum Leben.)

Hin zu den seligen Gestatten des Erwachens
flüstert mir eine zerbrechliche Stimme leise zu:
„Worauf wartest Du?“
Nimm dein rebellisches Schicksal
des guten Herzens an,
dies sag ich Dir im gepeinigten Gewand
sonst wäre ich eine längst vergessene Nummer
und Du nicht Du!‘

III.

Kleiner Mann, ganz tatenfroh!
Ticktack.

Meine tränen-befleckte Gedanken,
in durchnummerierter Dunkelheit des bleiernen Ungeist,
erglimmen sich magisch hell zur Heimleuchtung
in die Geborgenheit zwischenmenschlicher Annäherung
um so zu bekräftigen den ewigen Schwur.

Ich sage ‚Hallo‘ zu mir, Ich sage ‚Hallo‘ zu Dir,
im Angesicht des verdammt wunderbaren Lebensglück,
in dessen Schoss Wir der Verlorenheit trotzen,
und zusammen in den Frieden ziehen,
um die Geister der Kriegsertüchtigung auszutreiben.

Wohl mir, wohl uns, beim orchestrieren wohliger
Geräuschkulisse einer sozialen Zukunft,
die nun das Taktmaß vorgeben wird,
in ehemals Heimstätten des tödlichen Irrsinns,
um in den aufziehenden Gezeiten des Widerstands,
blühende Landschaften gedeihen zu lassen.

Atemzüge, befriedigende Atemzüge,
um die befreiende Wirkung zu verspüren,
bis in in die letzten Hirnwindungen,
dass die Gedanken voller Zuversicht
so schön wie nie, in mir erstrahlen.

Kleiner Mann, was nun?
Ticktack, Ticktack


Titelbild: Benjamin Lapp

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