Kickl kauft Killer-Munition

"Mannstoppende" Deformationsgeschoße
"Mannstoppende" Deformationsgeschoße, Foto: R. Manoutschehri

Mit der FPÖ haben nicht nur Sicherheitsfanatiker sondern offensichtlich auch militante Waffennarren Einzug in die Regierung gefunden: Innenminister Herbert Kickl will die Polizei mit einer modernen Variante von Dum-Dum-Geschoßen schießen lassen.

Von R. Manoutschehri

Österreich ist zwar eines der sichersten Länder weltweit, doch Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) rüstet die Polizei auch grundlos immer weiter auf. Laut Medienberichten sollen die Dienstwaffen Glock 17 und Steyr MP 88 ab kommendem Jahr mit Mann-stoppender Munition, so genannten Deformationsgeschoßen beladen werden. Im Volksmund sind diese als Dum-Dum-Patronen bekannt, deren ursprüngliche Form so schwere Verletzungen verursachte, dass sie nach Haager Landkriegsordnung international geächtet wurden.

Begründet wird die mit vorläufig rund 800.000 Euro veranschlagte Anschaffung der rund doppelt so teueren Einsatzmunition damit, weil sie den „höchsten Anforderungen beispielsweise im Falle von Terrorlagen“ gerecht werde und auf die „gestiegene Gewaltbereitschaft gegenüber Polizisten“ reagiert werden müsse. Auch die Folgen für eine von Deformationsmunition getroffene Person würden im Regelfall weniger schwer wiegen, hieß es aus dem Ministerium. Diese Munition solle nur dafür sorgen, dass der oder die Getroffene handlungsunfähig wird …

Diese Aussagen dürfen allerdings eher als „alternative Fakten“ angezweifelt werden, denn verschwiegen wird, dass bereits die Schockwirkung bei einem Treffer mit solcher Munition zum Tode führen kann, jedenfalls aber entstehen durch die Verformung des Projektils beim Aufprall, im Fachjargon Aufpilzung genannt, deutlich schwerere Verletzungen, als bei herkömmlichen Vollmantel-Geschoßen.

Patronen, die größtmöglichen Schaden anrichten sollen?

So genannte Teilmantelprojektile gibt es schon seit dem 19. Jahrhundert und die Bezeichnung Dum-Dum-Geschoß leitet sich von der gleichnamigen Munitionsfabrik im indischen Kalkutta ab, die solche Gewehrpatronen für die britischen Kolonialtruppen herstellte. Während anfänglich nur die Patronen-Spitze x-förmig angefeilt wurde, um das Geschoß beim Auftreffen zum Zersplittern zu bringen, wurden bald Projektile mit freiliegendem Bleikern an der Spitze gefertigt, dessen weicheres Material sich beim Aufschlag und Durchdringen des Ziels verformte. Je nach Geschwindigkeit und Konstruktion des Geschoßes wird die Spitze dabei pilzförmig aufgebogen oder zerlegt sich gänzlich in Einzelteile, was so verheerende innere Verletzungen verursachte, dass sie nach dem Kriegswaffengesetz verboten wurden.

Dennoch wurden Deformationsgeschoße weiterverwendet und -entwickelt. Moderne Hohlspitz-Patronen etwa versuchen einen Kompromiss zwischen Penetrations- und Mannstoppwirkung zu erreichen. Sie haben einen mittig im Geschoss liegenden Hohlkörper, der beim Abschuss in die Patrone gedrückt wird, um den oberen Rand des Mantels freizulegen, der sich dann beim Auftreffen aufpilzt, ohne die Patrone gänzlich zu zerreißen. Im Unterschied zur Vollmantel-Rundkopfmunition, die eine hohe Durchschlagskraft besitzt und mühelos den Körper eines Getroffenen durchdringt, geben diese Deformationsgeschoße den Großteil ihrer Energie an das Ziel ab, was zumeist einen Steckschuss, jedenfalls aber eine spürbar heftigere und Gewebe-zerstörendere Schockwirkung zur Folge hat.

Dum-Dum? Nur dumm!

Dass solch „gefährliche“ Munition allerdings gerade in einem Land wie Österreich eingesetzt werden soll, wo es weder Kriege noch Terroranschläge gibt und sogar die Kriminalitätsrate seit Jahren immer weiter sinkt, ist ebensowenig nachvollziehbar, wie die dadurch entstehenden Mehrausgaben einer logischen Begründung entbehren. Doch mit der FPÖ haben nicht nur Sicherheitsfanatiker sondern offensichtlich auch militante Waffennarren Einzug in die Regierung gefunden. Als verantwortungsvoller Polizeibeamter wird man es sich jedenfalls künftig wohl zweimal überlegen, bevor man mit „Killer-Munition“ schießt – hoffentlich.

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