Coronavirus: Es bahnt sich ein Kontrollverlust an (Teil 2)

Da viele – auch westliche – Regierungen zu spät, zu schwach und/oder zu falsch reagieren, gerät die Lage weltweit zunehmend außer Kontrolle. Der Versuch einer vor allem länderbezogenen Übersicht – in Teil 2 Allgemeines und zu Österreich.

Von Gregor Flock

Allgemeines und Diverses

  • Die Zahl der Toten steigt in vielen westlichen Ländern drastischer an als zu Beginn in China, was auf schlechteres Krisenmanagement hinweist (für ähnliche Daten, siehe auch hier):

 

  • In manchen Ländern verdoppeln sich die diagnostizierten Fälle sogar jeden Tag, was jedoch auch auf vermehrte Diagnosen zurückzuführen sein kann:

 

  • Das allerwichtigste ist, schnell und aggressiv gegen den Virus vorzugehen („the virus will always get you if you don’t move quickly“, „if you need to be right before you move, you will never win“, „speed trumps perfection“, „the greatest error is to be paralyzed by the fear of failure“):

 

  • Es gibt bereits jetzt Berichte über wiederholte Infektionen:

 

  • Die Anzahl der täglichen COVID-19 Toten (Stand 9. März) ist deutlich geringer als die vieler anderer Erkrankungen:
von https://twitter.com/OllYN_2/status/1239108310378446853, 18.3.2020

 

  • Reiche entfliegen dem Virus buchstäblich…

 

  • …während viele andere Menschen auf finanzielle Zuwendungen angewiesen sind, die in immer mehr Ländern zum Glück auch in mehr oder minder großem und sinnvollem Ausmaß stattfinden:

 

Österreich

Die Einschätzungen des österreichischen Bundesministeriums für Europäische und internationale Angelegenheiten decken sich sehr mit den von mir ermittelten Zahlen und Fakten. Die Niederlande zum Beispiel haben zur Zeit 58 Tote bei nur 2 Genesenen und sind mit (58/(58+2))*100 oder 96.67% momentan trauriger Spitzenreiter was die zweite Todesrate betrifft. Auch auf Grund der dort noch vorherrschenden katastrophalen politischen Fantasie, dass man das Virus weitestgehend gewähren lassen könne, ist die höchste Stufe 6 „Reisewarnung“ für die Niederlande äußerst angebracht (Kompliment an die Verantwortlichen).

https://www.bmeia.gv.at/reise-aufenthalt/reisewarnungen, 18. März 2020

 

Eine weitere relevante Zahl ist die der Intensivbetten über die sich das Gesundheitsministerium recht auskunftsscheu gibt (man fragt sich warum).

Von den 2.451 Intensivbetten werden grob geschätzt mindestens 50% belegt sein; nehmen wir großzügig an, es gibt 1.000 freie. In Österreich haben wir mit Stand 18. März 2020, 15 Uhr, jedoch bereits 1646 diagnostizierte Coronavirusfälle (bei 11.997 Testungen), Tendenz weiterhin exponentiell steigend. Ein gewisser Prozentsatz davon muss auf die Intensivstation.

Bei Vergleichszahlen aus Italien von 35.713 Fällen und 2.257 in der Intensivstation ergibt sich eine Prozentzahl von 6.32%, die jedoch zu niedrig sein dürfte, da wir bereits wissen, dass Italien nicht mehr die Kapazitäten hat, um alle Patienten entsprechend zu betreuen. Franz Wiesbauer sprach jedoch ebenfalls von 5%. Bleiben wir also bei den rund 6%. 1646 * 0.06 ergibt bereits 98.76 oder rund 100 Betten. Steigt die Anzahl der Infizierten also aufs Zehnfache an, was bei Verdoppelungsintervallen alle drei Tage schnell der Fall wäre, dann bräuchte es nur mehr rund 10 Tage bzw. bis 28. März, bis wir in Österreich auf 16460 Infektionen kommen, und die Intensivbetten – sofern es denn überhaupt 1000 freie gibt (ich vermute nicht) – komplett ausgelastet wären. Einige zuerst aufgenommen Coronaviruspatienten werden die Intensivbetten dann zwar nicht mehr benötigen, und die Kurve der Infektionen wird auf Grund der getroffenen Gegenmaßnahmen dann auch schon flacher sein. Ich würde aber dennoch meinen, dass Anfang April mit einer Überlastung des österreichischen Gesundheitssystems durch SARS-CoV-2 und COVID19 zu rechnen ist. Eine massive Belastung haben wir jedoch wohl schon jetzt, und sie wird von Tag zu Tag schlimmer.

Es gab dann leider auch das ein oder andere kleinere Hoppala, das die derzeitige Situation nicht besser macht, wie zum Beispiel die Abschaffung der Stelle für Gesundheitskoordination durch türkis/blau:

Vermeidbare Ausfälle von Pflegepersonal, die uns teuer zu stehen kommen könnten, sind auch zu verzeichnen:

Erschwert wird die Lage dann auch noch durch massive Belastungen am Arbeitsmarkt. Berichten zufolge sind in Österreich innerhalb von nur 2 Tagen bereits 49.000 Menschen arbeitslos geworden. Auch das unterstreicht die hohe Notwendigkeit von Gegenmaßnahmen wie einem in meinem letzten Artikel geforderten bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) das, als Implementierung von Menschenrechten gedacht, alle Menschen weltweit erhalten sollten. [Fortsetzung in Teil 3]

Gregor Flock ist unabhängiger systematischer Philosoph (univie.academia.edu/GregorFlock), Zivilgesellschaftler (Global Civil Society Network), politischer Analyst (medium.com/@GregorFlock). Twittert unter @GFlock_GCSN.

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