Psychische Barrieren sichtbar machen

Unsere Zeitung hat alle progressiven Listen, die bei den ÖH Wahlen 2015 kandidieren (GRAS, VSStÖ, FEST, KSV/KJÖ, FLÖ und KSV-lili), dazu eingeladen, uns einen Beitrag von maximal 3.000 Zeichen zu schicken, den wir ungekürzt und unkommentiert veröffentlichen. Ob es sich um einen Kommentar, Artikel, ein Video oder Sonstiges handelt war ihnen selbst überlassen, sofern es unseren prinzipiellen Spielregeln und Grundsätzen nicht widerspricht. Wir überlassen es nun unseren kritischen Leserinnen und Lesern selbst zu entscheiden, was plumpe Wahlpropaganda oder ein innovativer Beitrag ist.

Die dritte Einsendung kam von den Grünen & Alternativen Student_innen (GRAS):

Psychische Barrieren sichtbar machen

grasDie Grünen & Alternativen Student_innen (GRAS) wollen ein selbstbestimmtes, freies Studium für alle ermöglichen. Dazu gehört für uns auch die Sensibilisierung für psychische Belastungen, denn nur psychische Barrierefreiheit ermöglicht allen ein gleichberechtigtes Hochschulstudium. So haben wir uns in der ÖH Bundesvertretung für die Einrichtung eines Referats für Barrierefreiheit eingesetzt.

Sensibilität für psychische Beeinträchtigungen…

…ist an den österreichischen Hochschulen bislang leider trotzdem kaum verankert. Lokale ÖHen oder die ÖH Bundesvertretung leisten zwar Pionier_innenarbeit, indem sie psychische Beeinträchtigungen und Barrieren thematisieren, Probleme und Lösungsansätze aufzeigen, dennoch ist der Einsatz von Seiten der Hochschulen bislang gering.
Psychische Barrieren beeinträchtigen betroffene Studierende im selben Maße wie es bauliche oder räumliche Barrieren tun können. Zu den psychischen Barrieren zählen einerseits Belastungen, mit denen Studierende schon an die Hochschule kommen, wie etwa Post-traumatische Belastungsstörungen oder das Aufmerksamkeits-Defizit Syndrom (ADHS). Andererseits kommen an den Hochschulen durch das Studium psychische Belastungen wie Leistungsdruck, Stress oder Prüfungsangst hinzu.
Diese kommen nicht von ungefähr. Unsere auf das Leistungsprinzip und Selbstoptimierung fixierte Gesellschaft sowie die Konkurrenzsituation am Arbeitsmarkt setzen Studierende stark unter Druck, wie aus repräsentativen Umfragen hervorgeht.
Psychische Belastungen erschweren wiederum den eigenen „Studienfortschritt“, der in ECTS-Punkten gemessen wird und ausschlaggebend für die Auszahlung von Studienbeihilfen und Förderungen ist. Der Verlust von Beihilfen bringt Studierende wiederum in prekäre Lebenslagen.

Psychische Barrieren sind unsichtbar…

…und Studierende mit psychischen Belastungen bleiben anonym. Mit unserer Fotoaktion wollen wir zeigen, dass psychische Belastungen wie etwa Angstzustände noch immer tabuisiert und stigmatisiert werden und betroffene Studierende gesichtslos bleiben. Die GRAS fordert, dass das Hochschulsystem mehr Rücksicht auf betroffene Studierende nehmen und ihnen ein selbstbestimmtes Studium durch mehr Flexibilität – etwa bei Prüfungsmodalitäten -, ermöglichen. Die Lehre an den Hochschulen soll nicht mehr auf imaginäre „Norm“-Studierende ausgerichtet sein, denn durch diese starre Fixierung fallen Studierende mit psychischen Beeinträchtigungen aus dem Raster. Vielmehr müssen Hochschulen stattdessen auf die Bedürfnisse von Betroffenen eingehen und dahingehende Maßnahmen ergreifen, wie etwa Rückzugsräume für Autist_innen zur Verfügung zu stellen.

Im Universitätsgesetz ist der Grundsatz der Gleichheit aller Studierenden verankert. Solange Studierende mit psychischen Beeinträchtigungen aber weiterhin anonym und psychische Barrieren unsichtbar bleiben, sind wir von der Realisierung dieses Grundsatzes noch weit entfernt.

Die GRAS setzt sich für gleichberechtigte, barrierefreie Hochschulen ein. Mehr Informationen zu unseren Themen und Inhalten findest du auf unserer Homepage www.gras.at.

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