Das Coronavirus wird zur Pandemie: Wie gefährlich ist es wirklich?

Nachdem die für den 13. und 14. März geplante und von Unsere Zeitung veranstaltete Rosa Luxemburg Konferenz ein Opfer des Coronavirus geworden ist, eine Analyse und ein Update zur momentanen Situation der Pandemie von Gregor Flock

Die Todesrate: Von anfänglich über 50% auf rund 5%

Als man vor rund eineinhalb Monaten einen Blick auf eine von der Johns Hopkins Universität bereitgestellte und täglich mit den offiziellen Zahlen upgedatete Karte* warf, bot sich einem noch ein äußerst bedrohliches Szenario. Die Anzahl der in China vom Virus SARS-CoV-2 befallenen und an COVID-19 („corona virus disease 2019“) verstorbenen Patienten war damals nämlich noch höher als die der Genesenen (beide Zahlen waren damals noch im dreistelligen Bereich). Gemäß dem Umstand, dass man an dieser virusbedingten Atemwegserkrankung nur entweder versterben oder geheilt aus ihr hervorgehen kann und der dadurch bedingten Todesratenberechnungsmethode „Verstorbene / (Verstorbene + Genesene)“, ergaben diese Zahlen eine langfristige Todesrate von über 0.5 bzw. von über 50%.

* Laut dieser Quelle sollen Hacker die oben verlinkte und auch von mir immer wieder verwendete Karte nutzen, um sich Zugang zu persönlichen Daten zu verschaffen. Die Benutzung des Links erfolgt damit auf eigene Gefahr.

Die offizielle Zahl der Genesenen erhöhte sich im Vergleich zu der der Verstorbenen jedoch immer mehr, sodass die Todesrate nach und nach auf unter 33%, unter 20% und dann auch deutlich auf unter 10% gesunken ist. Am 10. März stehen wir laut offiziellen Zahlen weltweit bei 4.087 Toten, 64.385 Genesenen und damit bei einer langfristigen Todesrate von (4087 / (4087 + 64385))*100, d.h. bei 5.97%. Zu bedenken ist dabei natürlich auch, dass die Todesrate für ältere und kränkere Menschen höher und für jüngere und gesündere Erwachsene niedriger ist. Die jedenfalls aus nicht-misanthropischer Sicht gute Nachricht also ist, dass die Menschheit zumindest wegen SARS-CoV-2 bzw. COVID-19 nicht aussterben wird und auch, dass die Genesungswahrscheinlichkeit für Betroffene statistisch gesehen äußerst hoch ist.

Es gäbe auch eine zweite grundlegende Todesratenberechnungsmethode entsprechend „Verstorbene / (Verstorbene + Genesene + sich noch im Krankheitsverlauf befindliche)“ bzw. „Verstorbene / Infizierte.“ Unter COVID-19 erkrankt waren am 10.3. laut obiger Quelle 116119 Menschen. Die daraus resultierende Todesrate wäre (4087 / 116119)*100 oder 3.52% (siehe auch die „global CFR (case fatality rate)“ von 3.5% hier).

Diese Berechnungsmethode erscheint jedoch als falsch, da in ihr zwei unterschiedliche Zeithorizonte – noch verlaufende Erkrankungen und bereits verlaufene Erkrankungen – miteinander unpassenderweise vermischt werden und dies zu einer aus meiner Sicht zu niedrigen Fehlberechnung der langfristigen Todesrate von COVID-19 führt. Man könnte auch sagen, dass die Zahl der sich noch im Krankheitsverlauf befindlichen irgendwann unweigerlich gegen null geht da man nicht ewig krank ist und diese Kategorie somit irgendwann unweigerlich teilweise der Kategorie der Verstorbenen und teilweise der Kategorie der Genesenen hinzugerechnet werden muss. Letzten Endes bleiben also nur diese beiden Kategorien übrig, und das spricht aus meiner Sicht sehr für die erste und gegen die zweite grundsätzliche Berechnungsmethode. Vorläufig können wir jedoch vielleicht beide Berechnungsmethoden auch als kleines mathematisches, philosophisches oder wissenschaftstheoretisches Problem nebeneinander stehen lassen und von einer bisherigen quasi-offiziellen COVID-19 Todesrate von derzeit rund 5% ausgehen.

Als so oder so falsch und fahrlässig verharmlosend erscheinen dagegen die immer wieder auftauchenden Todesraten von angeblich nur 1-2%. Hinzu kommen auch die Faktoren der zumeist höheren Dunkelziffern und auch der Umstand, dass jedes Land bemüht sein wird, den Anschein zu erwecken, dass alles gut unter Kontrolle sei, um wirtschaftlichen Schaden, Schaden im Ansehen oder eine unangebrachte Panik in der Bevölkerung abzuwenden. Auch deshalb halte ich es für angebracht, die Todesrate für etwas höher als allgemein üblich anzusetzen.

Die Verdoppelungsrate der Erkrankungen: Teilweise alle 2 Tage

COVID-19 hat sich von einer Epidemie zu einer per Definition auf mehreren Kontinenten verbreiteten Pandemie entwickelt, die sich, von Ausnahmen wie China und anderen asiatischen Ländern abgesehen in denen erfolgreiche Gegenmaßnahmen ergriffen worden sind, weiterhin exponentiell ausbreitet. Ein der Beschreibung dieser Art von Ausbreitung dienlicher Messwert ist die sogenannte „Verdoppelungsrate“ im Rahmen derer ermittelt wird, in wie vielen Tagen sich die Anzahl der Krankheitsfälle verdoppelt. Ein allgemeiner Wert für Epidemien, auf den ich im Zuge meiner Recherchen mehrfach gestoßen bin, ist eine Verdoppelungsrate von sechs Tagen. Wie aus dieser auch von anderen verwendeten Quelle hervorgeht, hat COVID-19** in Ländern wie den Niederlanden, Frankreich, Deutschland und auch Österreich laut vorliegenden Zahlen und im Berechnungszeitraum vom 1. bis 9. März 2020 jedoch eine Verdoppelungsrate von nur rund zwei Tagen.

**: Es gibt eine Diskrepanz zwischen dieser und der ersten Quelle, da die Zahlen annähernd gleich sind, sich die erste Quelle jedoch zumindest laut Überschrift auf COVID-19 Fälle bezieht, die zweite Quelle dagegen auf SARS-CoV-2 Fälle. Die für Österreich und den 10.3. eingegebenen Angaben von 182 COVID-19 Fällen bei angeblich nur 131 SARS-CoV-2 Fällen sind sogar klar widersprüchlich. Ich vermute, dass die Fehler bei der zweiten Quelle liegen, dass die Zahlen bis 9. März jedoch weitestgehend richtig sind. Es wird im Allgemeinen auch noch nicht ausreichend zwischen dem Virus SARS-CoV-2 und der dadurch Verursachten Erkrankung COVID-19 unterschieden.

China, Japan, Südkorea, Singapur, Hongkong, Thailand oder Taiwan sind dagegen (mittlerweile) weit von einem exponentiellen Anstieg der Erkrankungen entfernt. Das hat einerseits damit zu tun, dass die ersten diagnostizierten COVID-19 Erkrankungen in diesen Gegenden schon deutlich länger zurückliegen als in Österreich, und man dort dementsprechend schon mehr Zeit damit verbracht hat, COVID-19 effektiv zu bekämpfen (zu Beginn waren die Anstiegsraten in China auch exponentiell). Andererseits hat ein direkt an China grenzendes Hongkong mit einer fast gleich hohen Bevölkerung wie Österreich am 9. März zumindest offiziell noch immer nur 114 COVID-19 Erkrankungen die auch kaum mehr ansteigen. Österreich dagegen hat, obwohl der erste Fall am 26. Februar und damit rund einen Monat später(!) als in Hongkong (23. Jänner) diagnostiziert worden ist, mit 112 Erkrankungen jetzt schon gleich viele wie Hongkong zu verzeichnen. Auf Grund der bisherigeren Verdoppelung alle zwei Tage werden die Krankheitsfälle im Vergleich zu Hongkong auch gewaltig in die Höhe schnellen – und da muss man sich dann schon fragen, was im verschlafenen Österreich vor den strengeren und adäquateren Maßnahmen am 10. März eigentlich schon wieder einmal alles falsch gelaufen ist (laut der ersten Quelle und Stand 10. März stehen wir momentan bei 118 Hongkong zu 182 Österreich, Tendenz exponentiell steigend).

USA und UK zeigen vor, wie es nicht geht

Am unfähigsten ist man jedoch wieder einmal in den beiden vom Neoliberalismus am meisten heimgesuchten westlichen Ländern USA und Großbritannien. In den USA wurde ironischerweise Vizepräsident Mike Pence, auf dessen Konto bereits ein HIV-Ausbruch geht, damit beauftragt, gegen das Coronavirus Maßnahmen zu ergreifen. Vermutlich muss ihm jedoch erst einmal jemand erklären, dass Beten keine geeignete Maßnahme gegen das Coronavirus ist. Die US-Gesundheitsbehörde CDC hat als ‚Präventivmaßnahme‘ auch einfach einmal Daten von ihrer Website gelöscht, die vielleicht eine weniger beruhigende Geschichte erzählt hätten:

Den Vogel schießt jedoch Boris Johnson ab, der meint, dass man das Coronavirus einfach so durch die Bevölkerung durchlaufen lassen könnte („allow the disease […] to move through the population“). Bei einer Gesamtbevölkerung von rund 68 Millionen und einer Todesrate von rund 5% ergäbe das (sofern jede Person von COVID-19 befallen wird) 3.4 Millionen Tote im Vereinigten Königreich.

 

Konklusion

Es gibt in Westen eine Reihe von suboptimal vorbereiteten bis schlichtwegs durchgeknallte Regierungen oder besser Regimen, die die Auswirkungen des Coronavirus entweder unterschätzen oder es vielleicht sogar bewusst als Mittel im Klassenkampf gegen die 99% einsetzen. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass das Gesundheitssystem in China insbesondere vom exponentiellen Anstieg der COVID-19 Erkrankungen massiv überfordert war und das Gesundheitssystem in Italien davon jetzt massiv überfordert ist und Menschen deswegen sterben. Dasselbe kann auch hier passieren. In diesem Sinne halte ich es für angebracht, die bereits bekannten Präventivmaßnahmen wie verbesserte Hygiene oder mehr Selbstisolation zu ergreifen, und sich auch Nahrungsmittelvorräte und dergleichen zuzulegen – allerdings ohne dabei in unangebrachte Panikreaktionen zu verfallen.

Zum Abschluss sei noch diese großartige und erst nach Fertigstellung dieses Artikels entdeckte Analyse von Doktor Franz Wiesbauer erwähnt, die man sich keinesfalls entgehen lassen sollte:

Gregor Flock ist unabhängiger systematischer Philosoph (univie.academia.edu/GregorFlock), Zivilgesellschaftler (Global Civil Society Network), politischer Analyst (medium.com/@GregorFlock). Twittert unter @GFlock_GCSN.


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Ein Gedanke zu „Das Coronavirus wird zur Pandemie: Wie gefährlich ist es wirklich?

  • 12. März 2020 um 9:59
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    Der böse Virus und die guten Artus Runde von Merkel bis Spahn
    Tagtäglich müssen neue Maßnahmen getroffen werden,
    aber was ist mit den bereits vorhandenen Bedrohungen,
    – den etwa 25000 jährlichen Grippetoten
    – den jährlich anfallenden 80000 Thrombosetoten?
    – Das wird öffentlich bereits bemerkt
    – [ ] 20000 Tote, so die Ministerien haben die erhöhten Dieselemissionen verursacht
    – [ ] Viel Krebs und damit Tod verursachen Atomkraftwerke, auch Pestizide wie Glyphosat.
    – [ ] Die Liste könnte man fast endlos verlängern.

    Was ist der Unterschied zum bösen Corona Virus? Es sind deren zwei:

    Es ist zum einen die Frage, in welchem Verhältnis stehen die Toten zum Geschäft. VW einzuschränken würde ggf deren Profit schmälern. So gesehen sind Tote zwar nicht gewünscht, aber ein Kollateralschaden für die Priorität Gewinn.

    Die Toten des ersten und zweiten Weltkrieges, des Weltmeisters Deutschland in Sachen Kriegführung, sind nun einmal die Begleitmusik des Kriegshandwerkes, das als unabdingbar gelegentlich gesetzt ist

    Der Coronavurus kann nun aber keinen außer ihm liegenden Zweck aufweisen und bestellt wurde er auch nicht. Das ist mehr als ärgerlich – entzieht sich einer politischen oder wirtschaftlichen Kalkulation, zu der er ins Verhältnis gesetzt werden könnte.

    Nun kommt zweitens verschärfend hinzu:
    Während man die Grippetoten und andere als Sockel mit einkalkuliert hat, die halt so hoch sind, wie sie sind, weiß man bei den bisher noch im Verhältnis dazu noch lächerlich geringen Corona Toten nicht, ob die sich nicht exponentiell nach oben bewegen und ungefragt und nicht mitbedacht und schon hat nicht bestellt fürchterliche Einschläge in die eigene Kalkulationsmasse Volk verursachen. Sozusagen als Eigenleben, als Konkurrenz Veranstaltung namens Corona des Volksfeindes Corona

    All dies verkauft ein Gesundheitsminister wie Spahn als treusorgend Pflege der ihm Untergebenen Schäfchen

    Rosa-Luxemburg-Konferenz Mitte März in Wien abgesagt:

    Menschenansammlungen von spätestens 1000 Menschen und diverse Anhäufungen von Menschen anderer Art sind zu vermeiden, wenn nicht gar verboten.

    Wie sieht es denn da so mit der Bundeswehr aus.
    Wir wollen das jetzt nicht kleinlich vertiefen, oder doch?

    Jetzt aber läuft das größte Militärmanöver namens Defender 2020 an, welches bis Mai dauern wird. Darin sind 37 000 Soldaten involviert, aus den USA 20 O00.

    Mir ist nicht bekannt, dass ihre rührende Fürsorge dieses miteinschließt und dieses Manöver zwingend abgesagt wird.

    Merkwürdig oder vielleicht auch nicht!?

    Wenn der Staat militärisch agiert/kalkuliert, wird es leichenträchtig – auswärts und bei der eigenen Bevölkerung.

    So gesehen sie auch noch den Corona Virus, wann man nicht zum Bundesligaspiel oder in den Kindergarten gehen darf und wann es erste Bürgerpflicht ist, die Rübe hinzuhalten

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