Wieso verrückte Theorien die Grundlage der Wissenschaft sind
Glosse von Max Sternbauer
In den Fünfzigerjahren des letzten Jahrhunderts kam es in der Bundesrepublik Deutschland zu einem bizarren Prozess: Die Astronomische Gesellschaft war wegen der Behauptung verklagt worden, die Sonne sei heiß.
Was zunächst für Verwunderung sorgt, birgt doch eine interessante Anekdote über die Entstehung wissenschaftlicher Theorien, denn die Vorstellung von der Sonne als heißer Gaskugel ist relativ neu. Im 18. Jahrhundert war es eine gängige Vorstellung, die Sonne als ähnlichen Himmelskörper wie die Erde zu betrachten – nur halt viel größer.
Heutzutage lacht man über solche Geschichten, denn man verfügt ja über den modernen Schatz der Naturwissenschaften. Blöd ist nur, dass der Zahn der Zeit auch an diesem Schatz nagt und die Weisheiten von heute zu den lustigen Geschichten von morgen werden können.
Als eine für künftige Forscher verrückte Theorie könnte sich die Erforschung der dunklen Materie erweisen. Was ist das?
Bei Beobachtungen von Galaxien war aufgefallen, dass sich die äußeren Sterne viel zu schnell bewegten und dabei fast genauso schnell unterwegs waren wie die Sterne im Inneren der Galaxie. Aufgrund der Fliehkräfte hätten die Sterne aber quasi von der Galaxie weggeschleudert werden müssen.
Der Astronomin Vera Rubin, die während ihrer Zeit am Lowell-Observatorium die Geschwindigkeit von Sternen messen wollte, war das aufgefallen. Daraus ergab sich die Problematik der dunklen Materie – oder anders gesagt: die Problematik sichtbarer Materie, die nicht genügend Gravitation aufweist.
Der Begriff „dunkle Materie“ soll die Schwierigkeit umschreiben, etwas zu beschreiben, was da ist oder da sein muss, wovon aber bisher kein Forscher eine Ahnung hat, was das überhaupt sein kann.
Physiker verwenden, um die Forschung in der Teilchenphysik zum Thema dunkle Materie zu illustrieren, gern das Bild von der Nadel im Heuhaufen.
Wobei dieses Bild nicht sehr zutreffend ist, denn die dunkle Materie kann nicht die Nadel sein; sie ist der dunkle Wald. Die Nadel symbolisiert die bekannte Materie im Universum, die laut aktuellem Konsens der Wissenschaft rund zwanzig Prozent ausmacht.
Der „Rest“, wenn man so will, ist das große weite Universum, das noch erforscht werden muss. Und dabei werden so verrückte Theorien helfen wie jene von Sonnen, die durch Kernfusion Wasserstoff in Helium umwandeln.
Bisher:
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Titelbild: Die Sonne leuchtet im Zentrum eines dunklen, von rätselhaften Strukturen durchzogenen Kosmos (Unsere Zeitung / KI-generiert mit Nano Banana Pro)

