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Allgemeinbildung

Ein Geschichte, die über den Zustand unserer Allgemeinbildung mehr verrät, als man denkt.

Von Urs Heinz Aerni

Neulich in Kufstein, Tirol. An einem Kulturfestival unterhalte ich mich mit zwei jungen Menschen, so Mitte der 20er und beide im Bildungs- und Erwerbsleben. Dann kommen wir auf den Jäger, der in Graubünden aus Versehen ein Pferd erschoss. Die beiden schauten mich an. „Graubünden?“.

Ich: „Ja, der flächenmäßig größte Kanton der Schweiz, der ja auch an Tirol und Südtirol grenzt.“ Die beiden kennen den Namen Graubünden nicht. Ich erwähne St. Moritz und Davos. Jetzt nicken die beiden.

Wie kommt es, dass die beiden sehr sympathischen, aktiven und fröhlichen Menschen aus Tirol den Nachbarkanton nicht kannten?

Der passende Buchtipp: „Das große Buch der Allgemeinbildung. Grundwissen von A bis Z.“ 978-3-411-05620-0, Duden/Cornelsen Verlag.

Laut dem „Brockhaus“ ist „Allgemeinbildung derjenige Teil der Bildung, der allen Menschen zukommt oder zukommen sollte.“ Oder laut „Wikipedia“ ist es ein Begriff, „mit dem die entscheidenden Kenntnisse und Befähigungen bezeichnet werden, die notwendig sind, um aktiv und kritisch an der Gestaltung möglichst aller Bereiche der modernen Gesellschaft teilnehmen zu können.“ Schön gesagt. 

Es scheint, dass die Allgemeinbildung aus unterschiedlichen Gründen erodiert und schrumpft. Einer davon sei laut einer Expertin gegenüber Radio SRF nach der schlecht ausgefallenen PISA-Studie über schulische Leistungen, dass der immer größer werdende Aufwand für die Sensibilisierung für Umgangsformen, Rücksichtnahme auf Schwächere und Mobbing-Prävention Zeit von anderen Fächern frisst. So schwindet die Schulzeit für Geschichte, Deutsch, Rechnen etc.

Ein anderer Grund für ein allgemeines Nichtwissen über die Welt und Gesellschaft sei das Konsumieren mit Tunnelblick. Die Zeiten des Blätterns in der Zeitung durch die Ressorts „Inland“, „Ausland“, „Region“, „Wissenschaft“, „Sport“ und „Kultur“ sind vorbei. Das Zappen im linearen Fernsehen von einer Talk-Sendung über eine Reportage bis zu einem Spielfilm tut heute jener Teil der Menschheit, der nicht mehr so lange unter uns weilt. Heute konsumiert man die Infos und News aus einer für sich zurechtgezimmerte Weltanschauung. Eine Meinungsbildung, die aus vielen Blickwinkeln entsteht, ist durch das Scrollen in Special-Interest-Kanälen unmöglich.

Apropos Neudeutsch: Wie nennt man meine beiläufige Werbung hier im Text für das Literaturfestival Zofingen mit Gastland Tschechien vom 16. – 18. Oktober? Richtig: Product Placement. 

Wollte Sie einfach nur testen.


Titelbild: Graubünden (Foto: Iso Tuor / Pixabay)

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