Ich habe mir nüchtern und ohne parallele Ferkeleien die Dokus von VICE ALPS gegeben, damit ihr nicht müsst.

[3K – Massenmedien am Montag: Folge 56]

viceIch sitze im IKEA-Sofasessel, weil das niemals eingeforderte Honorar für ein Interview mit Oberst Golob halt nicht für einen LC3 reichte. Muss man verstehen, internationaler Verlag und so. Mary Jane, aber keine Marie. Ich muss als Medienredakteur dieser Onlinegazette aber neidlos zugeben, dass wir rein handwerklich keine lässigen Videoberichte machen können, weil unser Schwechater Grafik-Lustsklave bislang lieber die Nächte durchfeiert als Clips für Unsere Zeitung zu basteln. Außerdem haben wir keinen gescheiten twitter-Auftritt. Trotzdem, habe ja schon ORF-Fernsehformate zerlegt, ohne je am Küniglberg gewesen zu sein (dafür im Funkhaus). Am Donnerstag startete also die zweite Staffel von VICE ALPS. Bevor wir zur ersten Videogeschichte der Saison kommen, ein Rückblick.

Vor einem Jahr startete die erste Staffel der Serie. Im Pilot reisten die KollegInnen nach Kärnten, um mit dem „Tod der Pasterze“ den Klimawandel in Österreich zu belegen. Der Film war für meinen Geschmack zu kurz. Darauf folgte eine etwas zu ausführliche Story über die Graffiti-Crew ULFS. Dabei blieb die Frage offen, ob sie nun rechts ist oder nicht, wenngleich einer der Sprayer bedauert, zum Nazi-Ruf beigetragen zu haben. Markus Lust lieferte eine bessere Sendung über Südtirol, in der nebst anderen Schützen und Ladiner zu Wort kamen. Er interviewte einen Sprecher der Casa Pound, der bezeichnenderweise sagte, sein Scheißverein sei weder rechts noch links, sondern faschistisch. Erinnert an die Möchtegern-Spartiaten. Dazu passt Hanna Herbsts fundierter Beitrag über deutschnationale Burschenschaften. Der Olympionike und Wannabe-Leonidas Alexander Markovics grinste in einer Szene deppert drein, Vandale Johann Gudenus sonnte sich im Licht von 1848. Natürlich verlor der Männerbündler kein Wort über die Frauen der Praterschlacht oder andere ArbeiterInnen. Kollegin Nadja Brenneisen schloss die erste Staffel dann mit der überall ewig berechtigten Frage „Besitzer und Besetzer – wem gehört Zürich?“.

Tori Reichel – sein genialer Brief an unsere Uni macht mich heute noch ganz gamsig – eröffnete die zweite Staffel letzten Donnerstag mit seiner Trilogie „Armut in Wien“. Er hat monatelang die Gruft besucht, mit Obdachlosen, einer Alleinerzieherin, HelferInnen und einem Flüchtling geplaudert. Ich glaube, dass er den AUGUSTIN tatsächlich liest. Tori ruft zwar nicht zum Aufstand der unteren 10.000 auf, aber er zeigt empathisch ihre Lebenswirklichkeit in unterschiedlichsten Facetten.

Vielleicht ist mir das eine oder andere in den Videos entgangen, weil ich weder besoffen war noch Speed schnupfte, um die Reportagen zu ertragen. Ich habe immer noch keine japanische Taschenmuschi zur Hand und verzichtete auf jegliche andere Ferkelei im Sofasessel. Trotzdem haben mir die Werke im Gros gefallen. Ich bin schon auf die nächsten Wochen gespannt, auf Hanf in den Alpen, Wagenrennen am Gürtel und Transmänner.

Fotos: Screenshots (VICE Media LLC). Collage: Zoran Sergievski.

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