Wird es heiß hier oder sind wir das?! 2018 wärmstes Jahr „ever“ in Österreich

Wiener Skyline
Der Himmel über der Wiener Skyline wird heiß. Foto: R.Manoutschehri

Der Klimawandel betrifft Österreich und die Alpenregion stärker, als so manche ferne Länder. Die ZAMG zeichnet 2018 als das heißeste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen aus.

Von Robert Manoutschehri

Da geht selbst den letzten Klimawandel-Leugnern die heiße Luft aus – nach einem Jahr voller bisher kaum erlebter Wetterextreme in aller Welt stellt sich nun heraus: Der Klimawandel betrifft Österreich und die Alpenregion stärker, als so manche ferne Länder. Die Messdaten von rund 270 Wetterstationen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) belegen das heißeste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Und: Trotz teilweise fatalen Niederschlagsmengen sind auch Trockenheits-Rekorde zu beklagen.

Infografik ZAMG
bweichung der Temperatur seit 1768 im Vergleich zum Klimamittel des 20. Jahrhunderts, basierend auf HISTALP-Daten. Die gemittelte Linie (schwarz) zeigt das in den letzten Jahren sehr hohe Temperaturniveau. Grün markiert ist der Unsicherheitsbereich für 2018. Quelle ZAMG.

Im noch laufenden Jahr bestätigt sich der globale Trend zu einem immer wärmeren Klima auch – und vor allem – in Österreich: In der vorläufigen Klimabilanz der ZAMG liegt 2018 um 1,8 °C über dem vieljährigen Durchschnitt und ist das wärmste Jahr in der 252-jährigen Messgeschichte Österreichs. Und es ist kein Einzefall oder Ausreißer: Von den 20 wärmsten Jahren seit 1767 liegen 14 in diesem Jahrhundert. Auch ein Ende dieser steil nach oben führenden Temperaturkurve ist nicht absehbar.

„Sechs Monate waren unter den Top 10 der jeweiligen Messreihe“, sagt ZAMG-Klimaexperte Alexander Orlik. „Wir erlebten heuer den drittwärmsten Jänner der Messgeschichte, den zweitwärmsten April, den viertwärmsten Mai, den sechstwärmsten Juni, den fünftwärmsten August und den neuntwärmsten Oktober.“

Im Flächenmittel der österreichischen Tieflandwetterstationen ist das Jahr 2018 um 1,8 °C wärmer als das Mittel 1981-2010. Bezogen auf das Mittel des zwanzigsten Jahrhunderts beträgt die Anomalie +2,6 °C. Das bisher wärmste Jahr 2014 wurde damit um 0,1 °C übertroffen. Selbst im hochalpinen Gelände, oberhalb von etwa 1500 m Seehöhe, war es um 1,3 °C wärmer als das klimatologische Mittel, womit 2018 zu den vier wärmsten Jahren der hochalpinen Messgeschichte zählt.

Die Regionen mit den höchsten Abweichungen zum klimatologischen Mittel sind Vorarlberg, Teile Nordtirols, das nördliche Salzburg, Oberösterreich, weite Teile Niederösterreichs und Wien. Hier war es in den Niederungen und im Tiefland um 1,8 bis 2,3 °C wärmer als im vieljährigen Mittel. Südlich des Alpenhauptkammes lagen die Jahrestemperaturen im Tiefland weitgehend 1,3 bis 1,8 °C über dem Mittel. Die höchste Lufttemperatur von 37.3 °C wurde in Enns gemessen, in Wien waren es 36.3 °C, wobei die Bundeshauptstadt auch das höchste Jahresmittel von 13,5 °C erreichte.

Temperatur Karte ZAMG
Temperatur Jahr 2018: Abweichung der Temperatur vom Mittel 1981-2010. Auswertung mit SPARTACUS-Daten bis inkl. 19.12.2018. Quelle ZAMG.

Die seit April fast durchwegs überdurchschnittlichen Temperaturen haben heuer auch extrem viele Sommertage gebracht (definiert mit mindestens 25 °C). Die Zahl der Sommertage war größtenteils doppelt so hoch wie in einem durchschnittlichen Jahr, in den meisten Regionen gab es sogar neue Rekorde. An der Spitze aller ZAMG-Messstationen lag Andau im Seewinkel (B) mit 127 Sommertagen. 2018 ist eines der acht sonnigsten Jahren – seit Beginn der Sonnentag-Messungen im Jahr 1925 – der sonnigste Ort war Andau im Seewinkel (B) mit bisher 2283 Stunden Sonnenschein.

Im österreichischen Flächenmittel lag die Sonnenscheindauer um 11 Prozent über dem vieljährigen Mittel. In Vorarlberg, Oberösterreich sowie in Teilen des Wald- und Mostviertels schien die Sonne um 15 bis 25 Prozent häufiger als in einem normalen Jahr. In Feldkirch (V) schien die Sonne im Jahr 2018 insgesamt rund 2260 Stunden. Das ist nach dem Jahr 2003 mit 2274 Stunden der zweithöchste Wert, der hier seit 1936 gemessen wurde. In Nordtirol, großen Teilen Salzburgs, in Teilen der Steiermark, im restlichen Niederösterreich sowie im Burgenland schien die Sonne um 5 bis 15 Prozent länger als im klimatologischen Mittel.

Markant war 2018 auch die Trockenheit in vielen Regionen Österreichs – und das obwohl in einigen Regionen auch sehr viel Regen in sehr kurzer Zeit fiel, zum Teil mit Überschwemmungen und Muren. Vor allem in Vorarlberg, in den nördlichen Regionen Salzburgs, in Oberösterreich und im Großteil von Niederösterreich gab es 2018 um 20 bis 40 Prozent weniger Niederschlag als in einem durchschnittlichen Jahr. „In einigen Regionen sind sogar neue Trockenheitsrekorde zu erwarten, in Linz zum Beispiel zeichnet sich mit einer Niederschlagsmenge von etwa 520 Millimeter das trockenste Jahr seit Aufzeichnungsbeginn im Jahr 1852 ab. Das bedeutet hier rund 40 Prozent weniger Niederschlag als in einem durchschnittlichen Jahr“, erklärt Orlik im Jahresrückblick der ZAMG.

Conclusio:

Die Notwendigkeit, dem fortschreitenden Klimawandel mit allem zu begegnen, was uns zur Verfügung steht, wird nun langsam wohl auch den letzten Bremsern deutlich vor Augen geführt. Sowohl wir Normalbürger, als auch die Wirtschaft und die Politik sind gefordert, diesem wohl größten Problem unserer heutigen Zivilisation endlich die nötige Aufmerksamkeit zu widmen und den Empfehlungen der Wissenschaft zur raschestmöglichen Dekarbonisierung sowie der Abkehr von ewigen Wachstumsphantasien zugunsten einer nachhaltig ökologischen Wirtschafts- und Lebensweise Folge zu leisten. Zumindest das möglichst frühzeitige Erreichen der Klimaziele von Paris wird (über-) lebensnotwendig.

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