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Warum sich viele doch noch impfen lassen

Inzwischen könnten in Österreich alle, für die die Impfung gegen Covid-19 zugelassen und empfohlen ist, geimpft sein. Doch viele zögern oder lehnen die Impfung ab. Wer sind die Menschen, die sich nun für eine Impfung entscheiden, was hat sie bislang abgehalten und was dazu bewogen, sich nun doch impfen zu lassen?

Von Lisa Wohlgenannt (MOMENT)

Vor dem Austria Center Wien ist es ruhig. Der große Ansturm auf die Impfungen gegen Covid-19 ist vorbei. Für die Spätentschlossenen stehen niederschwelligere Angebote bereit. So wie der Impfbus. Am Franz-Jonas-Platz tummeln sich viele Menschen rund um das Gefährt der Wiener Linien mit dem lilafarbenen Aufdruck. Einer davon ist Marco (Name von der Redaktion geändert). Er steht mit Freunden in der Schlange und will sich mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson immunisieren lassen.

Doch noch impfen: Der gesellschaftliche Druck steigt

Überzeugt von der Impfung ist er allerdings nicht. Er fühlt sich durch den gesellschaftlichen Druck dazu gedrängt, erklärt er. Das Testen werde zu anstrengend und er in seiner Freiheit eingeschränkt. Angst vor einer Infektion habe er hingegen nicht und sieht deshalb die Impfung nicht als notwendig an. Mit dieser Ansicht ist er nicht alleine. Seine Freunde sehen es im Gespräch mit MOMENT ähnlich.

Sorgen vor Nebenwirkungen und Langzeitfolgen bei der Impfung

Auch Stefanie hat sich für die Impfung entschieden. Die 34-Jährige wurde eben geimpft und wartet noch auf ihren 18-jährigen Sohn, der ebenfalls seine erste Impfung erhält. Ganz überzeugt ist sie nicht. “Ich habe noch zwei kleine Kinder”, erzählt sie “da muss ich fit bleiben.” Sie hat Angst vor möglichen Nebenwirkungen und Langzeitfolgen. “Man hat schon sehr viel Schlechtes gehört”, fügt sie hinzu. Eine Kombination aus gesellschaftlichem Druck und der Impfbereitschaft ihres Sohnes habe sie dazu bewogen, sich nun doch impfen zu lassen.

Mit diesen Sorgen ist sie nicht alleine. Laut des Austrian Corona Panel Project (ACPP), bei dem monatlich 1.500 Menschen zu Corona befragt werden, waren im Juni dieses Jahres noch 34 Prozent der Menschen wegen unvorhergesehener Nebenwirkungen besorgt. Jede:r Vierte antwortete mit “teils-teils”.

21 Prozent aller Befragten waren der Meinung, dass behördlich zugelassene Impfungen nicht sicher sind. Weitere 26 Prozent waren sich darüber unsicher. Das kann auch mit mangelnder Informationen zusammenhängen. Denn 24 Prozent der Menschen fühlten sich nicht gut über die Wirkweise der Impfstoffe informiert. 29 Prozent waren der Meinung, die Behörden informieren nicht hinreichend über die Wirkweise der Impfstoffe.

Das hält nach wie vor Menschen davon ab, sich gegen SARS-CoV-2 impfen zu lassen: Die Impfgeschwindigkeit sinkt drastisch und Österreich fällt im EU-Schnitt immer weiter zurück. 59,14 Prozent der Bevölkerung in Österreich sind aktuell vollständig geimpft. In der vergangenen Woche wurden pro Tag im Schnitt noch 6.192 Erstimpfungen verabreicht.

Was braucht es, dass jene Menschen, die noch zögern, sich doch noch impfen lassen?

Die Expert:innen des ACPP gehen der Frage nach, wie Menschen, die nach wie vor skeptisch und besorgt sind, erreicht werden können. Man müsse zielgruppengerecht mit relevanten Informationen zu Sicherheit, Wirkweise und Effektivität der verfügbaren Impfstoffe informieren. Allerdings vertrauten impfskeptische und zögerliche Menschen sowohl der Bundesregierung als auch den öffentlich-rechtlichen Medien nur wenig.

Deshalb sei es schwierig, sie mit entsprechenden Informationen zu erreichen. Am ehesten vertrauten sie noch dem Gesundheitswesen. Eine Möglichkeit könne sein, den Zugang zu Personen, die sich bisher nicht impfen lassen wollen, im Gesundheitsbereich zu suchen und das Gesundheitspersonal stärker einzubinden, schreiben die Autor:innen der Arbeit “Impfbereitschaft: Wer sind die Zögerlichen?”.

Information ist wichtig, damit sich Menschen doch noch impfen lassen.

Dass dies notwendig ist, zeigt das Gespräch mit Angelika. Die 25-Jährige war und ist nach wie vor verunsichert. Sie selbst sei schon einmal an Corona erkrankt und habe noch Wochen nach der Erkrankung mit Beschwerden wie Abgeschlagenheit zu kämpfen gehabt. Auch Personen in ihrem Umfeld hätten an der Infektion mit dem Virus gelitten.

Allerdings sei es ihrer Mutter nach der Impfung einige Tage sehr schlecht gegangen. Ebenso habe eine Freundin starke Nebenwirkungen gehabt. Deswegen zögerte sie lange mit der Entscheidung, sich impfen zu lassen. Doch nun hat sie sich entschieden: “Ich habe mich informiert und dazu entschlossen, mich impfen zu lassen. Ich glaube das Risiko einer weiteren Infektion ist höher als das der Impfung.”


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Ein Gedanke zu „Warum sich viele doch noch impfen lassen

  • Elfriede Schuh

    Ich war und bin noch immer Impfskeptikerin und habe mich nach einem sehr langen Gespräch mit meiner Hausärztin impfen lassen. Da ich mich immer mit mehreren Aspekten Pro, Kontra, Vielleicht und alle Grautöne auseinandersetze, fehlte mir doch der entscheidende Hinweis. Im sehr langen Gespräch mit der Ärztin schönte sie nichts. (Anmerkung: Es ist schon ein ewiglanges Manko, dass ihre Arbeitszeit, die Beratungskosten von den Kassen nicht bezahlt wird.) Im Mai hatte die Diskussion und erste Impfreaktionen einen Höhepunkt. Es war diese Ehrlichkeit die meine Entscheidung ermöglichte. Sie sagte, wir haben die Wahl zwischen einer schlechten und ganz schlechten Möglichkeit. Da wir es uns aussuchen können, nehmen wir die weniger schlechte. Es war ein Schlüsselsatz von einem Menschen den ich vertraute, daher habe ich mich, meine Familie auch Freunde sich impfen lassen. Keine*r hatte eine negative Impfreaktion. Auf Vertrauenspersonen zu setzten ist eine wesentlich bessere Strategie als unser Sozialsystem zu demontieren indem Arbeitslosengelder gekürzt werden.

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