Protest gegen kosovarischen Präsidenten Taci in Wien

FriedensaktivistInnen kritisieren einseitige Kosovo-Debatte in der Diplomatischen Akademie und Bühne für „NATO-financed Terrorist“

Am Mittwoch fand in der Wiener Diplomatischen Akademie, einer Institution des FPÖ-geführten österreichischen Außenministeriums, die Präsentation des Buches „New State, modern Statesman. Hashim Taci – A biography“ statt. Die Autorin Suzy Jagger war persönlich nicht anwesend. Am Podium saßen Albert Rohan, der vor 2008 den sogenannten „Wiener Dialog“ zur Statusfrage des Kosovo leitete, der ehemalige Sonderbeauftragte für den Kosovo Wolfgang Petritsch, als Überraschungsgast der albanische Präsident Edi Rama und der Präsident der sogenannten „Republik“ Kosovo Hashim Taci.

Rohan berichtete über seine Erfahrungen während der Kosovo-Gespräche in Wien und Petritsch über seine ersten Begegnungen mit dem damals jungen UCK-Vertreter Hashim Taci Mitte der 90er Jahre in den Lagern der UCK. Beide Österreicher sprachen sehr offen über die von Beginn an bestehende Sympathie für die kosovo-albanischen Unabhängigkeitsbestrebungen. In ihren Statements wurde die serbisch-jugoslawische Seite als die eines Aggressors beschrieben. Taci hingegen wurde als „Freiheitskämpfer“ und „Revolutionär“ dargestellt. Das Buch zeige die positive Wandlung Tacis hin zu einem „modernen Staatsmann“ des „jüngsten Staates“ Europas, der heute für die „besten Minderheitenrechte bekannt ist“ und eine „stabile Demokratie“ darstelle.

Die serbisch-jugoslawische Seite wurde als starrköpfige, nicht kompromisswillig dargestellt, die alle Vorschläge der „Internationalen Gemeinschaft“ abgelehnt habe. Vom Ramboulliet-Abkommen, über die Wiener Gespräche bis heute. Mit keinem Wort wurde von Petritsch erwähnt, warum die Verhandler der Bundesrepublik Jugoslawien das Ramboulliet-Abkommen ablehnten, kein Wort zum Annex B, der der NATO völlige Freiheit auf dem gesamten Territorium Jugoslawiens zugesichert hätte. In allen Ausführungen wurde die völkerrechtswidrige NATO-Aggression als notwendige humanitäre Intervention und die UCK als Volksbefreiungsbewegung verbrämt. Es wurde auch kein Wort über die kriminellen und mafiösen Machenschaften der UCK und die Vorwürfe gegen Hashim Taci in diesem Zusammenhang verloren.

In diese inhaltliche Richtung geht auch das Buch von Suzy Jagger. Taci wird darin als „Richard Nixon“ des Balkans beschrieben, in Anlehnung an die Bereitschaft Nixons mit der Volksrepublik China in Verhandlungen zu treten. Taci tue dies nun mit Serbien und sei daher „der wichtigste Faktor der Stabilität“ in der Region.

Taci selbst berichtete über das freundschaftliche Treffen mit Bundeskanzler Sebastian Kurz am Tag davor in Wien, wo er die Zusicherung bekam, dass „Österreich auch weiterhin fest an der Seite des unabhängigen Kosovo stehen werde und alles dafür tun werde, dass die EU-Perspektive für sein Land Realität werde“. Taci präsentierte sich selbst als den „modern Statesman“, der die „euro-atlantische Orientierung des Kosovos weiterführen werde“. Die Ko-Referenten meinten dann schlussendlich, dass „unser Freund Taci nicht nur sein Land befreit hätte, sondern in Wahrheit auch Serbien von dessen eigenen Albträumen“.

Im Rahmen der Publikumsrunde meldete sich sogleich David Stockinger, Vorstandsmitglied der „Solidarwerkstatt – Initiative für ein freies, neutrales und solidarisches Österreich“ zu Wort. Mit ihm waren etliche weitere AktivistInnen der Friedens- und Anti-NATO-Bewegung im Raum. Stockinger fragte die Vertreter der Diplomatischen Akademie, wie es sein könne, dass hier so eine einseitige Propagandaveranstaltung stattfinden könne? Weiters griff er Wolfgang Petritsch und Albert Rohan direkt an: „Sie beide kennen Herrn Taci sehr lange und sehr gut! Sie kennen seinen Hintergrund und seine Vergangenheit. Wie ist es da möglich, hier so ein einseitiges Bild zu vermitteln?“ Im Zuge der Intervention wurden Bilder von Hashim Taci in die Höhe gehalten, wo er gemeinsam mit Tony Blair zu sehen ist, mit der großen Überschrift „NATO-financed Terrorist“. Dies sei das wahre Gesicht von Herrn Taci, so Stockinger weiter. Schlussendlich stellte er die rhetorische Frage in den Raum, von welchem „demokratischen und stabilen Kosovo“ hier eigentliche die Rede sei? Erst einen Tag zuvor wurden wieder Serben auf ihrem Weg zu einer Kirche nahe Klina von einem Mob Radikaler angegriffen. Es vergehe kein Tag wo wir nicht Meldungen von Übergriffen gegen Serben aus den Dörfern des Kosovo lesen müssen, so Stockinger.

Im Anschluss an die Aktion verließen die Protestierenden den Saal. Das Publikum reagierte geteilt, einige klatschten, einige beschimpften die Aktivisten als „Faschisten“.

In einem Interview mit der serbischen Tageszeitung Vesti nahm David Stockinger nochmals zu seiner Intervention Stellung:

„Es ist eigentlich ein Skandal, dass eine Institution des österreichischen Außenministeriums eine derartig billige Propagandaveranstaltung zulässt. So etwas kann nicht unkommentiert über die Bühne gehen und daher haben wir dort auch das Wort ergriffen. Hier soll ein ehemaliger Terrorist, der auch im Verdacht etlicher krimineller Handlungen steht, reingewaschen werden. Dazu dient auch dieses Buch. Ich möchte nur erwähnen, dass sogar der CIA bis 1998 die UCK auf der Liste der Terrororganisationen führte. Bis zu dem Zeitpunkt, als er diese für seine eigenen Ziele als Bündnispartner entdeckte. Die Leute Tacis haben in den 90ern durch terroristische Aktivitäten im Kosovo Angst und Schrecken verbreitet. Der Terror der UCK richtete sich nicht nur gegen Serben und andere Nicht-Albaner, sondern auch gegen viele Kosovo-Albaner, die loyal zum jugoslawischen Staat standen. Die UCK war ein Instrument der NATO zur Destabilisierung des Landes. Wenn in Wien so eine Veranstaltung stattfindet, muss auch diese Seite erwähnt werden!“

Text & Fotos: David Stockinger/Michael Wögerer

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