„Boykottiert Katar 2022!“: Weil Menschenrechte unteilbar sind

In ihrem Buch „Boykottiert Katar 2022! Warum wir die FIFA stoppen müssen“ äußern Bernd M. Beyer und Dietrich Schulze-Marmeling scharfe Kritik an FIFA, Katar und der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer dort im kommenden Jahr. Mit vielen guten Argumenten, harten Fakten und einer klaren Position: Die WM in Katar ist nicht tragbar. – Sonntag ist Büchertag

Von Moritz Ettlinger

Auf den Tag genau heute in einem Jahr, am 21. November 2022 soll die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer in Katar eröffnet werden. Schon seit der Vergabe 2010 wird die Entscheidung des Fußball-Weltverbandes FIFA, die WM in das Emirat zu vergeben, von vielen Seiten massiv kritisiert; durch Berichte über Menschenrechtsverletzungen und Todesfälle auf den Baustellen in Katar wurde die Kritik in den vergangenen Jahren immer lauter.

Zu Recht: Über 6.500 Menschen sind einem Bericht des britischen Guardian zufolge bis Februar 2021 auf den WM-Baustellen ums Leben gekommen, die Arbeitsbedingungen vor allem für Gastarbeiter*innen sind weiterhin teils katastrophal, das repressive Regime im Wüstenstaat unterdrückt Menschen anderer Religionen, Homosexualität steht unter Strafe.

„Warum wir die FIFA stoppen müssen“

„Eine Diktatur, die lediglich für vier Wochen ein freundliches Gesicht zeigt, bleibt eine Diktatur und darf kein WM-Gastgeber*in sein.“ Zu diesem Schluss kommen Bernd M. Beyer und Dietrich Schulze-Marmeling in ihrem 2021 erschienen Buch „Boykottiert Katar 2022! Warum wir die FIFA stoppen müssen“.

Es ist keine aus der Luft gegriffene Behauptung: Auf insgesamt 160 Seiten begründen die Autor*innen ihre Forderung nach einem Boykott der WM 2022 sehr detailliert und mit vielen Hintergründen zum Land Katar, zur FIFA und allem, was rundherum dazugehört.

Sie erklären ausführlich, wie die Vergabe des Turniers in das Emirat zustande kam, welchen Männern wir das zu verdanken hätten und warum die FIFA dies nicht trotz, sondern wegen des antidemokratischen Regimes getan habe. Es werden nahezu alle relevanten Aspekte der politischen Situation in Katar aufgelistet, von Fragen der Demokratie über Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit, Frauen- und Arbeiter*innenrechte bis hin zum Verhältnis zu Israel und der Terrorfinanzierung Katars.

Das große Ganze

In zwei weiteren Kapitel widmen sich Schulze-Marmeling und Beyer den Verstrickungen des Wüstenstaats innerhalb des international Fußballs. Sponsoring-Verträge mit dem FC Barcelona oder dem FC Bayern München, die Übernahme des französischen Hauptstadtklubs Paris St. Germain, die engen Kontakte mit der FIFA und insbesondere mit dem jetzigen Präsidenten Gianni Infantino: Katar hat seine Fühler weit ausgestreckt, und die WM 2022 soll jetzt die Krönung eines beispiellosen Falls von „Sportswashing“ werden.

Einen großen Teil der Analyse nimmt auch der historische Rückblick auf bisherige Fußball-Weltmeisterschaften der Männer ein, mit lesenswerten Geschichten zu den Turnieren zwischen 1930 und 2018 und einem glasklaren Fazit: Fußball und insbesondere die Veranstaltungen der FIFA waren schon immer politisch, und die Rolle des Weltverbands war – und ist – dabei mehr als nur fragwürdig.

Dass es den Autor*innen nicht darum geht, ihre Forderung nach einem Boykott als einzig legitime Position darzustellen, zeigen sie am Ende des Buches, als sie dem renommierten Sportjournalisten und Autor Ronny Blaschke die Möglichkeit geben, „die andere Meinung“ zu vertreten und gegen einen Boykott zu argumentieren.

Ein radikales, fundiertes und wichtiges Handbuch

Gegen Ende unterbreiten Schulze-Marmeling und Beyer schließlich diverse Vorschläge, wie gegen die Katar-WM protestiert werden kann, von Klassikern wie Info-Flyer und Aufkleber verteilen über die Veranstaltung von lokalen Fußballturniere während des Turniers bis hin zu Mail- und Postkartenaktionen.

Der Band ist insgesamt eine Art Handbuch für all jene geworden, die ihre Kritik an der Fußball-WM der Männer im kommenden Jahr mit guten Argumenten und Fakten untermauern wollen. Die radikale Position der Autor*innen wird schon mit dem Titel „Boykottiert Katar 2022!“ deutlich, abschrecken lassen sollte man sich davon aber nicht.

Denn die geäußerte Kritik an Katar, der FIFA und allem rund um diese WM ist heute, ein Jahr vor Beginn des Turniers, wichtiger denn je – egal, ob man sich für oder gegen einen Boykott ausspricht. Weil Menschenrechte, wie auch am Ende des Buches geschrieben wird, vor allem eines sind: unteilbar.


Bernd M. Beyer/Dietrich Schulze-Marmeling – Boykottiert Katar 2022! Warum wir die FIFA stoppen müssen
Verlag Die Werkstatt – 2021, 160 Seiten
ISBN:  9783730705452

Titelbild: Unsere Zeitung/Moritz Ettlinger

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