Das A in LGBTQIA+: Die ausgegrenzte Sexualität
Es gibt eine Gruppe, die nicht nur in der allgemeinen Bevölkerung, sondern auch innerhalb der queeren Community nicht anerkannt wird: Asexualität. Nicht jede_r ist oder will sexuell aktiv sein.
Von Oliver Suchanek
In einer hypersexualisierten Gesellschaft asexuell zu sein, ist keine leichte leichte Sache. Unsere Gesellschaft legt einen großen Wert auf sexuelle Attraktivität. Ständig wird uns nahegelegt, danach zu streben. Man geht davon aus, dass jede_r regelmäßig Sex haben sollte oder haben möchte, und jede andere Option muss mit einer Begründung gerechtfertigt werden. So gut wie jedes Produkt wird mit Sex beworben – wen das nicht interessiert, fühlt sich schnell als Außenseiter. Ist es tatsächlich wichtig, attraktiv zu sein oder von Menschen geschätzt zu werden, die nur den eigenen sexuellen “Wert” berücksichtigen?
Die Problematik zeigt sich darin, wenn Menschen sagen, dass Sex die “ultimative” Form der Intimität oder gar die einzige ist. Intimität ist, dass man in der Lage ist, sich gegenüber mindestens einer Person verwundbar zu zeigen – nicht nur, indem Probleme und Interessen mit der Person geteilt werden können, sondern auch in der Lage sein zu können, die einfachen Intimitäten im Leben wirklich zu erleben und zu teilen. Ich frage mich, warum die Menschen dem Sex eine so große Bedeutung beimessen und warum sie so viel Zeit in ihn investieren. Wie schwierig muss es für eine asexuelle Person sein, in einer sehr übersexualisierten Gesellschaft zu leben und ständig mit der Idee konfrontiert zu sein, dass Attraktivität und sexuelle Verfügbarkeit mit die wichtigsten Werte sind?
Asexualität ist eine sexuelle Orientierung
Nicht selten wird Asexualität zusammen mit freiwilligem Zölibat in einer Box zusammengefasst, obwohl diese Begriffe keine Synonyme sind. Abgesehen davon, dass letzteres eine bewusste Entscheidung ist, geht es nicht um ein Verhalten, sondern darum, anzuerkennen, dass Asexualität eine tatsächliche Orientierung ist. Jemand, der asexuell ist, erfährt keine sexuelle Anziehung. Allerdings bedeutet das nicht, dass die Person Sex nicht mag, geschweige denn keinen Sex haben möchte. Es bedeutet schlichtweg, dass die betreffende Person sehr gering bis keine sexuelle Anziehung zu Menschen verspürt.
Oftmals wird Asexualität als eine Konsequenz einer (sexuellen) Missbrauchserfahrung, eines Hormonungleichgewichts oder einer psychischen Krankheit betrachtet und als Gegenteil von Sexualität angesehen. Asexualität ist aber als ein Spektrum zu betrachten. So gibt es asexuelle Menschen, die nur von Menschen angezogen werden, mit denen sie eine starke emotionale Verbindung haben – dies wird Demisexualität genannt. Nicht zu verwechseln mit der Entscheidung vor dem Sex auf ein emotionales Engagement zu warten – genauso wie bei Asexualität unterscheiden sich demisexuelle Menschen von denen, die eine aktive Entscheidung treffen, sexuelle Aktivitäten zu verschieben.
Asexualität ist eine sexuelle Orientierung, die eine Person beschreibt, die keine oder nur sehr wenig sexuelle Anziehungskraft auf irgendjemanden oder irgendetwas erfährt. Die sexuelle Orientierung einer Person beschreibt, zu wem oder was sie sich sexuell hingezogen fühlt…

