Zum 8. Mai: Eine junge Friedensbewegung stellt sich gegen Wehrpflicht und Kriegspolitik
Zum Jahrestag der Befreiung vom Faschismus ruft die Bewegung „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ erneut zum Protest auf. Die Initiative verbindet den Kampf gegen Wehrpflicht und Musterung mit einer grundsätzlichen Kritik an Aufrüstung, Rüstungsprofiten und Kriegsvorbereitung.
Am morgigen 8. Mai wollen in ganz Deutschland wieder tausende Schüler:innen ihre Schulen bestreiken und gegen Wehrpflicht, Militarisierung und Kriegspolitik demonstrieren. Die Initiative „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ hat den Termin bewusst auf den 81. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus gelegt. Im Aufruf heißt es: „Nie wieder Wehrpflicht! Nie wieder Krieg!“ und: „Die Reichen wollen Krieg, die Jugend eine Zukunft!“ Der 8. Mai 1945 stehe für das Ende des Zweiten Weltkriegs – und damit für die historische Verpflichtung, dass von deutschem Boden nie wieder Krieg ausgehen dürfe.
Historischer Bezug und scharfe Kritik an Aufrüstung
Der aktuelle Aufruf der Bewegung richtet sich nicht nur gegen die schrittweise Rückkehr der Wehrpflicht, sondern gegen die gesamte Aufrüstungspolitik der deutschen Bundesregierung. Die Initiative kritisiert, dass immer mehr Geld in Panzer, Bomben und kriegstaugliche Infrastruktur fließe, während Bildung und Soziales unter Druck geraten. Zugleich verweist sie auf verpflichtende Fragebögen seit Jahresbeginn, geplante Musterungen ab 2027 und auf Regelungen, die Auslandsaufenthalte junger Männer einschränken könnten. Aus Sicht der Schüler:innen geht es deshalb nicht um eine technische Verwaltungsfrage, sondern um die Vorbereitung auf neue Kriege – mit Jugendlichen als möglichem „Kanonenfutter“ (vgl. Unsere Zeitung vom 2. März 2026).
Mehr als 120 Orte angekündigt
Der Protest bleibt nicht auf einige Großstädte beschränkt. Auf der Städte-Seite der Initiative sind inzwischen weit über 100 Orte angekündigt, darunter große Städte wie Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt am Main, Stuttgart, Leipzig, Dresden, Dortmund, Hannover und Nürnberg sowie zahlreiche kleinere Städte und ländliche Orte – von Flensburg bis Konstanz, von Aachen bis Zwickau.
Die Bewegung ist keine Eintagsfliege
Der Schulstreik am 8. Mai ist kein spontaner Einzelprotest, sondern der vorläufige Höhepunkt einer Bewegung, die seit Monaten wächst. Schon am 5. Dezember 2025 gingen nach Angaben der Initiative mehr als 55.000 Jugendliche in über 90 Städten auf die Straße. Beim zweiten großen Streiktag am 5. März meldete die Bewegung bereits über 150 beteiligte Städte. Der morgige Protest knüpft also an zwei landesweite Mobilisierungen an – und an eine inzwischen feste Organisierung mit lokalen Komitees, bundesweiten Konferenzen und Aktionen an den Schulen selbst. Auch der Aufruf der zweiten bundesweiten Schulstreikkonferenz in Göttingen macht deutlich: Solange Wehrpflicht, Musterung und Aufrüstung auf der Tagesordnung stehen, will die Bewegung weiter streiken.
Und die Medien? Viele schweigen oder rahmen um
Ganz verschwiegen wird der Schulstreik in den deutschen Medien zwar nicht – in den vergangenen Tagen haben etwa Die Zeit über eine dpa-Meldung, die Süddeutsche Zeitung, die taz sowie einzelne lokale Medien wie die Nordstadtblogger aus Dortmund über den bevorstehenden Streik berichtet –, auffällig ist aber, wie klein die bundesweite Aufmerksamkeit im Verhältnis zur Größe der Proteste bleibt. Wo berichtet wird, geschieht das oft in Form kurzer Agenturmeldungen oder lokaler Hinweise. Die politischen Inhalte der Jugendlichen – also die Ablehnung von Wehrpflicht, Aufrüstung und Kriegsvorbereitung – stehen dabei meist nicht im Zentrum.
Wenn berichtet wird, dann oft mit anderem Fokus
Hinzu kommt: Ein Teil der Berichterstattung verschiebt den Fokus weg von den Forderungen. So rahmt etwa ein Beitrag der Tagesschau bzw. Hessenschau den geplanten Streik vor allem über den Vorwurf linksextremer Einflussnahme. Damit droht genau das in den Hintergrund zu geraten, worum es den Schüler:innen selbst geht: die Ablehnung eines neuen Wehrdienstregimes, die Kritik an der Militarisierung des Alltags und die Frage, warum Jugendliche die Kosten einer Politik tragen sollen, die sie nicht beschlossen haben. Wer vor allem über angebliche Hintergründe der Organisierung spricht, statt über Inhalte, Forderungen und soziale Realität der Betroffenen, trägt dazu bei, den politischen Kern der Bewegung unsichtbar zu machen.
Es drängt sich der Eindruck auf, dass viele Redaktionen eine antimilitaristische Jugendbewegung lieber klein halten als groß machen wollen. Das passt in eine politische Lage, in der Aufrüstung als Sachzwang präsentiert und Wehrpflicht als „Debatte der Vernunft“ behandelt wird. Jugendliche, die diesem Kurs widersprechen, stören dieses Bild. Wenn Medien sie dann vor allem als Randphänomen, als Sicherheitsproblem oder gar als von oben gesteuerte Kulisse behandeln, müssen sie sich den Vorwurf gefallen lassen, nicht fair zu berichten, sondern eine friedenspolitische Gegenstimme zu marginalisieren. Gerade deshalb lohnt es sich, morgen genau hinzusehen.
Infos und Kontakt: schulstreikgegenwehrpflicht.com
Titelbild: Screenshot (schulstreikgegenwehrpflicht)

