An den Rand gesquasht

Randsportarten im Fokus – Teil 2: Squash

Im zweiten Teil der UZ-Serie “Randsportarten im Fokus” geht es um Squash. Ein Sport, den wahrscheinlich viele kennen, die Massenmedien aber wie so viele andere Sportarten nicht wirklich wahrnehmen. Auch die Politik scheint sich nicht wirklich dafür zu interessieren. Kann man das ändern? Und wenn ja, wie? 

Von Moritz Ettlinger

„Jede und jeder kann mit wenig Übung und geringer Ausrüstung einen sehr spannenden Sport ausüben, bei dem der gesamte Körper und Geist gefordert wird. Squash ist laut einer Forbes-Studie die Sportart mit dem höchsten Kalorienverbrauch, man kann sich auspowern, schwitzen und richtig Spaß dabei haben, anstatt sich im Fitnessstudio am Laufband oder Ergometer zu plagen. Es wird einem wirklich alles abverlangt.“ So beschreibt Aqeel Rehman, 12-facher österreichischer Staatsmeister im Squash, „seinen“ Sport im Interview mit Unsere Zeitung. Und wahrscheinlich kennen den Sport mit dem eigenartig klingenden Namen viele, nicht wenige werden ihn sogar schon einmal ausprobiert haben. Auf der medialen Bildfläche taucht er hingegen so gut wie nie auf. Warum eigentlich? Was sind die Gründe für das Schattendasein dieser gar nicht so unbekannten Sportart? Wie könnte man den Sport ins Rampenlicht rücken? Aber zuallererst, was ist dieses „Squash“ eigentlich genau?

Squash – Was ist das, und wie geht das?

Was nach einem ziemlich komplizierten Begriff klingt, ist eigentlich ganz einfach zu erklären. Squash kommt vom englischen „to squash“, was so viel bedeutet wie „zusammendrücken“ oder „zerquetschen“ und ist eine Rückschlag-Sportart. Es wird entweder zu zweit (1-gegen-1) oder zu viert (Doppel) in einem rechteckigen Raum, dem sogenannten Squashcourt, gespielt. Der Court ist üblicherweise beim Einzel 6,40m x 9,75m bzw. beim Doppel 7,62m x 9,75m groß und auf allen vier Seiten durch Wände begrenzt. Der Ball besteht aus Gummi, ist innen hohl und enthält Flüssiggas.

Deshalb muss der Ball, damit er seine volle Sprungfähigkeit erreicht, warmgespielt werden. Denn erst durch das Einspielen des Balles erwärmt sich das Flüssiggas im Inneren, das sich immer weiter ausdehnt – es entsteht ein Überdruck, und dadurch erhält der Squashball schlussendlich seine Sprungfähigkeit.

Beim Spiel selbst wird der Ball mit einem Schläger gegen die Vorderwand gespielt. Daher kommt auch (unter anderem) der Begriff „Squash“, da der Ball beim Auftreffen auf der Wand seine Form verliert, also mehr oder weniger zerquetscht wird.

Nach jedem Schlag muss der Ball indirekt (also über eine Seitenwand oder die Rückwand) oder direkt auf die Vorderwand geschossen werden. Danach darf er nur einmal den Boden berühren, bevor ihn der/die nächste Spieler/in wieder gegen die Vorderwand schießen muss. Ziel des Spieles ist es, die Gummikugel so zu platzieren, dass der/die Gegenspieler/in ihn nicht mehr erreichen kann, bevor er zum zweiten Mal den Boden berührt.

Ein Video zur Veranschaulichung:

Wie kommt man auf sowas?

Die Geschichte der Rückschlagsportarten geht  wohl auf die alten Ägypter zurück, die schon vor langer Zeit ein ähnliches Spiel spielten, bei dem ein Ball allerdings mit der Hand zurückgeschlagen wurde. Das eigentliche Squash, wie wir es heute kennen,taucht das erste Mal zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf. Damals wurde an der englischen „Harrow School“ das sogenannte „Open Court Rackets“ gespielt. Zum Aufwärmen für dieses Spiel, das dem heutigen Squash sehr ähnlich ist, dienten zwei Wände, die im rechten Winkel zueinander standen und gegen die ein weicher Ball geschossen wurde. Damit hatten die Engländer, ohne es zu wissen, Squash (mehr oder weniger) erfunden.

Liga & Turniere

Die höchste Liga im österreichischen Squash-Sport, die „Victor Bundesliga Austria“, also die Österreichische Staatsmeisterschaft im Squash wird vom Österreichischen Squash Rackets Verband (ÖSRV) veranstaltet und umfasst derzeit (Saison 2017/18) bei den Herren sechs und bei den Damen vier Teams. Gespielt wird in zwei Phasen: Zuerst spielen alle Teams einer Liga im Grunddurchgang mit Hin- und Rückspiel gegeneinander, danach treffen im „Final Four“ die besten vier Teams erneut in Form eines KO-Systems aufeinander. Bei den Herren liegt derzeit das SG EDER Matmaker Team Oberösterreich in Führung, die übrigens in der letzten Saison den Titel gewinnen konnten, in der Damen-Liga liegt im Moment die NV Squash-Union Wr. Neudorf Mödling auf dem ersten Platz.

Außerdem gibt es noch die VICTOR Elite Serie Austria (VESA), eine ebenfalls vom ÖSRV veranstaltete Ranglisten-Turnier-Serie, die mit einem Preisgeld von mindestens 5000 € dotiert ist, wie der Verband auf seiner Website schreibt. Die Turnierserie besteht aus sechs Turnieren und einem Final-Turnier, das in dieser Saison voraussichtlich am 1. und 2. Juni 2018 in Salzburg stattfinden wird (genauere Infos auf www.squash.or.at/eliteserie).

Ein Sport für die Jugend?

Anna Stuchlik, 17, hat bereits vor fünf Jahren ihre Leidenschaft zum Squash entdeckt. Mittlerweile spielt sie beim Raiffeisen Squash Club Telfs (RSCT) in der österreichischen Bundesliga. Auf die Frage, warum sie begonnen hat, Squash zu spielen, antwortet die Tirolerin folgendes: „Ich spiele Squash, weil mir das gesamte Konzept von Squash verdammt Spaß macht, es ist nämlich nicht nur ein ‚blödes-einem-Ball-Hinterherlaufen‘, sondern es bedarf auch viel körperlicher und geistiger Fitness, um intelligentes Squash zu spielen.“ Es sei für sie „ein wunderbarer Ausgleich zum stressigen Schulalltag, bei dem ich mich richtig auspowern und an meine Grenzen gehen kann.“ Nach kurzer Pause fügt sie hinzu: „Und man kann es bei jedem Wetter spielen!“ Klingt nach einem perfekten Sport für junge Leute, die sich abseits von Schule, Studium oder Arbeit den ganzen Frust von der Seele spielen, rennen und schießen wollen.

Den meisten Medien ist das aber herzlich egal. Die Suche nach einem Artikel über Squash in einer der großen österreichischen Zeitungen ist wie die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen: Schwierig bis unmöglich zu finden, und wenn man dann doch erfolgreich ist, ist der Bericht so klein, dass er auf einer Briefmarke Platz hätte.

Squash und die fehlende Wahrnehmung in der Öffentlichkeit

Aqeel Rehman, 12-facher österreichischer Squash-Staatsmeister bei der Austrian Squash Challenge 2017 (Foto: Andreas Lutche – a.lutche – www.alutche-photography.com)

Warum aber wird der Sport von der Öffentlichkeit nicht oder fast nicht wahrgenommen? Gründe hat das viele. Einer davon: Squash ist nicht olympisch. Doch das allein ist als Erklärung zu wenig. Aqeel Rehman sieht hier in der Sportberichterstattung ein ganz strukturelles Problem. Neben Fußball und Wintersport sei in den Zeitungen kaum noch Platz für andere Sportarten. „Den Menschen wird also der Zugang nicht geboten und damit sinkt die Wahrnehmung. Die Redakteure haben da vielleicht auch wenig Spielraum und strenge Vorgaben, um von diesem Mainstream abzuweichen.“

Aber auch die Öffentlichkeitsarbeit bei Vereinen und Verbänden spiele dabei eine Rolle. „Speziell mit dem Social Media Bereich gibt es ein sehr breites Feld abzudecken. Da sich die Funktionäre in kleinen Sportverbänden alle ehrenamtlich engagieren, lässt sich eine professionelle Pressearbeit kaum umsetzen“, so Rehman.

Für Daniel Haider, Generalsekretär des Österreichischen Squash Rackets Verbands, steht dabei wie so oft das Geld im Vordergrund: „Die Massenmedien nehmen vor allem jene Sportarten wahr, mit deren Hilfe möglichst viele Personen durch kostenpflichtige Werbung erreicht werden können, anders ausgedrückt, mit deren Hilfe möglichst großer Profit generiert werden kann. Dies trifft auf Squash aber in den meisten Ländern nicht zu.“

Was tun?

Wie aber kann man das verbessern? Welche Möglichkeiten gibt es, um Squash ein bisschen mehr ins Rampenlicht zu rücken? Haider ist da pessimistisch, seiner Ansicht nach lasse sich die Situation in Öffentlichkeit und Medien gar nicht verbessern, „da Medien mit großer Reichweite profitorientiert geführt werden müssen und daher gar keine andere Wahl haben, als Randsportarten zu vernachlässigen.“ Auch von politischer Seite erwartet sich der Generalsekretär des ÖSRV wenig: „Die Politik scheint ausschließlich an medial bestens verwertbaren Spitzenleistungen bei Größtereignissen interessiert zu sein.“ Und da diese Spitzenleistungen im österreichischen Squash „aller Voraussicht nach niemals geliefert werden können“, würden sich jegliche Forderungen an die Politik wegen Aussichtslosigkeit erübrigen.

Aqeel Rehman sieht das Ganze etwas optimistischer. „Ich wünsche mir, dass mehr Platz für Randsportarten reserviert wird, vielleicht mit einer bestimmten Quote, und mit spannenden Artikeln bei den Menschen mehr das Interesse geweckt wird, dass es auch noch etwas anderes gibt als Fußball und Co.“  

Von der Politik fordert Rehman eine gerechtere Aufteilung der Förderungen. „Kleine Verbände bekommen in Wirklichkeit zu wenig zum Überleben und zu viel zum Sterben“, so der 12-fache Staatsmeister.

Fazit

Dass Squash in naher Zukunft ein ähnliches (mediales) Interesse erlangt wie Fußball, Skisport oder Formel 1 ist, realistisch betrachtet, relativ unwahrscheinlich bis unmöglich. Zu wenig Geld ist vorhanden, zu wenig Strukturen aufgebaut und zu wenig legen die Massenmedien im Allgemeinen Wert auf Randsportarten. Doch auch wenn Österreich im Squash nicht wie beispielsweise im Faustball zur absoluten Weltspitze zählt, hätte sich der Sport schon alleine aufgrund seiner Attraktivität zweifellos mehr Aufmerksamkeit verdient.

Bisher:

Welche Sportart verdient Ihrer/Deiner Meinung mehr Aufmerksamkeit? Wir freuen uns über Vorschläge: redaktion@unsere-zeitung.at

Alle Fotos: squash-im-europark.at – Mit freundlicher Genehmigung von Andreas Lutche – a.lutche – www.alutche-photography.com

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