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Ein Gegenentwurf zur Burnout-Kultur

Sonntag ist Büchertag: Fee Kalter & Dr. Neşe Oktay-Gür: Nicht immer alles geben (Leykam, 2026)

Von Michael Wögerer

„Nicht immer alles geben. Wie wir arbeiten ohne auszubrennen“ von Fee Kalter & Neşe Oktay-Gür (Leykam)

In einer Arbeitswelt, in der Dauererreichbarkeit oft fälschlicherweise als Professionalität gilt und Erschöpfung als Statussymbol glorifiziert wird, setzen die Psychologinnen und Unternehmerinnen Fee Kalter und Dr. Neşe Oktay-Gür ein wichtiges Zeichen. Ihr Sachbuch „Nicht immer alles geben“ ist ausdrücklich keine Anleitung zur weiteren Selbstoptimierung oder dazu, sich noch schneller auszuruhen, um im Hamsterrad weiterzufunktionieren. Es ist vielmehr ein wissenschaftlich fundierter und zugleich empathischer Gegenentwurf zur Burnout-Kultur.

Das Buch ist in vier schlüssige Themenblöcke gegliedert:

1. Die größten Lügen der Arbeitswelt:

Mythen wie „Stress = Erfolg“ oder „Arbeit = Identität“ werden enttarnt. Die Autorinnen legen dar, dass chronische Erschöpfung meist eine Folge systematischer Überlastung und toxischer Erwartungen ist – und kein individuelles Versagen.

2. Perspektivenwechsel – Warum Erfolg nicht durch Selbstaufgabe entsteht:

Das Kapitel zeigt auf, wie verhängnisvoll die Kopplung des eigenen Selbstwerts an reine Arbeitsleistung ist. Echter Erfolg setzt Selbstrespekt, gesunde Grenzen und das Erkennen des eigenen Werts unabhängig von Leistung voraus.

3. Dein Werkzeugkasten:

Hier bieten die Autorinnen konkrete psychologische Werkzeuge für den Berufsalltag. Sie erklären, wie man Grenzen (physisch, zeitlich, emotional und kognitiv) zieht, Nein sagt ohne sich zu rechtfertigen, eigene Bedürfnisse frühzeitig erkennt und Konflikte souverän meistert.

4. Der neue Erfolg:

Dieser Abschnitt entwirft das Bild einer nachhaltigen Karriere. Selbstfürsorge wird als strategischer Erfolgsfaktor beleuchtet und Gelassenheit als das neue, erstrebenswerte Statussymbol definiert.

Wohltuende Blickwinkel und wissenschaftliche Tiefe

Besonders hervorzuheben ist die Balance zwischen psychologischer Fachexpertise – unter anderem gestützt auf die Akzeptanz- und Commitment-Therapie sowie das Job-Demands-Resources-Modell – und hoher Alltagsnähe. Durch lebensnahe Fallbeispiele aus der Praxis holen die Autorinnen die Leserschaft direkt in ihren Realitäten ab.

Zudem überzeugt das Buch durch eine reflektierte Haltung: Kalter und Oktay-Gür thematisieren offen ihre eigenen privilegierten Perspektiven sowie strukturelle Ungleichheiten in der Arbeitswelt. Sie machen deutlich, dass gesunde Arbeit kein Luxusgut sein darf, sondern ein Grundrecht darstellt.

Fazit & Leseempfehlung

„Nicht immer alles geben“ ist eine uneingeschränkte Leseempfehlung für alle, die beruflich ambitioniert bleiben möchten, ohne ihre physische und mentale Gesundheit aufzuopfern. Es entlastet von Schuldgefühlen, bietet praktische Hilfestellungen zur Abgrenzung und weist den Weg zu einer gesünderen, menschlicheren Arbeitskultur. Ein befreiendes und wegweisendes Buch zur richtigen Zeit.


🎬 Tipp für Eilige: Wer vor dem Lesen erst einmal einen visuellen Eindruck gewinnen möchte, sieht sich am besten hier auf UZ-TV eine Videozusammenfassung von Gemini Notebook an, die die Kerngedanken und Modelle des Buches anschaulich und kompakt aufbereitet:


Fee Kalter & Dr. Neşe Oktay-Gür:
Nicht immer alles geben.
Wie wir arbeiten ohne auszubrennen
Leykam Verlag, Graz – Wien 2026, 273 Seiten,
ISBN 978-3-7011-8420-0; EUR 25,50


Titelbild: Unsere Zeitung (erstellt mit Gemini Notebook, 2026)

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