Ein Hitlergruß zu viel

Das Wort zum Sonntag von Stefan Kastél

Wenn man bei der FPÖ ein höheres, politisches Amt anstrebt, empfiehlt es sich ein paar eindeutige Punkte im Lebenslauf mitzubringen.

Es kann nicht schaden, Mitglied einer deutschnationalen Verbindung zu sein. Hierfür gibt es unzählige Angebote: Burschenschaft Albia, Aldania, Cimbria, Teutonia, Danubia, Silesia oder Olympia. Letztere beschreibt sich übrigens als die “schärfste Burschenschaft Wiens”.

In den 1990er Jahren veröffentlichte die Burschenschaft Olympia übrigens ein Flugblatt, auf dem folgendes zu lesen war:

“Bist du hässlich, fett, krank oder fremd im Lande, bist Du von Sorgenfalten, Weltschmerz oder linksliberaler Gesinnung gepeinigt, trägst Du alternative oder Schicky-Kleidung oder ein Flinserl im Ohr, studierst du Psychologie, Politologie oder Theologie oder gar nicht, hast du den Wehrdienst verweigert oder eine Freundin mit, die weder schön noch still ist, kurz: bist Du auf irgendeine Weise abnormal oder unfröhlich, dann bleib lieber zu Hause.”

In jungen Jahren sollte man Kontakte zu rechtsextremen oder neonazistischen Gruppen geknüpft haben, um die stramme Gesinnung unter Beweis zu stellen. Gottfried Küssel war dafür immer ein Ansprechpartner. So auch die VAPO (Volkstreue außerparlamentarische Opposition) oder die Wiking-Jugend, bei der auch HC Strache aktiv war.

Militärische Lieder singen, drei Bier bestellen, “Ave Caesar!” rufen und dabei mit dem ausgestreckten, rechten Arm winken, kann ebenso ein Sprungbrett für die blaue Karriere sein. Dass von solchen Aktionen Fotos entstehen und später als “unhaltbare Medienkampagne” gegen die eigene Person verwendet werden können, mag vorkommen. Und es wäre bei FPÖ-Anwärtern auch nicht das erste Mal.

Es stellt auch überhaupt kein Problem dar, wenn man ehemaligen Nazi-Größen wie Walter Nowotny huldigt und auf diese Weise seine unerschütterliche Geisteshaltung zum Ausdruck bringt. Und natürlich machen die “bösen” Journalisten auch von dieser Veranstaltung ein paar Fotos, die dann wie folgt kommentiert werden:

Ich war beim Gedenken an einen Fliegerhelden, welch Schande über mich. Nowotny war und ist ein Held, dem gedacht werden muss. Danke an die degenerierten, linken Denunzianten für die schönen Fotos.” (Markus Ripf, FPÖ-Funktionär, Burschenschaft Olympia).

Und auch er hat sich bereits vor Jahren zu seiner Gesinnung bekannt.

In den letzten Jahren gab es immer wieder antisemitische und rassistische Ausrutscher in der FPÖ, die gekonnt als Schmutzkübelkampagne der Medien umgedeutet wurden. Um dies zu überprüfen, muss man nur die Suchmaschine Google und zwei bis drei Stichwörter bedienen – FPÖ, Rassismus, Antisemitismus, Wiederbetätigung.

Wenn sie könnten wie sie wollten, würden diese Herrschaften noch viel radikaler auftreten. Dafür fehlt ihnen allerdings noch (!) die eindeutige Mehrheit in der Bevölkerung.

Titelbild: Einwohner von Eger im Oktober 1938 beim Einrücken des deutschen Militärs (Bundesarchiv, Bild 183-H13160 / Fotograf nicht bekannt / commons.wikimedia.org; Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

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