Liebe und Hass

[3K – Massenmedien am Montag: Folge 55]

7228031516_ca5b54ca4e_kAm Sonntag fand zum wiederholten Male der Jahrestag der globalen Floristik und Zuckerindustrie statt. Okay, das war jetzt eine echt flache und altbackene Kommerzkritik und noch flacherer Antikapitalismus. Aber es ist ein Fakt, dass an Tagen wie diesem der Handel frohlockt – sogar sonntags. Stefan Mey veröffentlichte auf der Website des trend ein Interview mit der Soziologin Laurie Essig. In „Romantik und Kapitalismus – ein regelrechtes Traumpaar“ erklärt sie, wie sich junge US-amerikanische Paare in die Miesen stürzen, um diesen Tag, ihre Verlobung, ihre Hochzeit perfekt zu inszenieren. Koste es, was es wolle (bei Hochzeiten im Schnitt 86.000 Dollar bei einem Medianhaushaltseinkommen von 52.000 Dollar im Jahr). So lange sie sich Illusionen hingeben, glauben Paare, dass die Zukunft ganz gut wird. Da können sie auch bei Banken knietief in der Kreide stehen. Die Wissenschaft nennt das Phänomen kognitive Dissonanz. „Und anstatt sich für Dinge wie Mindestlöhne, gerechte Steuern oder Umweltauflagen zu interessieren, denken die Menschen, dass mit der perfekten Romanze alles besser wird.“ Die Unterhaltungsindustrie, verdeutlicht Laurie, trägt ihren Teil zur Biedermeierisierung durch romantische Filme bei. Diese sind in unseren Breiten genauso populär, besagter Tag ebenfalls. Deshalb werden solche Satireartikel von der Wahrheit überholt, in Begleitung spezieller Romantikreisen. Nebenbei bemerkt begingen ChristInnen weltweit den Valentinstag, der zwei Märtyrern gewidmet ist.

Lieblose kognitive Dissonanz tritt beiläufig unter JournalistInnen auf. Das bewies dieser Tage etwa Benedikt Narodoslawsky, der mit seinem Kollegen Lukas Matzinger (das sind jene Falter-Redakteure, um die es letztes und vorletztes Mal ging) Drohungen gegen die bekannte Aktivistin Natascha Strobl durch das Linke-Gewalt-Mantra zynisch relativierte. Die Auszeichnung als auffälliger Journalist des Jahres passt also exakt. Das alles geschieht in jener Woche, in der weltweit Milliarden gegen Gewalt an Frauen aufstehen. Maximilian „Bezirkowitsch“ konstatiert unterdessen sarkastisch und treffend gegenüber der WIENERIN: „Als weißer Mann ist’s halt schon geil.“ Und ja, das Interview ist über dieses Titelzitat hinaus sehr, sehr gut. Doch reden wir nicht weiter über Gewalt. Drei aufeinanderfolgende Wochen sind genug der Ehre für den Falter. Man könnte sonst meinen, Unsere Zeitung sei der Hassliebe gegenüber dem Medium in der Marc-Aurel-Straße verfallen. Das stimmt nämlich nicht. Aber wir bevorzugen klar eine Autorin gegenüber den genannten Herren.

Ehren wir zum Schluss lieber die Toten, ohne die es nicht mehr so sein wird wie früher, so pathetisch das klingt. Werner Gruber verlässt nach Heinz Oberhummers Ableben die Science Busters, eines der wohl besten Bildungsformate im ORF. Die aktuelle News schreibt gar dessen Ende herbei. Und das, obschon eine bemerkenswerte Frau das Team verstärkt. Hoffen wir, dass auch der Küniglberg zur Rettung der Sendung beiträgt oder würdigen Ersatz findet.

Foto: Michael Pollakliebe (Lizenz: CC BY 2.0).

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