Argentinien sucht den „verschwundenen“ Santiago Maldonado

Santiago Maldonado ist Argentinier, 28 Jahre alt und seit dem 1. August fehlt von ihm jede Spur. Er wurde zum letzten Mal lebendig gesehen, als er unter Schläge in einen Mannschaftwagen der Nationalgendarmerie einsteigen musste, während der gewaltvollen Repression von protestierenden Mapuche in der Gemeinde Pu Lof en Resistencia Cushamen.

Seit 1. August „verschwunden“: Santiago Maldonado (Foto: El Cordillerano/facebook)

Die indigene Gemeinschaft führte einen friedlichen Protest auf der Nationalstraße 40 durch und forderten die Freilassung von Jones Huala, einem Mitglied der Gemeinschaft, der wenige Tage zuvor verhaftet worden war. Des Weiteren geht es um die Rückgabe von Ländereien, welche die Mapuche-Gemeinschaft als ihr angestammtes Land ansehen, sich aber im Namen der Firma Tierras Sud S.A. befindet, ein Unternehmen der Benetton-Gruppe, die über 940 Tausend Hektaren im argentinischen Patagonien besitzt. Maldonado hat sich dem Protest und den Forderungen der Mapuche angeschlossen.

Am Morgen des 1. August fielen mehr als 100 Polizisten der argentinischen Nationalgendarmerie in die Gemeinde ein, zerstörten Häuser und feuerten mit Schusswaffen auf Demonstranten. Pablo Nocetti, Stabschef des Ministeriums für Nationale Sicherheit, war für die Polizeiaktion verantwortlich und selber bei der Durchführung anwesend, die schließlich mit der Entführung und dem gewaltsamen Verschwinden von Santiago Maldonado endete.

Der Generalmajor Diego Conrado Héctor Balari bestätige in einer Erklärung gegenüber dem Fernsehsender Canal 4 – Esquel TV: „Die Operation wurde aufgrund der Ereignisse und der genauen Anweisungen und Befehle des Ministeriums für Sicherheit durchgeführt.“

Liliana Alaniz von APEL (Asociación Profesionales en Lucha) erklärte: „Die Anwesenheit von Innenminister Pablo Nocceti zeigt, dass es auf nationaler Ebene eine direkte Anordnung zur Unterdrückung der Mapuche gibt, die von der Provinzverwaltung unterstützt wird.“

Margarita Cruz von der Vereinigung für ehemalige Häftlinge sagte dazu: „Es wird von der Regierung und den wichtigsten Medien in Argentinien das Bild eines Feindes im Inneren aufgebaut, um Menschen mit den gleichen Methoden verschwinden zu lassen, wie sie die argentinische Militärdiktatur angewandt hat.“

Die Staatsanwältin, die für die Untersuchung über den Verbleib von Santiago Maldonado zuständig ist, bezeichnet den Fall als „erzwungenes Verschwindenlassens“ einer Person. Die Arbeitsgruppe für erzwungenes oder unfreiwilliges Verschwinden der Vereinten Nationen, wurde auf Antrag einer Dringlichkeitsmaßnahme seitens von CELS (Zentrum für Rechts- und Sozialwissenschaften) aktiv und stützt sich auf drei Punkte: Freiheitsentzug gegen den Willen einer Person, die Teilnahme von Regierungsbeamten und die Weigerung über das Schicksal oder den Verbleib der betroffenen Person Auskunft zu geben.

In ganz Argentinien finden derzeit große Demonstrationen statt. Sie fordern vom argentinischen Präsidenten Mauricio Macri und dessen Regierungsbündnisses Alianza Cambiemos, dass Santiago Maldonado lebend wieder auftauchen möge.

Dieser Artikel wurde zuerst auf pressenza.com (Kooperationspartner von Unsere Zeitung) veröffentlicht und ist auch auf Spanisch verfügbar. Übersetzung aus dem Spanischen von Reto Thumiger, bearbeitet von Michael Wögerer (UZ).

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Titelbild: resumenlatinoamericano.org

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