Arbeitslosigkeit in Österreich steigt weiter

kurve-149421_1280Plus 9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – Wien mit Zuwachs von 15,6 Prozent

Zum Jahreswechsel 2014 auf 2015 sind beim österreichischen Arbeitsmarktservice (AMS) 393.674 Personen arbeitslos vorgemerkt – weitere 62.127 Arbeitssuchende befinden sich in Schulungen. Das sind im Dezember um 9,0 Prozent (bzw. 6,5 Prozent Schulungsteilnehmer) mehr als ein Jahr zuvor, gab das Sozialministerium heute Vormittag bekannt.

Die Arbeitslosigkeit steigt bei Frauen mit 9,2 Prozent etwas stärker als bei Männern mit 8,8 Prozent. Deutlich unterdurchschnittlich ist die Zunahme der arbeitslosen Personen im Burgenland (0,7 Prozent), in Kärnten (1,8 Prozent), Vorarlberg (4,7 Prozent), Steiermark (6,6 Prozent), Tirol (6,7 Prozent) und in Oberösterreich (6,8 Prozent). Hohe Zuwächse verzeichnen dagegen Wien mit 15,6 Prozent und Salzburg mit 10,8 Prozent.

AL_Branchen_Dez2014Branchenspezifisch betrachtet ist es vor allem die Leiharbeit mit einem Plus von 12,5 Prozent und der Tourismus mit plus 10,1 Prozent, die eine überdurchschnittliche Steigerung an Arbeitslosigkeit verursachen. Die Bauwirtschaft profitiert dagegen offensichtlich vom milden Winterbeginn. Hier liegt der Anstieg der Arbeitslosigkeit mit einem Zuwachs von 2,3 Prozent deutlich unter der Gesamtentwicklung.

Die Zunahme der Jugendarbeitslosigkeit (15- bis 24 Jahre) mit aktuell plus 5,5 Prozent liegt deutlich unter der Gesamtentwicklung, bei den 15- bis 19-Jährigen ist die Arbeitslosigkeit mit minus 0,3 Prozent weiterhin leicht abnehmend. Nach wie vor verhalten bleibt allerdings die Bereitschaft der Unternehmen Lehrlinge auszubilden. Die Zahl der sofort verfügbaren Lehrstellensuchenden liegt um 5,4 Prozent über dem Vorjahreswert, während der Bestand an gemeldeten offenen Lehrstellen österreichweit um 3,6 Prozent rückläufig ist. Überdurchschnittlich schwierig ist die Arbeitsmarktsituation vor allem für Personen mit gesundheitlichen Vermittlungseinschränkungen mit einem Anstieg von 13,8 Prozent und für Personen ohne österreichischen Pass mit plus 18,3 Prozent.

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Insgesamt beträgt die Arbeitslosenquote in Österreich im Dezember 5,1 Prozent (Eurostat), während sie im Durchschnitt der Europäischen Union bei 10,0 Prozent liegt. Lediglich Deutschland hat mit 4,9 Prozent eine noch geringere Quote. Ebenso liegt Österreich bei der Jugendarbeitslosigkeit mit 10,0 Prozent gegenüber einer EU-weiten Quote von 21,6 Prozent vergleichsweise gut, meint Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ), der angesichts der der anhaltenden Konjunkturkrise auf Maßnahmen wie Steuerreform und Initiativen am Wohnungsmarkt drängt, um die Kaufkraft der Konsumenten zu erhöhen.

Laut Hundstorfer bedürfte es eines allmählichen Umdenkens beim europaweiten Budgetkonsolidierungskurs. So zeige sich zum Beispiel aktuell anhand der Wirtschaft in den USA, dass ein expansives Budget nachhaltige Konjunkturimpulse setzen könne und sich die zusätzlichen staatlichen Ausgaben über erhöhte Steuereinnahmen und verringerte Arbeitslosigkeit auch wieder refinanzieren würden. Im Hinblick auf ein langfristiges Wirtschaftswachstum wären in Europa vor allem Investitionen in besonders wichtigen Bereichen wie z.B. Bildung, leistbarer Wohnraum, Infrastruktur und dem Ausbau von Hochgeschwindigkeitsnetzen aus den Budgetvorgaben auszunehmen, so Hundstorfer.

Quelle: sozialministerium.at
Link: Arbeitsmarktdaten für Dezember 2014 als Download

Bild: pixabay/CC0 Public Domain

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Ein Gedanke zu „Arbeitslosigkeit in Österreich steigt weiter

  • 2. Januar 2015 um 17:34
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    Arbeitslosigkeit ist wesentlich auch eine Folge von mangelnder Bildung, von mangelndem Bildungsbewusstsein, einer neuen Form von Verantwortungslosigkeit von Eltern gegenüber ihren Kindern.

    Für die Bildung sind in erster Linie die Eltern zuständig, indem sie Bewusstsein über den Wert als auch die Sinnhaftigkeit und sogar Notwendigkeit von Lernen, Aus- und Weiterbildung vorleben.

    Die Politik ihrerseits gibt die Rahmenbedingungen vor, wobei gerade Minister Hundstorfer Mitglied jener Partei ist, die in den letzten 44 Jahren bis auf eine Unterbrechung von 17 Jahren die Bildungspolitik maßgeblich geprägt hat. Das heißt, dass die Bildungsmisere von heute ihre Wurzeln im Versagen der SP-Bildungspolitik hat.

    Politik will Macht. Macht erreicht sie am leichtesten, indem sie Menschen halb-gesund, halb-klug und finanziell abhängig hält, denn halbkranken und (aufgrund von Krediten) finanziell abhängigen Menschen kann man mit Rauswurf drohen, halb-klugen Menschen kann man alles sagen, wenn es nur plausibel genug und rhetorisch gekonnt genug dargestellt wird.

    Es war und ist die Politik und in ihrem Schlepptau die Arbeitnehmervertretungen, die über Jahrzehnte hinweg den Menschen suggeriert haben:
    „Trete uns bei und wir kümmern uns um alles, was Du brauchst. Brauchst Du einen Job? Wir helfen Dir. Brauchst Du eine Wohnung? Wir helfen Dir. Brauchst Du Geld? Wir helfen Dir. Bist du krank? Wir helfen Dir.“

    Den Menschen wurde ein falsches Bild einer oberflächlich heilen Welt suggeriert und nur allzugerne hat die Masse es angenommen, sich um nichts kümmern zu müssen, Eigenverantwortung Stück für Stück an die Politik und ihre VertreterInnen abzugeben.

    Wäre die Bevölkerung von 1945 genauso „gestrickt“ gewesen wie heute, wäre der Wiederaufbau unmöglich gewesen.

    Die Folge davon, dass Eigenverwortlichkeit, Leistungsbereitschaft und Wissen dermaßen verteufelt wurden, ist unter anderem, dass wir heute
    – MaturantInnen mit einer dermaßen schlechten Rechtschreibung und Grammatik haben, dass sogar viele AnwärterInnen für den Lehrer-Beruf in diesem Fach scheitern,
    – Eltern haben, die sofort aufschreien, wenn in der Schule mal was zu Lernen ist,
    – Eltern haben, für die eigenartigerweise Erziehung gleichbedeutend ist mit Prügel und das will man ja – und das ist gut so – nicht mehr, gleichzeitig führt das auch dazu, dass 1 Kind in einer ganzen Klasse dafür sorgt, dass Lernstoff nur mehr eingeschränkt vermittelt werden kann, weil beim Setzen von disziplinierenden Maßnahmen sofort die Eltern aufschreien, anstatt sich um die Erziehung des Kindes zu kümmern,
    – Kinder die 9. Schulstufe verlassen, die weder ausreichend Rechnen noch Schreiben noch Reden (im Sinne von „sich ausdrücken“) können, die auch keine Manieren haben und denen die Grundkulturtechniken des höflichen Umgangs miteinander fehlen (Grüß Gott (bzw. Guten Tag), Auf Wiedersehen, Bitte, Danke und Bitte um Entschuldigung),
    – Führungskräfte vielfach an die Spitze von Wirtschaft und Politik kommen, denen nur mehr die eigene Karriere wichtig ist, die gleichzeitig jegliches Gefühl für Verantwortung verloren haben,
    – eine Gesellschaft haben, in der weit weit über 70 % der Menschen Computerspiele spielen und Fernsehen anstatt ein Buch zu lesen oder sich aktiv und selbst fort zu bilden,
    – den Hausverstand nur mehr in der Werbung einer Lebensmittelkette finden und bei vielen vielen Menschen vermissen,
    und anderes mehr, das dazu führt, dass die politischen Rahmenbedingungen schlechter werden, dass sich Menschen mehr und mehr gängeln lassen von „denen da oben“, von „Göttern in Weiß“ und und und.

    Wir brauchen eine Gesellschaft, in der die Erwachsenen sich dessen bewusst sind, dass sie für die Kinder und Kindeskinder die Verantwortung tragen, dass sie mit den Ressourcen der Welt verantwortungsvoll umgehen müssen, dass Wissen von allem, was ein Mensch besitzen kann, jenes Gut ist, das einem nichts und niemand jemals wieder nehmen kann, dass einzig und allein jene Menschen hinfallen und einen Neuanfang machen können, wenn sie Wissen haben und die Bereitschaft haben, immer wieder, täglich, neu zu lernen, Gelerntes zu überdenken und durch neue Erkenntnisse zu ersetzen.

    Lernen, Fort- und Weiterbildung braucht heute kein Vermögen mehr, denn dank Internet und Google ist sehr sehr viel Wissen vorhanden. Dieses Wissen reicht in den meisten Fällen aus, um auch als Erwachsener dazulernen zu können. Darüberhinaus gibt es zahlreiche Fortbildungsinstitute wie z.B. BFI, WIFI, VHS und es gibt viele Menschen, von denen Frau/Mann lernen kann, die richtigen Informationen zu finden.

    Ja, es gibt viel zu tun. Sei es bei der Unterstützung AlleinerzieherInnen, MigrantInnen und anderem mehr. Doch es ist das Leichteste, zu fordern: „Der Staat muss … .“ und falsche Entwicklungen auch im eigenen Leben an die PolitikerInnen abzuwälzen.

    Dabei wird vergessen, dass „der Staat“ wir alle sind, die wir in einem Gebiet leben. Jede Frau, jeder Mann, jedes Kind. Jeder Mensch hat das Recht, dieses Gebiet zu verlassen.
    Jeder Mensch hat gleichzeitig auch die Pflicht, alles in seiner Macht stehende zu tun, dass die wirtschaftliche, soziale, kulturelle Entwicklung in eine Richtung geht, in der Menschen Sicherheit, Wohlstand, Gesundheit, Friede und Freiheit dauerhaft vorfinden.

    Dazu ist die eigene Bereitschaft zum Lernen das Alpha und Omega. Hört jemand auf zu lernen, hat sie/er sich dazu bereit erklärt, das eigene Leben in die Hände von anderen Menschen zu übergeben.

    Wir brauchen eine Politik der sozialen Marktwirtschaft, einer Politik, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt und gleichzeitig den einzelnen Menschen wieder hin zu Eigenverantwortun führt, die zur Bildung einer Gesellschaft führt, in der die/der Einzelne individuell sein muss (!) und gleichzeitig diese Individualität im Verbund mit anderen Individuen aktiv dazu einbringt, um gemeinsam die großen Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft bewältigen zu können.

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