Mein alltäglicher Facebook Facepalm

Der tägliche Blick in Social Media offenbart den Aufbruch in ein postfaktisches Zeitalter‬ – höchste Zeit, dass sich die Vernunft wieder durchzusetzen beginnt.

Kommentar von R. Manoutschehri

‪Immer wieder erstaunt es mich aufs Neue, wieviele Menschen sich freiwillig auf den (heute digitalen) Dorfplatz stellen und aus Leibeskräften in die Menge brüllen: „Ich bin der Dorfdepp, könnt ihr es eh alle hören?! Iiiich bin es !!!“ ‬Und sich dabei sogar noch bestärkt fühlen, weil sie von anderen Dorfdeppen auch noch Likes dafür bekommen…

Eigentlich dachte ich, das wäre im „informationszeitalter“ nicht mehr möglich, dennoch zeichnet sich beim Durchlesen von Social Media eine frappante Zunahme an völlig realitätsfernen und zutiefst verbildeten Opfern verschiedenster Verschwörungstheorien ab.

„Das ist ja nur 1 Studie – und es gibt ja 100 Andere“
Sagt, wer noch nie auch nur 1 wissenschaftliche Studie gelesen hat

Das vordringlichste Problem scheint dabei gar nicht fehlende Bildung zu sein, sondern eine Meinungsradikalisierung, die sich in fehlendem Willen, dazulernen zu wollen äußert, und im Verlust von logischer Differenzierung zwischen richtigen und falschen Argumenten oder Fakten.

Ein konstruktiver Meinungsaustausch oder wirkliche Diskussionen mit dem Ziel einer Konsensfindung oder zumindest eines Erkenntnisgewinns finden dadurch immer seltener statt und werden zunehmend von destruktiven „Wir sind mehr“ oder „ich bin stärker“ Vertretern einer Art von „Glaubensgemeinschaft“ abgelöst.

Intellektueller Rückfall statt Fortschritt

Wir erleben gerade ein ‪“Vorwärts, zurück ins Mittelalter“, bzw. den Anbruch eines postfaktischen Zeitalters. Es scheint, als ginge der Trend zurück zu den mistgabelschwingenden Wissenschaftsfeinden, Hexenverbrennern und Propheten mystischer Glaubenswelten.

Und all das „verdanken“ wir dem permanenten demagogischen Missbrauch exakt jenes Mediums, welches uns eigentlich die Möglichkeit gäbe, sich des gesammelten Menschheitswissens zu bedienen.‬

Der „Alko-Rhythmus“ von FB und Co sorgt auch noch dafür, dass jeder, der „Schwurbeleien“ einmal liked, künftig immer mehr Pseudo-und Falschinformationen eingeblendet bekommt. So entstehen „Meinungsblasen“, die sich immer weiter von der Realität entfernen.

In wessen Plan auch immer es stand, Europa zu destabilisieren – er ist gelungen. Und zwar nicht etwa durch Wirtschaftskriege oder Flüchtlingsströme, sondern auf viel subtilerem Niveau:

Solange und so massiv Desinformationen und Zweifel an Bewährtem streuen, bis kaum mehr jemand wirklich weiß, was richtig oder falsch ist, was manipulierte Propaganda oder was reale Ereignisse sind.

Wer nicht mehr durchblickt, wünscht sich „starken Mann“

Dieser massenmediale Angriff auf Intelligenz und Bildung bishin zu den Wissenschaften gehört zu den größten Bedrohungen unserer Zivilisation.

Denn wer nicht mehr „durchblickt“, verliert das Interesse an Mitsprache und Mitgestaltung der (Um-) Welt, versinkt letztlich in politischer Apathie und immer größerer Abstumpfung gegenüber Politik und Weltgeschehen. Zu Menschen, denen es zunehmend egal ist, ob anderswo jemand hungert oder stirbt. Und sogar zu Mehrheiten, die sich wieder einen „starken Mann“ an der Spitze wünschen, der all die schwierigen Probleme für sie lösen wird …

Es wäre allerhöchste Zeit, dass sich die Vernunft – auch im Web – wieder durchzusetzen beginnt…

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