Unsichtbar aber tödlich: Luftverschmutzung über Grenzwerten von EU und WHO

Luftverschmutzung ist die größte Gesundheitsgefährdung
Luftverschmutzung ist die größte Gesundheitsgefährdung in der EU (Foto: R. Manoutschehri)

Laut dem aktuellen Bericht der Europäischen Umweltagentur EUA zur europäischen Luftqualität ist Feinstaub (PM2,5) für den vorzeitigen Tod von schätzungsweise 422 000 Menschen in 41 europäischen Ländern verantwortlich, davon rund 391 000 in den 28 EU-Mitgliedstaaten. Der Bericht enthält die neuesten amtlichen Daten zur Luftqualität, die im Jahr 2016 von mehr als 2 500 Überwachungsstationen in ganz Europa gemeldet wurden. 

Von Robert Manoutschehri

Die Europäer, vor allem diejenigen im städtischen Raum, leiden weiterhin unter der starken Luftverschmutzung. Wie schon die Jahre zuvor, wird der Straßenverkehr als Hauptverursacher der Luftverschmutzung identifiziert, insbesondere bei gefährlichen Schadstoffen wie Stickstoffdioxid (NO2) und Feinstaub (PM), welche ebenso wie bodennahes Ozon (O3) der menschlichen Gesundheit am meisten schaden. Emissionen aus Landwirtschaft, Energieerzeugung, Industrie und Haushalten tragen ebenfalls zur Luftverschmutzung bei.

In Bulgarien und Polen sowie in den Visegrad-Ländern wurden die höchsten Schadstoffbelastungen gemessen, Österreich und Deutschland liegen etwa im Mittelfeld, Finnland und der Norden Europas dürfen sich über die geringsten Luft-Belastungen freuen.

Die Folgen für unsere Gesundheit sind vielfältig und ebenso massiv, wie die wirtschaftlichen Auswirkungen: Unsere Lebenserwartung sinkt, die Anzahl „verlorener Lebensjahre“ steigt. Es entstehen steigende Kosten für medizinische Versorgung sowie eine geringere wirtschaftliche Produktivität durch Krankeitstage. Des Weiteren beeinträchtigt die Luftverschmutzung auch die Ökosysteme, indem sie Böden, Wälder, Seen und Flüsse schädigt und die landwirtschaftlichen Erträge reduziert.

„Luftverschmutzung ist unsichtbar, aber tödlich. Wir müssen unsere Anstrengungen verstärken, um die Ursachen zu bekämpfen. In Bezug auf die Luftverschmutzung sind Straßenverkehrsemissionen oft besonders schädlich, weil sie in Bodennähe und überwiegend in Städten in unmittelbarer Nähe zu den Menschen ausgestoßen werden. Deshalb ist es so wichtig, dass Europa sich noch stärker bemüht, die Emissionen aus Verkehr, Energieerzeugung und Landwirtschaft zu senken und diese Bereiche sauberer und nachhaltiger zu gestalten“, so ein Statement von Hans Bruyninckx, Exekutivdirektor der EUA dazu.

Auch laut der Weltgesundheitsorganisation WHO ist Luftverschmutzung die weltweit schlimmste Umwelt-Gesundheitsgefährdung, an der jährlich bis zu 7 Millionen Menschen erkranken und frühzeitig sterben. Die ökonomischen Kosten dafür sind höher, als alle eventuellen Vorsorge-Maßnahmen, welche bislang aber überhaupt nur fragmentarisch umgesetzt werden (Stichwort Energie- und Mobilitätswende).

Die wichtigsten Gefahrenstoffe im Jahresvergleich:

Stickstoffdioxid: Der NO2-Jahresgrenzwert wird nach wie vor in ganz Europa deutlich überschritten. Im Jahr 2016 lebten 7 % der städtischen Bevölkerung der 28 EU-Mitgliedstaaten in Gebieten mit Konzentrationen, die über dem Jahresgrenzwert der EU und den Leitlinien der WHO lagen. Dieser Wert war 2015 mit 9 % noch höher gewesen. Im Jahr 2015 waren Expositionen gegenüber Stickstoffdioxid Ursache für den vorzeitigen Tod von schätzungsweise 79 000 Menschen in 41 europäischen Ländern.

Feinstaub: Im Jahr 2016 waren 6 % der städtischen Bevölkerung der 28 EU-Mitgliedstaaten PM2,5 (Partikel mit einem Durchmesser von maximal 2,5 Mikrometern) ausgesetzt, während dieser Anteil im Jahr zuvor noch bei 7 % lag. Bei rund 74 % der städtischen Bevölkerung wurden jedoch die strengeren Leitlinien der WHO überschritten. 2015 waren Expositionen gegenüber PM2,5-Konzentrationen Ursache für den vorzeitigen Tod von schätzungsweise 422 000 Menschen in 41 europäischen Ländern.

Bodennahes Ozon: 2016 waren rund 12 % der städtischen Bevölkerung der 28 EU-Mitgliedstaaten O3-Konzentrationen ausgesetzt, die den Zielwert der EU überschritten. Das entspricht einem deutlichen Rückgang im Vergleich zu 2015 (30 %). Allerdings liegt der Prozentsatz immer noch über dem 2014 gemessenen Wert von 7 %. In rund 98 % der Fälle überstiegen diese Expositionswerte die strengeren Leitlinien der WHO. Im Jahr 2015 waren Expositionen gegenüber Ozon Ursache für den vorzeitigen Tod von schätzungsweise 17 700 Menschen in 41 europäischen Ländern.

Air quality in Europe — Der EEA Report No 12/2018 als PDF

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