erstaunlich mies

[3K – Massenmedien am Montag: Folge 27]

erstaunlich_ScreenshotAm Samstag beging das Fernsehen in Österreich seinen 60er. Die futurezone zeigte klassische Werbesujets, NEWS die Sicht der Verlage; angefangen beim ersten Versuchsbetrieb 1955, über das Rundfunkvolksbegehren, die deutsche Konkurrenz, die späten Privatsender (welche das Datum komplett verschliefen). Auch der vielbeschworene Kulturverfall war Thema. ORF III sendete einen Dreiteiler zu TV-Unterhaltung, Information & Sport und Serien. Dabei wird das Fernsehen viel länger diskutiert, wie ein Onlinearchiv der ÖNB zeigt: Der Bautechniker vom 12.8.1887 feierte Paul Nipkow. Am 13.2.1900 brachten die Innsbrucker Nachrichten einen Essay über Telekommunikation, der auch Bewegtbilder behandelte. Und ein Enthusiast prophezeite kurz vor dem Ersten Weltkrieg, daß es nicht viel mehr Zeit als eine telegraphische Nachricht dauern wird, bis das Fernsehen voll ausgereift sei.


Recht unausgereift

… sind rechte Web-Postillen. ORF-Watch sticht da besonders hervor: sie versteht sich als „unabhängige Kontrolle des Gebührenmonopols“. Letzten Montag brachte Werner Reichel dort einen Kommentar, der die „Multikulti-Ideologie“, „-Dogmen“ und „-Apologeten“ des ORF geißelte. Der Grund: man setze nicht den Islam mit Islamismus gleich. Als Beleg halten fünf orf.at-Schlagzeilen her.

„Das Internet Medium“ erstaunlich.at geht ähnlich vor. Betrachten wir den Beitrag Restaurant statt Wachzimmer vom Freitag. Da wird behauptet, das BM.I berichtete Ende 2014 von über 44.000 Polizeieinsätzen am Praterstern. Fakt ist: der Bericht kam im Mai und bezog sich auf 2013. Hercules-Fan Belakowitsch-Jenewein stellte auch heuer eine ähnliche Anfrage zu 2014, die spannenderweise 4007 Einsätze ergab. Eigentlich müsste diese Diskrepanz das Interesse jedes rechten Sicherheitsfanatikers wecken. Vielleicht folgt ja ein investigativer Coup?

Oder nehmen wir den erstaunlich miesen Text über Flüchtlingsmädchen in Ottakring. Entweder, die KameradInnen ärgern sich darüber, dass nur Männer, also Deserteure fliehen. Schaffen es dennoch junge Frauen hier her, fragt erstaunlich.at, warum „die Genossen nur Mädchen“ aufnehmen. Das ist wie mit der rechten Arbeitslogik: wenn „der Asylant“ einen Job hat, nimmt er „uns“ die Hackn weg. Hat er keinen Job, ist er ein „Sozialschmarotzer“ und soll sich schleichen.

Einst gab die Redaktion durch die Blume zu, Postings von SP-FunktionärInnen extrem verkürzt wiedergegeben, ja „manipuliert“ zu haben. So lag am Freitag der Schnellschuss nahe, die Seite könnte erneut zu suggestiven Maßnahmen greifen. Irren ist menschlich.


Wiener
vegan

Erich Reder, Herausgeber von erstaunlich.at und ehemalige Wiener Rotlichtgröße, ist nicht zu verwechseln mit dem Naziadmiral Erich Raeder. Apropos Nazis: hier ein vergleichsweise schlechter Artikel zu Hitlers Ernährung. Womit die Brücke zu Sarah Wiener geschlagen ist. Die Köchin machte im Juni ihrem Ärger über Veganismus Luft, worauf ein Shitstorm folgte. Sie bestand, blieb cool und wiederholte zuletzt ihre Kritik in einer Talkshow.


Beitragsbild: Axel SchwenkeErdfunkstelle Usingen 2015
(Lizenz: CC BY-SA 2.0)

Screenshot: Zoran Sergievski – erstaunlich.at, 2.8.2015 (rote Hervorhebungen: Zoran Sergievski). Zum Vergrößern klicken.

 

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