US-Wahl: Arzt aus Detroit besiegt 70-Millionen-Dollar-Lobby
Bei den Vorwahlen in den USA am Dienstag hat Dr. Abdul El-Sayed die Democratic Primary – die parteiinterne Vorauswahl der US-Demokraten für die Kandidatur zum US-Senat – im Bundesstaat Michigan gewonnen. Der 41-jährige El-Sayed setzte sich mit einem Plus von rund 21.000 Stimmen gegen die amtierende Kongressabgeordnete Haley Stevens (43) durch, berichtet das US-Nachrichtenmagazin Democracy Now.
Was die Wahl bemerkenswert macht: El-Sayeds Gegnerin wurde von einer beispiellosen Gegenkampagne unterstützt. Die pro-israelische Lobbyorganisation AIPAC und ihre Verbündeten pumpten bis zu 46 Millionen Dollar in den Wahlkampf – El-Sayed selbst sprach in seiner Siegesrede sogar von insgesamt 70 Millionen Dollar, die gegen ihn eingesetzt wurden. Das Übergewicht: elf zu eins.
El-Sayed wörtlich:
Across that movement that we built, there was an inspiration in the idea that we could take our government back, government of the people, by the people and for the people, instead of government of the corporations, by the special interests and for the billionaires. And because you had the audacity to believe in that, you know that the billionaires, the corporations and the special interests, they weren’t going to give up lightly. We all knew they were going to spend their money. We didn’t know they were going to spend $70 million of their money. We didn’t know that they were going to outspend us $11 to $1. And yet we’re still standing.
(deutsche Übersetzung: Die von uns aufgebaute Bewegung schöpfte ihre Kraft aus der Vorstellung, dass wir uns unsere Regierung zurückholen könnten – eine Regierung des Volkes, durch das Volk und für das Volk, anstatt einer Regierung der Konzerne, gesteuert von Sonderinteressen und zugunsten der Milliardäre. Und weil ihr den Mut hattet, daran zu glauben, wusstet ihr auch, dass die Milliardäre, die Konzerne und die Vertreter von Sonderinteressen nicht so schnell aufgeben würden. Wir alle wussten, dass sie ihr Geld einsetzen würden. Doch wir wussten nicht, dass sie 70 Millionen Dollar dafür ausgeben würden. Wir wussten nicht, dass sie uns finanziell um das Elffache übertreffen würden. Und doch stehen wir immer noch hier.)
Wer ist Dr. Abdul El-Sayed?
Abdul El-Sayed kam 1984 als Sohn ägyptischer Einwanderer in Detroit zur Welt. Er hat einen Doktortitel in Medizin und arbeitete als Assistenzprofessor für Epidemiologie, bevor er die Leitung des Gesundheitsamts der Stadt Detroit übernahm. El-Sayed ist muslimischen Glaubens, Vater zweier Töchter und gehört dem progressiven Flügel der Demokratischen Partei an. Zu seinen Unterstützern gehören Senator Bernie Sanders, die Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez und die mächtige Autogewerkschaft UAW. Sollte El-Sayed die eigentliche Wahl im November gewinnen, wäre er der erste muslimische Senator in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Sein Gegenkandidat wird der ehemalige republikanische Kongressabgeordnete Mike Rogers sein.
Was im November auf dem Spiel steht
Die eigentliche Wahl im November entscheidet nicht nur über einen einzelnen Sitz im US-Senat, sondern über die Mehrheit in dieser Kammer. Darüber hinaus geht es um eine politische Richtungsentscheidungen mit internationaler Strahlkraft: Abtreibungsrecht, Gesundheitsversorgung, Arbeiter:innenrechte und Klimaschutz.
Der Sieg eines progressiven Arztes aus Detroit gegen eine vermeintliche Übermacht an Konzern- und Lobbygeldern gibt linken Kräften in den USA Rückenwind für die kommenden Wahlen. Auch gegen Dutzende Millionen Dollar lässt sich gewinnen – wenn eine Bewegung Themen, Authentizität und konsequenten Vor-Ort-Wahlkampf verbindet. Ob diese Strategie im November Früchte trägt, wird sich zeigen.
Titelbild: El-Sayed trifft Wähler:innen an der Michigan Technological University, 22. Oktober 2025 (Foto: Conlan Houston, flickr.com; Lizenz: CC BY-SA 4.0)

