Media-Analyse 2025: Print im Minus – Chancen für unabhängige Medien
Die Krone verliert, Serviceblätter gewinnen: Was die neue Media-Analyse über Österreichs Medienmarkt verrät
Von Michael Wögerer
Österreichs Printmarkt schrumpft weiter – aber nicht überall gleich. Die neue Media-Analyse 2025 zeigt im Vergleich zu 2024 deutliche Verluste bei den großen Tageszeitungen, allen voran bei der Kronen Zeitung. Gleichzeitig gewinnen Service-, Gesundheits- und Regionaltitel teils kräftig dazu. Für unabhängige Projekte wie Unsere Zeitung liegt darin eine klare Botschaft: Wer Leser:innen gewinnen will, braucht weniger Massenlogik und mehr Profil, Vertrauen und direkte Bindung.
Die große Bewegung: weniger Reichweite bei Tageszeitungen, mehr Nutzung im Netz

Der markanteste Befund der neuen Zahlen lautet: Die österreichischen Tageszeitungen verlieren in Summe weiter an Leserinnen und Leser. Die Netto-Reichweite aller erhobenen Tageszeitungen sinkt von 4,018 Millionen im Jahr 2024 auf 3,9 Millionen im Jahr 2025. Laut der aktuellen Media-Analyse 2025 liegt die Gesamtreichweite der Tageszeitungen in Österreich bei exakt 50,0 % – im Vergleich zu 2024 (51,7 %) greift somit nur noch jede/r zweite Österreicher/in (ab 14 Jahren) zu einer Tageszeitung.
Parallel dazu steigt die allgemeine Internetnutzung weiter an: Gefragt nach dem „letzten Monat“ wächst sie von 7,102 Millionen auf 7,233 Millionen, bei der täglichen Nutzung („gestern“) steigt die Nutzung von 6,695 Millionen auf 6,807 Millionen. Das ist kein spektakulärer Bruch, aber ein weiterer Schritt in eine Richtung, die seit Jahren erkennbar ist: Print verliert weiter an Reichweite, während die digitale Nutzung zunimmt.
Der größte Verlierer heißt Kronen Zeitung
Am deutlichsten trifft der Print-Rückgang die größte Marke des Landes. Die Kronen Zeitung fällt von 1,702 Millionen (21,9 %) auf 1,546 Millionen (19,8 %) Leser:innen – ein Minus von 156.000 beziehungsweise 2,1 Prozentpunkten. Auch die Sonntags-Krone verliert kräftig und sinkt von 2,145 Millionen (27,6 %) auf 2,063 Millionen (26,4 %). Wenn das größte Blatt im Land so deutlich nachgibt, ist das mehr als eine normale Jahresschwankung. Es zeigt, dass selbst reichweitenstarke General-Interest-Medien ihre frühere Selbstverständlichkeit im Alltag vieler Menschen verlieren.
Auch andere Titel geben nach, wenn auch weniger dramatisch: Die NÖ Nachrichten (NÖN) verlieren 57.000 Leser:innen, Mein Bezirk – Regionalmedien Austria gesamt büßt 52.000 ein, das Weekend Magazin 39.000. Rückgänge zeigen sich auch bei Gusto, Profil, Woman und mehreren regionalen Gratisprodukten.
Gewinner sind jene, die im Alltag nützlich sind

Während klassische Nachrichtenmarken unter Druck stehen, legen andere Segmente zu. Besonders stark wächst Frisch gekocht: von 1,352 Millionen auf 1,489 Millionen Leser:innen. Auch Active Beauty gewinnt kräftig und steigt von 506.000 auf 602.000. Zuwächse gibt es außerdem bei TV Media, Gesund & Leben, Gesünder Leben, Auto Touring, oe24, dem Falter und der Kleinen Zeitung am Sonntag.
Das ist kein Zufall. Einige dieser Titel liefern konkreten Nutzwert: Kochen, Gesundheit, Freizeit, TV-Orientierung oder regionale Alltagsnähe. Gerade in einem überfüllten digitalen Markt scheint Print dort noch stark zu sein, wo es nicht bloß Meldungen wiederholt, sondern Gewohnheiten begleitet. Anders gesagt: Leser:innen greifen eher zu Medien, die ihnen unmittelbar etwas bringen, als zu austauschbaren Nachrichtenpaketen.
Was die Zahlen über den Medienmarkt sagen
Die MA 2025 beschreibt selbst einen „tiefgreifenden Strukturwandel“, geprägt von Digitalisierung, veränderten Nutzergewohnheiten und neuen Wettbewerbsformen. Diese Diagnose spiegelt sich in den Reichweiten. Die großen, breit angelegten Nachrichtentitel verlieren an Zugkraft. Stabiler wirken Medien mit klarer Funktion: starke Regionalbindung, klar umrissene Zielgruppen, Servicecharakter oder direkte Alltagsrelevanz.
Für den österreichischen Medienmarkt heißt das: Nicht Print als Ganzes ist das Problem, sondern das austauschbare Printprodukt. Wer bloß allgemeine Aufmerksamkeit verwaltet, gerät stärker unter Druck. Wer einen konkreten Grund liefert, gelesen zu werden, hält sich besser. Das ist eine nüchterne, aber wichtige Unterscheidung.
Und was bedeutet das für Unsere Zeitung?
Für Unsere Zeitung sind diese Ergebnisse weniger Warnsignal als Orientierung. Ein unabhängiges Projekt kann und muss nicht in der Logik großer Massenreichweiten denken. Die Media-Analyse (MA) legt vielmehr nahe, dass gerade Medien mit erkennbarem Profil, klarer Haltung, thematischer Zuspitzung und direkter Beziehung zum Publikum Zukunftschancen haben.
Für Unsere Zeitung heißt das konkret: Nicht Anpassung an die Logik großer Tageszeitungen, sondern Profil, Haltung und direkte Bindung ans Publikum. Ein kritisches Medium gewinnt nicht durch Beliebigkeit, sondern durch Wiedererkennbarkeit. Wer Demokratie, soziale Gerechtigkeit, Frieden und Machtkritik ernst nimmt, muss daraus ein publizistisches Profil machen, das nicht jeden Tag alles will, sondern die relevanten Dinge besser einordnet als der schnelle Nachrichtenstrom. Gerade weil der Markt voller austauschbarer Kurzaufmerksamkeit ist, kann Verlässlichkeit zum Wettbewerbsvorteil werden.
Hinzu kommt ein zweiter Punkt: Die MA arbeitet längst mit CrossMediaReach und seit 2024 auch mit CMR+, also der Kombination aus Print, Online und Newsletter. Allein das zeigt, wie wichtig die direkte Bindung zum Publikum geworden ist. Für Unsere Zeitung bedeutet das: Newsletter, Mitgliedermodelle, stabile Stammleserschaft und eine eigene publizistische Community bleiben Kern der Strategie. Wer sich auf externe Plattformen verlässt, macht sich abhängig. Wer Leser:innen direkt erreicht, gewinnt Unabhängigkeit.
Der eigentliche Befund
Die neue Media-Analyse erzählt also keine einfache Geschichte vom „Sterben der Zeitung“. Sie zeigt etwas Präziseres: Das breite Nachrichtenpaket verliert an Boden, der digitale Alltag wächst, und erfolgreich bleiben jene Medien, die entweder nützlich, nah oder unverwechselbar sind. Für große Verlagshäuser ist das ein Geschäftsproblem. Für kleine unabhängige Medien kann es – bei aller ökonomischen Härte – auch eine Chance sein.
Wenn Unsere Zeitung daraus etwas lernen kann, dann dies: Nicht Reichweite um jeden Preis entscheidet, sondern Relevanz. Wer für Leser:innen unentbehrlich wird, muss nicht der Größte sein. Aber er hat eine Zukunft.
Quellen:
Titelbild: Media-Analyse 2025 (Unsere Zeitung / KI-generiert mit Genspark)

