Klimawandel in Österreich – am Weg in den kollektiven Selbstmord?

Der Verkehrssektor ist der größte Schadstoff Emittent.
Fahren kann tödlich sein. Der Verkehrssektor ist der größte Schadstoff Emittent. (Foto: R. Manoutschehri)

 

Verkehrslawine und Bodenverbrauch stoppen – das sagen inzwischen auch Viele, die garantiert nichts mit Öko-Romantik am Hut haben.

Den Klimawandelleugnern, -verharmlosern und -boykottierern in Österreich muss man wohl ebenso den Kampf ansagen, wie dem Klimawandel selbst. Doch die sitzen sogar in der Regierung.

Eine Erkenntnis, die sich inzwischen nicht nur unter Naturschützern und Teilen der Wissenschaften etabliert hat, sondern der sich auch wirtschaftstreibende Manager anschließen, denen wohl niemand „Öko-Romantik“ andichten kann, höchstens einen guten Umgang mit dem Rechenschieber.

Der Generaldirektor der Österreichischen Hagelversicherung, Kurt Weinberger, warnt nach dem heurigen Dürresommer vor einem „kollektiven Selbstmord“ – durch schlicht vorsinntflutliche Energie-, Umwelt-, Klima- und Verkehrspolitik.

„Klimaschutz ist in Österreich aktuell fast niemandem ein Anliegen. Da ist dringend eine Korrektur notwendig“, so Weinberger gegenüber den OÖNachrichten.

Heuer habe es den wärmsten April und den viertwärmsten Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen vor 252 Jahren gegeben, was zu millionenschweren Schäden nicht nur in der Landwirtschaft führte.

Trotzdem ist im Verkehr der Ausstoß von Kohlendioxid in 20 Jahren mit plus 60 Prozent völlig aus dem Ruder gelaufen und „wir denken nur daran, neue Straßen (für noch mehr Autos) zu bauen“. Dieser rapide Bodenverbrauch nimmt bedrohliche Ausmaße für die Ernährungssouveränität an.

Wenn Österreich weiter 20 Hektar pro Tag verbetoniere, blieben 2050 nur mehr 1000 Hektar wertvoller CO2-Speicher. In 50 Jahren wurden 350.000 Hektar Agrarland geopfert werden – und gegen Straßen, Wohnhäuser, Betriebsgebäude und Parkplätze getauscht – das wäre die gesamte Ackerfläche Oberösterreichs. Kein anderes Land in Europa habe so viel Straßenfläche pro Einwohner oder eine so hohe Supermarkt-Dichte.

Diese Raumordnungspolitik ist kollektiver Selbstmord“, sagt Weinberger. „Wenn in einem Unternehmen die Manager so massive Risikofaktoren ignorieren würden, fliegen sie raus. Eine kluge Gesellschaft und kluge Unternehmer beachten Ökonomie und Ökologie. Wir müssen begreifen: Die Ökonomie ist Teil der Ökologie – nicht umgekehrt.“

Wie auch seine „Kollegen“ aus dem NGO und Öko-Lager fordert er eine ehestmögliche ökosoziale Steuerreform, die fossile Energie verteuert und Erneuerbare fördert, sowie den bedarfsgerechten Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel als allerdringendste Maßnahmen von der Regierung ein.

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