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EMMA hört auf. Der Feminismus kämpft weiter.

Nach 50 Jahren endet die Ära der Zeitschrift EMMA. Warum wir gerade jetzt mehr statt weniger feministische Medien brauchen – und warum der Frauenstreik am Samstag ein wichtiges Zeichen setzt.

Ein Kommentar von Nina Maron

Es ist traurig, wenn guter Journalismus verstummt. Noch trauriger ist es, wenn er über Jahrzehnte hinweg Themen aufgegriffen hat, über die andere lieber geschwiegen haben. Nach 50 Jahren wird die feministische Zeitschrift EMMA eingestellt. Am 8. Dezember erscheint die letzte Ausgabe. Alice Schwarzer und ihre Redaktion erklären:

„Wir gehen nicht aus ökonomischen Gründen. Sicher, auch unsere Auflage sinkt. Aber unsere Einnahmen decken immer noch die Ausgaben. Und ein finanzielles Polster schützt uns. Nein, wir gehen, weil wir meinen: Es reicht! EMMA hat über drei Feministinnen-Generationen die Stellung gehalten, hat allen Moden widerstanden und gegen so manchen Unsinn im Namen des Feminismus Stellung bezogen. Also gestattet: Jetzt sind wir ermattet.“

Ich finde das schade. Sehr schade sogar.

Die EMMA war nie eine bequeme Zeitschrift. Sie wollte es auch nicht sein. Sie hat provoziert, gestritten, angeklagt und gesellschaftliche Verhältnisse infrage gestellt. Und das war notwendig. Denn Frauenrechte wurden uns nicht geschenkt, sie mussten erkämpft werden. Auf der Straße, in den Betrieben, in den Familien, in der Politik und eben auch in den Medien.

Man muss nicht mit jeder Position von Alice Schwarzer oder der EMMA einverstanden gewesen sein. Ich war es auch nicht. Feminismus lebt schließlich nicht davon, dass alle Frauen dasselbe denken. Er lebt vom Widerspruch, von der Auseinandersetzung und von der Bereitschaft, bestehende Machtverhältnisse nicht einfach hinzunehmen.

Die EMMA hat über Gewalt gegen Frauen geschrieben, als diese noch als Privatangelegenheit betrachtet wurde. Sie hat über Abtreibung, sexuelle Selbstbestimmung, unbezahlte Hausarbeit, Diskriminierung und patriarchale Strukturen berichtet, als viele dieser Themen in der öffentlichen Debatte kaum Platz fanden. Das war und bleibt eine historische Leistung.

Und heute? Heute verdienen Frauen noch immer weniger als Männer. Noch immer übernehmen sie den Großteil der unbezahlten Sorgearbeit. Noch immer werden Frauen ermordet, weil Männer glauben, über ihr Leben bestimmen zu dürfen. Noch immer werden Frauenkörper politisch verhandelt, als gehörten sie nicht den Frauen selbst.

Gleichzeitig müssen wir erleben, wie frauenpolitische Errungenschaften wieder infrage gestellt werden. Wie rechte und autoritäre Kräfte versuchen, traditionelle Geschlechterrollen erneut zur gesellschaftlichen Norm zu erklären. Gerade jetzt brauchen wir mehr feministische Berichterstattung. Nicht weniger. Wir brauchen Journalistinnen, die nachfragen, wenn andere wegschauen. Die nicht nur über einzelne Gewalttaten berichten, sondern über die gesellschaftlichen Verhältnisse dahinter. Die sichtbar machen, was Frauen leisten, was ihnen verweigert wird und wofür sie seit Generationen kämpfen.

Wir brauchen aber auch einen Feminismus, der soziale Fragen nicht ausklammert. Denn die Reinigungskraft, die Pflegehelferin, die Alleinerzieherin und die Mindestpensionistin haben oft geringere Möglichkeiten, sich gegen Ungerechtigkeiten zu wehren, als jene Frauen, die über Geld, Einfluss und gesellschaftliche Anerkennung verfügen. Frauenrechte sind immer auch eine Klassenfrage.
Und genau deshalb ist der kommende Samstag so wichtig.

Am 24. Oktober 2026 findet von 17 bis 20 Uhr vor dem Parlament in Wien ein FRAUEN*Streik statt. Unter dem Motto „STÖREN – STREIKEN – NIXTUN – FEIERN“ wollen Frauen und ihre Mitstreiter:innen sichtbar machen, wie viel Arbeit Frauen täglich leisten und wie selbstverständlich diese Arbeit von unserer Gesellschaft in Anspruch genommen wird. Der Streik erinnert an den historischen Frauenstreik in Island am 24. Oktober 1975. Damals legten Frauen ihre bezahlte und unbezahlte Arbeit nieder und machten sichtbar, wie sehr eine Gesellschaft von ihrer Arbeit abhängig ist.

Auch in Österreich ist es höchste Zeit, diese Frage zu stellen: Was würde passieren, wenn Frauen ihre bezahlte und unbezahlte Arbeit einen Tag lang niederlegen? Wenn niemand die Kinder betreut, Angehörige pflegt, den Haushalt organisiert und all jene Arbeiten erledigt, die zwar unverzichtbar sind, aber gesellschaftlich und finanziell viel zu wenig Anerkennung finden?

Der Frauenstreik ist deshalb mehr als eine Demonstration. Er ist eine Erinnerung daran, dass Gleichberechtigung nicht allein durch schöne Worte entsteht. Sie muss erkämpft und gesellschaftlich durchgesetzt werden. 

Gerade deshalb ist es wichtig, dass feministische Stimmen nicht nur erhalten bleiben, sondern neue Räume bekommen. Unsere Zeitung (UZ) setzt hier ein bewusstes Zeichen: Mit einer neuen, regelmäßigen Kolumne von Barbara Eder rücken wir ab kommenden Dienstag feministische Fragen stärker in den Mittelpunkt unserer Berichterstattung.

Barbara Eder wird gesellschaftliche Machtverhältnisse kritisch beleuchten, patriarchale Strukturen hinterfragen und feministische Debatten aus einer Perspektive aufgreifen, die auch soziale und ökonomische Ungleichheiten sichtbar macht. Denn Feminismus darf keine Randnotiz sein. Er gehört mitten in die politische Auseinandersetzung.

Die jahrzehntelange Arbeit der EMMA lässt sich nicht ersetzen. Zumindest bleibt ihr Archiv erhalten und damit ein bedeutendes Stück feministischer Zeitgeschichte. Ein Archiv, das dokumentiert, wie hart Frauen für ihre Rechte kämpfen mussten, welche Widerstände sie überwunden haben und wie viele dieser Auseinandersetzungen bis heute nichts an Aktualität verloren haben. Es ist ein politisches Gedächtnis, das nicht verloren gehen darf.

Mit Barbara Eders neuer Kolumne wollen wir in der UZ dazu beitragen, diese Auseinandersetzungen weiterzuführen. Nicht nur zurückblicken, sondern einmischen, hinterfragen und verändern. Denn was Frauen über Generationen erkämpft haben, ist keineswegs für immer gesichert.

Die EMMA mag als Zeitschrift verstummen, aber ihre Geschichte bleibt. Und der Feminismus muss weiterkämpfen. Aus diesem Grund sehen wir uns am Samstag beim Frauenstreik vor dem Parlament.

Informationen und Programm

:: streiken ::


Titelbild: Unsere Zeitung / KI-generiert

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