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Scharfrichter der Nazis

3126 Menschen hat Johann Reichhart bis 1945 hingerichtet, darunter die Geschwister Scholl. Auch nach dem Krieg setzt er seine Henkerstätigkeit fort – diesmal in Namen der amerikanischen Militärjustiz.

Ein historischer Report von Helmut Ortner

Johann Reichhart ist ein gehetzter Mann. Gestern noch war er in Wien, zuvor in Dresden und Berlin, nun ist er auf dem Weg nach München. Seit Jahren durchquert er mit der Bahn oder seinem Opel Blitz das Land. Ständig auf Dienstreise, im Auftrag der Gerechtigkeit. Sein Beruf: Scharfrichter. Unter seinem Fallbeil sterben gemeine Mörder, Räuber und Sexualverbrecher. Jetzt, im Jahre 1943, hat er es häufiger mit einem neuen Typus von Verurteilten zu tun: „Volksschädlinge“, „Wehrkraftzersetzer“ und „Kriegswirtschaftsverbrecher“. NS-Sondergerichte fällen Tag für Tag Todesurteile, gegen die es keinerlei Rechtsmittel gibt.

Am 22. Februar 1943 wird der Gerechtigkeit wieder freien Lauf gelassen. Reichhart erhält die Nachricht, dass er in wenigen Stunden an drei jungen Studenten ein Todesurteil zu vollstrecken habe. Nur vier Tage zuvor waren sie im Innenhof der Münchner Universität vom Hausmeister beim Verteilen von Flugblättern gegen das Hitler-Regime erwischt worden. Umgehend verständigt der Mann die Gestapo, die sie noch am selben Tag verhaftet und ins berüchtigte Gefängnis im Wittelsbacher Palais einliefert. Ihre Namen: Sophie und Hans Scholl sowie Christoph Probst.

Die Verhandlung vor dem für Hochverrat zuständigen Volksgerichtshof findet an diesem Tag unter dem Vorsitz Roland Freislers statt. Gerade wenige Monate als Präsident im Amt, ist er aus Berlin angereist. Er will ein Exempel statuieren. Freislers Verhandlungsstil ist gefürchtet: Er brüllt die Angeklagten nieder, erniedrigt sie, verletzt alle noch halbwegs gültigen rechtlichen Grundsätze.

Nach nicht einmal dreistündiger Sitzung durchschneidet Freislers eisige Stimme die Stille des Gerichtssaals: „Die Angeklagten Sophie Scholl, Hans Scholl sowie Christoph Probst werden zum Tode verurteilt!“ Unmittelbar danach werden die drei Studenten in das zentrale Hinrichtungsgefängnis München-Stadelheim überführt, wo Scharfrichter Reichhart bereits der Auftrag zur sofortigen Vollstreckung in gewohnter Papierform vorliegt.

Als gebürtigem Bayern ist Reichhart Stadelheim von allen Arbeitsplätzen der angenehmste, seine „Heimat-Hinrichtungsstätte“, wie er sagt. Zahllose Todesurteile hat er hier vollstreckt. Die Hinr…

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