3K – Massenmedien am Montag

Auto_scrapyardSchrottpresse

von Zoran Sergievski

Es gibt spezielle Anlagen zur mechanischen Kompression von Altmetall, insbesondere Autos. Und dann gibt es noch die Schrottpresse von Raiffeisen. Das letzte Foto der Woche des aktuellen News zeigt beispielsweise etwa ein Dutzend Kinder in orangenen Overalls, eingepfercht in einem gut sechs Quadratmeter großen Käfig (hier das 5. Bild). Der Titel suggeriert, sie protestierten gegen den ‚IS‘. Der Text sagt etwas anderes: die Geschichte spielt im Damaszener Vorort Duma, um den die FSA und Assads Armee heftig kämpfen. Die Aktion sollte den vergessenen Krieg in die globale Öffentlichkeit zurückkatapultieren. Sie verwies optisch auf das Massaker an 21 Kopten in Lybien. Und die Schlächter des ‚IS‘ knüpften bekanntermaßen an CIA-Folterknäste an.

Mehr Schrott

Das nächste No-Go leistet sich News mit der reißerisch aufgemachten Titelstory zum Grexit. Wie einige andere auch bezeichnete das Magazin Griechenland als „Zeitbombe“. Der Artikel hält Athen vor, dass Wien dem Süden direkte oder indirekte Gelder im Umfang von gut 10 Milliarden Euro geborgt habe. Immerhin zitieren Herta Schiedinger und Markus Leeb ausführlich den Chefökonomen der AK. Markus Marterbauer führt ins Feld, dass die soziale Situation am Peloponnes mit einer Jugendarbeitslosigkeit von 50 Prozent immer noch katastrophal sei; so viel zum Mythos vom faulen Pleitegriechen.

Hinten im Heft folgt ein recht fades Portrait zu Rainhard Fendrichs 60er. Axel Meister bedient die üblichen Stilmittel und Vokabeln: arrogant sei Fendrich anfangs gewesen, darauf folgte der „erste Absturz“, ein „Rosenkrieg“, dann ein „Sonniges Zwischenhoch“. „Und Fendrich stürzte über Nacht ins Bodenlose.“ Letztlich werde er irgendwo im Geheimen feiern, seine Lieder überleben ihn. Zu allem Überfluss folgt dieser Geschichte ein FischerMichelle-Artikel.

Edelmetalle

Es gibt aber auch Gutes zu vermelden. Österreich fiel endlich mit etwas anderem als Wintersport oder Rechtswalzer auf. Das NDR-Medienmagazin ZAPP berichtet in seiner letzten Ausgabe über die großartigen KollegInnen des DOSSIER. Im Zentrum des Beitrags steht die Inseratenaffäre rund um Eva Dichands Gratisblatt. Die Wiener Zeitung sprach mit Lukas Resetarits. Themen waren sein neues Programm, Versäumnisse und Perspektiven der Linken, Integration, Desinformation und Propaganda. Folgendes passt gut zur heutigen Kolumne: „Momentan würde ich sagen: Je suis Grieche.“ Das profil wiederum wartet mit einem zynischen Chefkommentar über die griechische Regierung auf und befeuert die Russophobie, bietet aber auch spannende Neuigkeiten zum Novomatic-Skandal (Vorschau hier). Zurück zum News: dieses enthält eine schöne Reportage über HausbesorgerInnen im ganzen Land. Außerdem brachte der Deutschlandfunk ein tolles Feature zu Work Songs und Gewerkschaften in den Südstaaten. Apropos USA: die beste Nachrichtensendung der Welt wird dieser Tage 19 Jahre alt. Sie ruft daher zu Spenden auf, um ihre kritisch-unabhängige, werbefreie Berichterstattung zu sichern.

Foto: Stacks of crushed cars (IFCAR/Public Domain)

1 Kommentar

  1. Bei selbständigen Einkommen sowie auch bei der Lohnsteuer sollte eine Progression, die z.B. beim doppelten des Existenzminimums einsetzt und stark steigend bis ~80% geht, eingeführt werden.

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